Zwei neue Ordnungs­­truppen ab November

13. Oktober 2009, 13:25
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Kampf gegen Kaugummi und Füße auf den Sitzplätzen - Linien- und Reinigungsservice sollen für Ruhe und Sauberkeit sorgen

Unter dem Titel "Linienservice" und "Reinigungsservice" werden ab November zwei neue Ordnungstruppen bei den Wiener Linien starten.

Kampf gegen Kaugummi und Füße auf den Sitzplätzen

Der 70-köpfige Servicetrupp soll für die Einhaltung der Beförderungsbestimmungen sorgen und hat im Ernstfall auch das Recht, Organstrafmandate zu verhängen. Ein Fokus für den Linienservice seien Kaugummikleber und Füße auf den Sitzplätzen, aber auch,  älteren Menschen beim Hinsetzen zu unterstützen. "Dass sind diese Alltäglichkeiten, die unser Leben ausmachen und für die wir uns auch verantwortlich fühlen," erklärte Stadträtin Renate Brauner. Entscheidend sei mithin die schiere Präsenz der Ordnungstruppe. Es seien besonders erfahrene Mitarbeiter für den Job ausgebildet worden, um bei Konflikten auch deeskalierend eingreifen zu können.

Organstrafmandate

Wenn bei Konflikten alles nichts hilft, kann der Linienservictrupp allerdings als eisenbahnrechtliches Aufsichtsorgan durchgreifen und etwa bei Verunreinigungen eine Gebühr in Höhe von 50 Euro verlangen oder Organstrafmandate verhängen.

Strafen bei Gewalt bleibt Sache der Polizei

Wenn es um Gewalt gehe, sei dies aber nach wie vor eine Sache der Polizei, unterstrich Brauner. Die bestehenden Einheiten wie die Fahrscheinkontrolleure oder die Stationsaufsicht bleiben erhalten, auch wenn die Linienservice-Mitarbeiter im Anlassfall auch Fahrscheine kontrollieren können.

Linienservice trägt gelbe Weste und blaue Baseballkappe

Der Linienservice wird mit gelber Weste und blauer Baseballkappe im gesamten Liniennetz patrouillieren. Zunächst werden 40 Personen unterwegs sein, ab 1. Jänner 2010 ist dann volle Mannstärke erreicht.

Reinigungsteam trägt grün-gelbe Weste

Der 50-köpfige Reinigungsservice wird hingegen während des laufenden Betriebs die Waggons reinigen, wie die zuständige Stadträtin Renate Brauner erklärte. Pro 100.000 Fahrten im Liniennetz gebe es zwar nur eine Beschwerde, so Brauner: "Aber auch diese eine Beschwerde ist uns noch zu viel." Das Reinigungsservice wird primär in den schwächeren Betriebszeiten im U-Bahn-Netz im Einsatz sein. Das Reinigungsteam ist mit grün-gelber Weste unterwegs. Die bestehenden 370 Reinigungskräfte blieben weiterhin erhalten, unterstrich Brauner.

Brauner lehnt Stadtwache ab

Eine einheitliche Stadtwache wie seit längerem von Teilen der Opposition gefordert, lehnten Brauner und Bürgermeister Michael Häupl erneut ab. Zwar sei bei den verschiedenen Ordnungsdiensten wie den Waste-Watchern, den Ordnungsberatern oder dem Linienservice das Prinzip das gleiche. Die konkrete Aufgabe sei allerdings jeweils spezifisch und die Instrumente darauf abgestimmt.

Ob es demnach noch weitere Ordnungsdienste in der Zukunft geben werde, könne man nicht sagen. "Wir machen das ja nicht aus Jux und Tollerei", unterstrich Häupl. Man reagiere auf die Wünsche der Wiener. Es gehe dabei nicht um Law und Order: "Es geht darum, dass wir wollen, dass die Leute gut miteinander umgehen."

Opposition verhöhnt erneut "Uniformensalat"

Nach der Präsentation zweier neuer Ordnungstruppen für die Wiener Linien höhnt die Opposition einmal mehr über den "Uniformensalat". ÖVP-Landesgeschäftsführer Norbert Walter machte sich am Dienstag über den "mit Pomp und Trara präsentierten nächsten Kapperl-Streich der Wiener SPÖ" lustig. Man honoriere zwar, dass die Stadt Aufgaben der Polizei übernommen habe, aber auch das Prostitutionsgesetz sei Landessache, mutmaßte Walter über die Installierung von "Nightclub-Watchern" im Rotlichtmilieu. Auch "Bay-Watcher" für die städtischen Bäder traute er der SPÖ angesichts der "Kreativität beim Erfinden neuer Ordnungsdienste" zu.

Grüne: Linienservice eine Husch-Pfusch-Aktion

Die grüne Verkehrssprecherin Ingrid Puller nannte den Linienservice eine Husch-Pfusch-Aktion. Damit schaffe man lediglich eine Uniform mehr und hopple den Scharfmacherparolen von ÖVP und FPÖ hinterher. Es fehle ein durchdachtes Konzept, regte die Grün-Politikerin die Wiedereinführung etwa von Zugbegleitern an, wie dies in Bochum geschehen sei.

Teuer und wirkungslos prophezeiten die Freiheitlichen als Fazit nach Einführung der neuen Wiener-Linien-Organe. Schließlich könne die "überbordende" Kriminalität und Gewalt in Wiens U-Bahnen durch diese Einheiten nicht gestoppt werden. Sie forderten eine 150-köpfige U-Bahn-Polizei. Darüber hinaus sorgte sich Sicherheitssprecher Johann Gudenus darum, dass der SPÖ die Kapperl-Farben langsam ausgehen könnten. Dann "werden die nächsten Brauner-Truppen wahrscheinlich Pudelhauben tragen", so seine Vermutung. (APA)

  • Zwei neue Ordnungstruppen sollen ab November für Sicherheit und Sauberkeit sorgen - Strafen bei Gewalt soll Sache der Polizei bleiben
    foto: rathauskorrespondenz/schaub-walzer

    Zwei neue Ordnungstruppen sollen ab November für Sicherheit und Sauberkeit sorgen - Strafen bei Gewalt soll Sache der Polizei bleiben

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