"Nicht nur Weltmeister im Hinrichten und Foltern, sondern auch in Zensur"

13. Oktober 2009, 12:50
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Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte übt scharfe Kritik

Frankfurt/Main - Zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse haben Menschenrechtler den Ehrengast China erneut scharf kritisiert. "China ist nicht nur Weltmeister im Hinrichten und Foltern, sondern auch in Zensur", sagte der Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Martin Lessenthin, am Dienstag in Frankfurt. Peking versuche, auch in anderen Ländern unbequeme Stimmen zum Verstummen zu bringen. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) veröffentlichte einen Report über die Verfolgung 130 kritischer Autoren in China. Dieser zeige, dass die Zeit nicht reif sei, um China zum Ehrengast der Buchmesse zu erklären, erklärte Asienreferent Ulrich Delius in einer Mitteilung.

Der exilchinesische Autor Bei Ling will die Messe dazu nutzen, der literarischen Untergrundbewegung eine Stimme zu geben. "Es gibt noch eine andere Stimme", sagte der in den USA lebende Bei. Die Chefredakteurin der Zeitung "Epoch Times" in Europa, Lea Zhou, warnte vor einer Medienoffensive der chinesischen Führung. So werde versucht, ausländischen Großkonzernen wie etwa Time Warner den Eintritt in den chinesischen Filmmarkt zu erlauben - unter chinesischer Aufsicht. Zugleich würden chinesischsprachige Zeitungen im Ausland unterwandert und auf Linie mit der offiziellen Propaganda gebracht. Die "Epoch Times" steht der Meditationsbewegung Falun Gong nahe, die in China als Sekte verboten ist.

Die frühere Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland und heutige Europaabgeordnete der Grünen, Barbara Lochbihler, kritisierte den Umgang der Messe mit dem Gastland China. Die Führung der Buchmesse habe sich nicht ausreichend erkundigt, mit welchen Dialogpartnern sie es zu tun habe, sagte Lochbihler bei Deutschlandradio Kultur. "Es gibt eine Tradition der Menschenrechtsverletzungen in China und es gibt leider sehr wenig Innovationen, dass sie wirklich gegen diese Missstände vorgehen wollen." China präsentiert sich unter dem Motto "Tradition und Innovation" auf der weltgrößten Bücherschau, die am Dienstagabend von der deutschen Bundeskanzler Angela Merkel und Chinas Vizepräsident Xi Jinping eröffnet wird. (APA)

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