Ausgleichszahlungen in Nordeuropa Usus

13. Oktober 2009, 13:39
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Finanzausgleich im Nordischen Rat - Dänemark hat als häufigstes Zielland Probleme

Kopenhagen/Helsinki - Ein Modell wie die derzeit wieder einmal diskutierten finanziellen Ausgleichszahlungen für deutsche Studenten in Österreich ist im Norden Europas bereits verwirklicht: An den Hochschulen der fünf Mitgliedsländer des Nordischen Ministerrates - Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden - herrscht seit mehr als zehn Jahren jeweils freier Zugang für Studenten aus den anderen Ländern. Die für das Gastland entstehenden Mehrkosten werden auf Basis eines Abkommens aus dem Jahr 1996 im Rahmen der Beiträge zum Budget des Nordischen Rates abgegolten.

Laut Ingveig Astad, Sonderberaterin für Höhere Bildung beim Nordischen Ministerrat in Kopenhagen, hat sich das Abkommen insgesamt sehr gut bewährt. Dies lasse sich allein schon daraus ablesen, dass das immer für drei Jahre geltende Abkommen von den jeweiligen Bildungsministern bisher stets ohne Debatte verlängert worden sei, sagte Astad gegenüber der APA.

Als beliebtestes Zielland hat allerdings Dänemark Probleme mit dem Zustrom von Studenten aus den Nachbarländern. So gab es in den vergangenen Jahren Diskussionen auf bilateraler Ebene vor allem zwischen Schweden und Dänemark - und zwar wegen der hohen Anzahl an schwedischen Studenten, die jährlich zum Studium nach Dänemark ausweichen. Hauptgrund ist die geringe Anzahl der jährlich in Schweden verfügbaren Studienplätze in Fächern wie Medizin, Veterinärmedizin und Architektur.

Ähnlich, aber nicht ganz so dramatisch, ist die Situation mit Studenten aus Norwegen. Bisher wurde auf politischer Ebene versucht, unter anderem durch Turnusplätze in Schweden für die Absolventen dänischer Universitäten einen Ausgleich zu schaffen. Außerdem gab es beiderseits Bestrebungen, die Problematik auf europäische Ebene zu bringen.

Der im Abkommen zwischen den Ländern des Nordischen Rates verankerte Finanzausgleich sieht vor, dass die jeweiligen Beitragszahlungen der einzelnen Länder zum gemeinsamen Budget der Nordischen Zusammenarbeit für aufgenommene Studenten aus einem anderen skandinavischen Land um einen bestimmten Betrag pro Kopf gekürzt beziehungsweise für "versendete" Studenten erhöht werden. Die für die Berechnung der Gesamtsumme als Grundlage verwendeten Statistiken werden von den jeweiligen nationalen Studentenförderungsstellen erhoben.

Island ist von der Ausgleichspflicht übrigens ausgenommen - ebenso wie die autonomen Inselterritorien (Grönland und Färöer - beide Dänemark - sowie die zu Finnland gehörenden Aland-Inseln). Laut Ingveig Astad handelt es sich um eine Art Kulanzregelung wegen des geringen Studenten-Austausches und des niedrigen Beitragsvolumens mit diesen Ländern, beziehungsweise Regionen insgesamt. (APA)

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