Ein ganzheitliches Sportwagenkonzept

13. Oktober 2009, 16:45
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Audi zeigt anhand der Sportwagenstudie e-tron, dass man praktisch jeden Bauteil auf die Anforderungen elektrischer Mobilität auslegen muss

Dass Audi mit der Studie e-tron eine elektrisch angetriebene Variante des Supersportlers R8 in den Mittelpunkt seines IAA-Auftritts stellte, hat definitiv nicht den Grund, dass die Techniker einfach das Verbrennungstriebwerk durch einen Elektromotor ersetzten. Die Änderungen sind umfangreicher und betreffen fast jeden Bauteil. Die Anforderungen der Elektromobilität bedingen nach Meinung des deutschen Herstellers nämlich einen ganzheitlichen Ansatz.

Was den e-tron, außer der Optik, mit dem R8 verbindet, ist die Tatsache, dass seine Motor- und Fahrleistungen Supersportwagen-Freunde zufrieden stellen sollen: Insgesamt 313 PS leisten die vier Elektromotoren (je zwei Stück an Vorder- und Hinterachse) und das reicht für eine klassenübliche Beschleunigung von 4,8 Sekunden von 0-100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit ist hingegen aus Effizienzgründen auf 200 km/h beschränkt. Für eine optimale Schwerpunktlage und Achslastverteilung sorgt die Position der Batterie hinter dem Passagierabteil: Mit einer Gewichtsverteilung von 42:58 soll der e-tron ein perfekt ausbalanciertes Fahrverhalten gewährleisten. Durch das sogenannte "torque vectoring" kann die Kraft der vier Motoren, die in der Grundeinstellung zu 70 Prozent an die Hinterräder weitergeleitet wird, variabel zwischen den Rädern verteilt werden, was laut Audi zu einer besonderer Präzision und Agilität in Kurven führt.

Bekannterweise ist die Speicherung der Energie und damit die vergleichsweise geringe Reichweite das große Problem der Elektromobilität. Durch die Einführung der Lithium-Ionen-Technologie konnte Leistung und Kapazität der Batterie gesteigert und gleichzeitig ihr Gewicht gesenkt werden. Auch Audi vertraut auf diesen Speichertyp - der im Konzeptfahrzeug noch immer gewaltige 470 kg wiegt - und gibt für den e-tron eine Reichweite von rund 248 Kilometern an. Ein Wert, der allerdings nur durch das Zusammenspiel vieler Elemente erzielt werden kann.

Mitentscheidend ist eine deutliche Reduzierung aller Fahrwiderstände: Die Maßnahmen umfassen eine stärkere Konzentration auf Aerodynamik und den Leichtbau, der geringes Gewicht mit höchster Festigkeit und Steifheit verbindet. Ein bedarfsgesteuertes Energiemanagement steuert alle Funktionen für Fahrwerk, Komfort und weitere Nebenverbraucher. Das Antriebspaket, einschließlich der Batterie, muss sicher ins Fahrzeug integriert werden, soll im besten Fall (wie beim e-tron) das Fahrverhalten optimieren und gleichzeitig das Platzangebot für Passagiere und Gepäck nicht beeinträchtigen.

Zu den aerodynamischen Maßnahmen zählen unter anderem die Lufteinlässe im Frontgrill, die im Normalfall verschlossen sind und erst dann geöffnet werden, wenn mehr Kühlluft benötigt wird. Dem Thema Leichtbau (das komplette Fahrzeug wiegt rund 1.600 kg, wobei für deutlich über ein Viertel des Fahrzeuggewichts die Batterie verantwortlich ist) wird beim e-tron durch eine Space Frame-Konstruktion Rechnung getragen, während alle Anbauteile (Türen, Klappen, Seitenwände und Dach) aus faserverstärkten Kunststoff bestehen - diese Kombination aus Aluminium und Kohlefaserverbundwerkstoff plant Audi schon bald in der Serienproduktion einzusetzen.

Die elektromechanische Bremsanlage nutz das Rekuperationspotenzial der Elektromotoren optimal. Während an der Vorderachse hydraulische Festsättel montiert sind, sorgen an der Hinterachse elektrisch betätigte Faustsättel für die Verzögerung.

In Elektrofahrzeugen stellt auch die Heizung ein neu zu überdenkendes System dar. Während ein Verbrennungsmotor genügend Abwärme liefert, um damit den Innenraum zu heizen, sind in bisherigen E-Fahrzeugen vorwiegend elektrische Heizungen im Einsatz, die vergleichsweise viel Energie benötigen. Audi stellt mit der Wärmepumpe nun ein Novum im Automobilbau vor, die als höchst effizient arbeitende Kraft-Wärme-Maschine mit einem Minimum an Energiezufuhr auskommt.

An eine mögliche Serienversion des e-tron darf man wahrscheinlich gar nicht denken: Keiner könnte ein derartiges Fahrzeug bezahlen. Die eine oder andere Technologie wird allerdings mit Sicherheit weiterentwickelt und Eingang in die Großserienproduktion finden. (saubereAutos.at)

Die inhaltliche Verantwortung liegt beim Autor. Zur Verfügung gestellt von saubereAutos.at.

  • Die Kombination aus Aluminium und Kohlefaserverbundwerkstoff macht den e-tron besonders leicht.
    foto: werk

    Die Kombination aus Aluminium und Kohlefaserverbundwerkstoff macht den e-tron besonders leicht.

  • Immer noch ist es die Batterie, die viel zum Gewicht beiträgt.
    foto: werk

    Immer noch ist es die Batterie, die viel zum Gewicht beiträgt.

  • Eine Wärmepumpe macht den Innenraum behaglich und spart so Energie, die für die Reichweite benötigt wird.
    foto: werk

    Eine Wärmepumpe macht den Innenraum behaglich und spart so Energie, die für die Reichweite benötigt wird.

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