Kurden aus Traiskirchen verschwunden

13. Oktober 2009, 18:47
221 Postings

Angeblich kein Zusammenhang mit zwei Schlägereien in der Erstaufnahmestelle

Traiskirchen/Wien - Von jenen 64 Kurden, die Freitagnacht in Niederösterreich bei der Verhaftung dreier mutmaßlicher Schlepper aufgegriffen wurden, sind nach Angaben des Innenministeriums 58 Personen untergetaucht. Sechs Flüchtlinge hatten keinen Asylantrag gestellt und sind in Schubhaft. Die anderen seien Samstagabend im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen nicht bei einer Standeskontrolle erschienen, erklärte Innenministeriums-Sprecher Harald Noschiel am Dienstag.

Wenn die Asylwerber innerhalb von 48 Stunden nicht wieder auftauchen, fallen sie aus der Grundversorgung (ärztliche Betreuung, Essen, Taschengeld), und es wird kein Asylverfahren eingeleitet. Mittwochfrüh soll feststehen, ob tatsächlich alle 56 Personen untergetaucht sind. Für zwei kann Noschiel das bereits fix sagen: Zwei Syrier seien inzwischen in Deutschland aufgegriffen worden.

Dass Flüchtlinge die Erstaufnahmestelle Traiskirchen verlassen, ist weder rechtswidrig noch ungewöhnlich: Leiter Franz Schabhüttl sagt, wenn sich dort zwischen 800 und 900 Personen aufhielten - wie es derzeit der Fall ist - verließen etwa 200 Asylwerber im Monat die Betreuungsstelle. "Für viele ist Österreich nicht Zielland", sagt er.

Mit zwei Schlägereien im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen habe das Verschwinden der Kurden nach ersten Ermittlungen, laut Schabhüttl, nichts zu tun.

Am Samstag gegen 22.15 Uhr sei es in einem Gebäude zu Handgreiflichkeiten zwischen etwa 40 Personen gekommen. Ein Georgier soll sich auf ein Fensterbrett ein Stockwerk tiefer übergeben haben, wodurch sich ein dort wohnender Afghane angegriffen gefühlt habe. Es habe vier Leichtverletzte gegeben.

Gegen 2.30 Uhr sei der Konflikt erneut ausgebrochen, diesmal mit 60 bis 70 Beteiligten. Ein Mann sei dabei aus dem Fenster gesprungen und habe sich den Knöchel gebrochen. Sieben weitere Personen hätten sich leicht verletzt. Inzwischen sei es wieder ruhig im Erstaufnahmezentrum, versicherte Schabhüttl. Mitarbeiter des Unternehmens European Homecare, das vor Ort die Flüchtlinge betreut, bestätigten das vorsichtig. (Gudrun Springer, DER STANDARD Printausgabe, 14.10.2009)

 

Share if you care.