ÖBB-Chef Klugar räumt Fehler ein

13. Oktober 2009, 13:30
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Möglicherweise habe man "zu spät reagiert", mittlerweile sei das System von solchen Dingen befreit

Wien - ÖBB-Chef Peter Klugar räumt Fehler bei der Affäre um die illegal aufgezeichneten Diagnosedaten über Bahnmitarbeiter ein. Möglicherweise habe man "zu spät reagiert", sagte Klugar am Montagabend im Zigarrenclub in Wien. Mittlerweile sei das System von solchen Dingen befreit, für das Image der Bahn sei das aber eine unangenehme Situation. Auch bei Verspätungen vor allem auf der Südbahnstrecke habe man das Problem "wieder im Griff".

"Kontrastprogramm"

"Das Krankenstanddatenproblem hat uns überfahren", so Klugar. Intern sei der Umbau des Personalwesens durch die Bestellung des langjährigen Sektionschefs "öffentlicher Dienst und Verwaltungsreform" im Bundeskanzleramt, Emmerich Bachmayer, bereits am Laufen gewesen. Der Experte für Beamtendienstrecht wechselte mit Juni in die ÖBB und wird in der Holding für strategische Personalfragen zuständig sein. "Bachmayer ist das Kontrastprogramm", sagte Klugar.

Ursache für die Aufzeichnung von Diagnosen war laut Klugar, dass Mitarbeiter wegen hoher Krankenstanddaten nicht befördert wurden, und das in einigen Fällen als ungerecht empfunden worden sei. "Da sind wir über die Grenzen gegangen", sagte Klugar. In der Sachverhaltsdarstellung, die dieser Tage an die Staatsanwaltschaft gehen soll, gehe es im Kern um Datenschutzverletzungen. Einen Vergleich mit den Bespitzelungen von Mitarbeitern bei der Deutschen Bahn will der ÖBB-Vorstandschef allerdings nicht gelten lassen.

Urlaub für Franz Nigl

Der bisherige Personalchef Franz Nigl soll laut informierten Kreisen demnächst in Urlaub gehen. Sein Vertrag als Geschäftsführer der in Auflösung befindlichen Dienstleistungsgesellschaft (DLG) läuft mit Jahresende ohnehin aus.

Der Ausbau der Bahninfrastruktur - einer der Gründe für Verspätungen oder Zugausfälle - werde die Qualität der Bahn verbessern. Die ÖBB selbst müssen nach Ansicht ihres Chef jedenfalls die Informationspolitik bei Störungen und Verzögerungen verbessern. Schon jetzt seien auf den Bahnhöfen Infoteams unterwegs. Auf der Westbahnstrecke werden "die wesentlichen Elemente bis 2012 fertig sein". In Richtung Süden, wo es in den vergangenen Monaten - auch am Dienstag wieder - auf Grund von Unwettern zu stundenlanden Verspätungen gekommen ist, wird die Fertigstellung länger dauern.

Klugar verteidigte auch Überlegungen für eine Einstellung von gering ausgelasteten Strecken. Durch die Konkurrenz von Privaten auf der lukrativen Westbahnstrecke ab 2011 drohten den ÖBB dort Einnahmenausfälle. Damit gebe es auch weniger Geld zur Subventionierung anderer Trassen. Konkret gehe es um weniger als 10 Prozent der Strecken, während mit dem Ausbauprogramm über die nächsten 25 Jahre die Kapazitäten der Bahn um 30 Prozent steigen. Auch zum Thema Nahverkehr müsse man beginnen, mit einigen Ländern zu diskutieren.

Positives Ergebnis 09

Trotz der Probleme mit Verspätungen und Baustellen wird es im Personenverkehr 2009 ein deutlich besseres operatives Ergebnis (EBIT) geben, kündigte Klugar weiters an. War im Vorjahr - außerordentliche Abschreibungen von 315,6 Mio. Euro nicht mitgerechnet - im operativen Betrieb noch ein Minus von 15 Mio. Euro angefallen, werde heuer ein positives Ebit von "30 bis 40 Mio. Euro" erwartet.

Verantwortlich für die deutliche Verbesserung in der Personenverkehrs AG sind nach Angaben aus dem Unternehmen zusätzliche Verkehrsleistungen für die Länder Tirol, Salzburg, Oberösterreich und Steiermark sowie der Ausbau des Nahverkehrs und damit auch der Zahlungen des Bundes für sogenannte gemeinwirtschaftliche Leistungen. Im Fernverkehr verzeichnet die Bahn hingegen einen Rückgang, vor allem bei Tickets für Städtereisen. Zugleich habe die Personenverkehrs AG in diesem Jahr besser gewirtschaftet und die Zahl der Mitarbeiter reduziert, auch im Management.

Im Güterverkehr - der langjährigen Cash Cow der ÖBB - werde es 2009 "kein positives Ergebnis geben" bestätigte Klugar frühere Angaben von Rail Cargo Austria (RCA)-Chef Friedrich Macher. Die RCA sei jedenfalls "gut aufgestellt". Das zeige die Tatsache, dass der Gütertransport in Österreich trotz krisenbedingter Einbrüche stabiler sei als in anderen europäischen Ländern, betonte er. (APA)

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