Außenminister könnte über "Affäre Thompson" stürzen

13. Oktober 2009, 12:05
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Wochenzeitung: Einsatz für rechtsextreme Sänger nach Einreiseverbot in die Schweiz brachte Jandrokovic in Ungnade

Zagreb - Sein Einsatz für den umstrittenen ultranationalistischen Sänger Marko Perkovic Thompson könnte den kroatischen Außenminister Gordan Jandrokovic den Job kosten. Wie das kroatische Wochenmagazin "Nacional" unter Berufung auf Vertraute von Ministerpräsidentin Jadranka Kosor berichtet, wird der Chefdiplomat wegen einer eigenmächtig an die Schweizer Regierung geschickten Protestnote den blauen Brief bekommen. Jandrokovic hatte in Bern gegen ein Einreiseverbot für Thompson protestiert, woraufhin er in scharfen Worten von Staatspräsident Stjepan Mesic gerügt wurde.

Laut "Nacional" wird Jandrokovic seinen Posten im Zuge der anstehenden ersten Regierungsumbildung im Kabinett Kosor verlieren. Die national-konservative Politikerin steht seit Juni an der Spitze der kroatischen Regierung. Den Außenminister hat sie ebenso wie die meisten Minister von ihrem überraschend zurückgetretenen Vorgänger Ivo Sanader "geerbt". Wegen der Thompson-Affäre habe Jandrokovic nun die Unterstützung Kosors verloren, während er jene von Staatspräsident Mesic ohnehin nie gehabt habe, schreibt "Nacional" nach Angaben der Belgrader Nachrichtenagentur Tanjug vom Dienstag.

Scharfe Kritik durch Mesic

Mesic hatte Jandrokovic vorgeworfen, einer Person zur Seite zu stehen, "die mit einer 'Neo-Ustascha-Idelogie' liebäugelt" und darauf ihr Image aufbaue. Der Präsident machte dem Minister klar, dass er künftig keine diplomatischen Noten mehr ohne Konsultationen mit dem Staatsoberhaupt oder der Ministerpräsidentin verschicken dürfe. Jandrokovic verteidigte sich mit dem Argument, dass das Ministerium nur die staatsbürgerlichen Rechte des Sängers und nicht seine politische Haltungen verteidigen wollte. Kosor hüllte sich in der Affäre um ihren Chefdiplomaten in beredtes Schweigen.

Das Schweizer Bundesamt für Polizei hatte am 29. September verfügt, dass Thompson nicht zu einem Konzert in Kriens (Kanton Luzern) einreisen darf. Perkovic sei für hetzerische Texte und die Verherrlichung der kroatischen Faschisten (Ustascha) bekannt, hieß es. Etwa 150 Menschen demonstrierten am vergangenen Samstag vor der Schweizer Botschaft in Zagreb gegen das Einreiseverbot. Zwei Demonstranten wurden festgenommen, weil sie Staatspräsident Mesic durch Parolen beleidigt hatten.

Die Schweiz ist nicht das erste Land, das Thompson die Einreise untersagt. Im Kärntner St. Andrä wurde ein für Anfang Juni geplanter Thompson-Auftritt aus Sicherheitsgründen abgesagt. Im Mai trat der Sänger im Wiener Budo-Center auf, doch hatte er dafür offenbar keine Genehmigung.

Perkovic hat seinen Spitznamen "Thompson" von der gleichnamigen Maschinenpistole, die im Bürgerkrieg in Kroatien (1991-1995) verwendet wurde. Einige der Liedtexte seiner gleichnamigen Band stammen aus dem Repertoire des faschistischen kroatischen Führerstaates, dem nazi-treuen Ustascha-Regime, zwischen 1941 und 1945. Erst im Juli klagten drei kroatische Nichtregierungsorganisationen den Sänger wegen Verhetzung an, weil er bei einem Konzert in Zagreb einen faschistischen Gruß gezeigt hatte. (APA)

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