Regierung greift Kostenbericht zur Gesundheitsreform an

13. Oktober 2009, 08:04
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Von Versicherungen in Auftrag gegebene Studie sagt erhebliche Versicherungs-Mehrkosten voraus

Washington - Die US-Regierung hat mit scharfen Worten einen Bericht der Versicherungsverbände zurückgewiesen, der deutlich höhere Kosten als Folge der geplanten Gesundheitsreform vorhersagt. Die von der Beratungsfirma PriceWaterhouseCoopers erstellte Analyse diene nur den Interessen der Versicherer, erklärte Präsidialamtssprecher Reid Cherlin am Montag. "Es fällt schwer, ihn ernst zu nehmen." Dagegen erklärte ein ranghoher republikanischer Senator, der Bericht dürfe nicht ignoriert werden. Am Dienstag soll in dem einflussreichen Finanzausschuss des Senats über einen Entwurf der billionenschweren Reform abgestimmt werden.

Die Studie im Auftrag der Gruppe America's Health Insurance Plans sieht als mögliche Folge der Reform die jährlichen Versicherungskosten für eine vierköpfige Familie bis 2019 um bis zu 4.000 Dollar (2.709 Euro) steigen. Als Gründe nannten die Berater, dass wegen eines fehlenden Zwangs zur Teilnahme besonders junge Bürger weiter auf einen Schutz verzichten könnten, Menschen mit Vorerkrankungen nicht mehr die Teilnahme verweigert werden könne und diverse neue Steuern in der Diskussion seien. "Eine Reform des Gesundheitswesens könnte bedeutende Auswirkungen auf die Kosten einer privaten Krankenversicherung haben", hieß es in dem am Wochenende veröffentlichten Text.

Cherlin erklärte dagegen, die Studie habe Maßnahmen nicht berücksichtigt, die die Kosten senken würden. Er wies darauf hin, dass die Versicherer zu den entschiedensten Gegnern der geplanten Reform gehören. Der Minderheitsführer im Senat, der Republikaner Mitch McConnell, verteidigte den Bericht dagegen. "Höhere Beiträge, höhere Steuern, mehr Regierungsbeteiligung - das ist keine Reform", sagte er. McConnell verurteilte die geplanten Änderungen als ein Experiment, das die bestehende Versorgung von Millionen von Amerikanern gefährde.

Die Reform des amerikanischen Gesundheitssystems ist das wichtigste innenpolitische Projekt von Präsident Barack Obama. Derzeit haben etwa 46 Millionen der 307 Millionen Menschen in den USA keine Krankenversicherung, obwohl die Amerikaner pro Kopf weltweit am meisten für ihre Gesundheit ausgeben. Allerdings sind die abgesicherten Bürger überwiegend mit ihrer Versorgung zufrieden und befürchten, nach einer Reform schlechter dazustehen. Kritiker halten das Vorhaben zudem für nicht finanzierbar. In mehreren Ausschüssen des Kongresses sind verschiedene Varianten der Reform erarbeitet worden, die nun zur Deckung gebracht werden müssen. (APA/Reuters) 

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