"Homophobe Beziehung"

12. Oktober 2009, 19:25
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Heinzl fragte Westenthaler, ob er es für möglich halte, dass der Deutsche mit Haider eine "homophobe Beziehung" hatte

Um Quote zu machen, sind auch die Toten recht. Nicht nur in Kärnten, auch beim ORF. Die einen errichten einem unverantwortlich im Vollrausch mit dem Auto zu Tode gerasten Politiker ein Marterl und verklären ihn zu einem Heiligen, der doch nur als scheinheilig durchgeht, die anderen kochen "Im Zentrum" einen alten Eintopf neu hoch und diskutieren "das politische Erbe Haiders". Darauf kann man sich wahrscheinlich saisonal einstellen, weil so ein Todestag jährt sich ja hartnäckig.

Eine Diskussion also, mit den üblichen tiefbraunen Lebensmenschen, die die üblichen, leidlich bekannten Positionen wiederkäuten. Es heißt zwar, Journalismus ist Wiederholung, irgendwann ist es aber auch gut.

Dass in all dem Todestagsgewese der Humor nicht zu kurz kam, dafür sorgten ebenfalls am Wochenende und unfreiwillig Dominic Heinzl und Peter Westenthaler in einem total berührenden Interview zum Thema.

Nachdem in der Bild-Zeitung ein Mann angegeben hatte, er habe mit Haider eine Beziehung gehabt, fragte Heinzl Westenthaler, ob er es für möglich halte, dass der Deutsche mit Haider eine "homophobe Beziehung" unterhalten habe.

Okay, ATV hat keinen Bildungauftrag zu erfüllen, dennoch. Aber vielleicht durfte Heinzl auch deshalb ursprünglich nicht mehr zum Life Ball.

Dass auch dem Westi der Unterschied zwischen homophil und homophob nicht auffiel - geschenkt. Die einstigen Wegbegleiter Haiders winden sich ja in all ihren Wortmeldungen um den Begriff Homosexualität herum, als sei das eine ansteckende Krankheit. Weil: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Und sich als "normaler Mensch" bei solch Teufelszeug auszukennen, das macht einen ja nachgerade verdächtig! Jawolll! (Karl Fluch/DER STANDARD; Printausgabe, 13.10.2009)

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