Zweitplatzierter der Präsidentenwahl im Hungerstreik

12. Oktober 2009, 20:36
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Mba Obame setzt Zeichen gegen "Diktatur und Bürgerkrieg"

Libreville - Der Zweitplatzierte der umstrittenen Präsidentschaftswahl in Gabun, André Mba Obame, ist am Montag in einen Hungerstreik getreten. In einer Erklärung des früheren Innenministers heißt es, er sei bereit, sein Leben zu opfern, damit der Äquator-Staat an der afrikanischen Atlantikküste nicht "in der Diktatur, im Bürgerkrieg und im Völkermord" versinke. Sein Hungerstreik werde so lange dauern, bis der Opposition nicht weiter mit "Einschüchterung, Zwang und Gewalt" zugesetzt werde.

Aus der Wahl am 30. August war Ali Bongo, der Sohn des im Juli nach 42-jähriger Herrschaft verstorbenen Staatschefs Omar Bongo nach offiziellen Angaben als Sieger hervorgegangen. Er erhielt laut dem kundgemachten Wahlergebnis 41,7 Prozent der Stimmen, Mba Obame kam auf knapp 26 Prozent. Außer dem Zweitplatzierten Mba Obame beanspruchte auch Pierre Mamboundou, der Vorsitzende der oppositionellen "Union des Gabunesischen Volkes" (UPG), den Sieg für sich. Beide fochten das Wahlergebnis wegen Unregelmäßigkeiten an und forderten eine Neuauszählung der Stimmen. Bei der Wahl genügte die relative Mehrheit, eine Stichwahl war nicht vorgesehen. Die Einschaltung einer Vermittlungsmission der Afrikanischen Union (AU) hatte die gabunesische Regierung abgelehnt.

Im September brachen schwere Unruhen aus. Im Ölhafen von Port-Gentil waren die Depots des französischen Total-Konzerns in Flammen aufgegangen. Demonstranten hatten das französische Konsulat in Brand gesteckt und das Gefängnis gestürmt. Insgesamt leben über 10.000 Franzosen in Gabun. Die frühere Kolonialmacht unterhält in Gabun eine Militärbasis mit 1500 Soldaten. 120 französische Unternehmen, insbesondere Total, sind in dem 1960 unabhängig gewordenen multiethnischen Land mit eineinhalb Millionen Einwohnern engagiert. Frankreich hat in der Vergangenheit mehrfach durch militärische Interventionen den Sturz der Machthaber in Gabun verhindert. Durch seinen Ölreichtum hat das Land das höchste Pro-Kopf-Einkommen Afrikas mit 14.000 Dollar jährlich, aber 80 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. (APA)

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