Generali Österreich mit Ergebnisplus

13. Oktober 2009, 11:30
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In Österreich wird Generali von den großen Versicherungen "am wenigsten" zusätzliches Kapital brauchen, um Solvency II zu erfüllen

Triest/Wien - Generali Österreich hat im ersten Halbjahr 2009 trotz eines Rückgangs des direkten Prämienaufkommens um 3,1 Prozent auf 1,311 Mrd. Euro das Konzernergebnis - bereinigt um außerordentliche Erträge aus dem Verkauf einer CEE-Beteiligung - um 1,9 Prozent auf 52,2 Mio. Euro gesteigert.

Besonders das zweite Halbjahr war für die Generali aber buchstäblich verhagelt - der Aufwand für Unwetterschäden beläuft sich laut Vorstand Walter Kupec heuer schon auf 130 Mio. Euro. "Wir gehen dennoch davon aus, dass wir das Jahr 2009 mit einer Combined Ratio von 96 Prozent netto beenden werden", sagte Kupec vor österreichischen Journalisten in Triest. Für 2010 kündigte Kupec "leichte" Prämienerhöhungen bei der Sturmschaden-Versicherung an.

Allein das Hagelunwetter vom 23. Juli, das weite Teile Österreichs heimgesucht hat, habe "innerhalb von nur drei Stunden" den Generali-Kunden einen Schaden von 75 Mio. Euro verursacht, berichtete Kupec. "Das war das größte uns bekannte Schadenereignis in der Geschichte der österreichischen Generali Versicherung." Österreichweit seien mehr als 17.000 Kunden betroffen.

Am schlimmsten hat der Hagel das Bundesland Salzburg getroffen, wo der Hagel mehr als 32 Mio. Euro Schaden angerichtet hat. Außerdem entstanden im Juni und Juli auch durch Überschwemmungen hohe Schäden von insgesamt mehr als 23 Mio. Euro. Bei den Hochwasser-Schäden liegt Niederösterreich mit 7 Mio. Euro vor Oberösterreich mit 6 Mio. Euro an der Spitze.

Wegen der Hagelschäden seien 50.000 Schadensfälle zusätzlich zu bearbeiten gewesen, "unsere Mitarbeiter haben teilweise sieben Tage die Woche und zwölf bis 14 Stunden am Tag gearbeitet", sagte Kupec.

Für 2010 werde es deshalb in Oberösterreich, Salzburg und Teilen Niederösterreichs Prämienerhöhungen geben - zwischen 5 und 10 Prozent, je nach Region, kündigte Kupec an.

Cirina: Kein zusätzlicher Kapitalbedarf für Solvency II

Die Generali Österreich wird kein zusätzliches Kapital brauchen, um die von der EU beschlossenen Aufsichts- und Eigenkapitalregeln Solvency II zu erfüllen, die spätestens bis 1. Oktober 2012 umgesetzt sein müssen. Das sagte Vorstandschef Luciano Cirina am Montag vor österreichischen Journalisten in Triest.

"Wir haben schon lange vor der Finanzkrise ein professionelles Risk-Management aufgebaut, das sich im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld bestens bewährt", so Cirina. Darum habe die Generali Österreich - "im Gegensatz zu anderen Marktteilnehmern" - von keinerlei Bilanzierungserleichterungen Gebrauch machen müssen und bei der Bewertung ihrer Kapitalanlagen am strengen Niederstwertprinzip festhalten können.

In Österreich werde die Generali von den großen Versicherungen "am wenigsten" zusätzliches Kapital brauchen, um Solvency II zu erfüllen, bestätigte etwas vorsichtiger als Cirina auch der deutsche Versicherungsexperte Matthias Müller-Reichart. Anders sehe das zum Beispiel bei der VIG oder der UNIQA aus, nicht nur wegen der Reserve-Situation dieser beiden Versicherungen, sondern auch wegen ihrer Osteuropa-Engagements.

An die Risk-Manager appellierte der Hochschulprofessor Müller-Reichhart, mathematischen Modellen nicht blind zu vertrauen. "Experten müssen mit ihrem berechtigten Bauchgefühl Strukturbrüche und Schock-Szenarien prognostizieren und auch irrationales und psychologisch motiviertes Verhalten in ihren Zukunftsszenarien berücksichtigen."(APA)

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    Vorstandschef Luciano Cirina

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