Obama-Dämmerung

12. Oktober 2009, 19:20
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Sein erstes Jahr hat Obama mit visionären Reden bestritten, umgesetzt ist nichts

Die größte Leistung von Barack Obama bisher besteht darin, dass er nicht George W. Bush ist. Dafür hat er auch den Nobelpreis bekommen. Diese nur leicht unfaire Sichtweise beginnt sich jetzt fatalerweise im wichtigen Leitmedium der amerikanischen Late-Night-Comedians durchzusetzen: Saturday Night Live brachte eine gefakte Obama-Rede, in der er stolz erklärt, er habe "absolut nichts" getan. Jay Leno erklärte, man könne nicht erwarten, dass der Präsident eine Entscheidung über mehr Truppen für Afghanistan trifft: "Er hat fünf Monate gebraucht, um über einen Hund für seine Kinder zu entscheiden". Der rasiermesserscharfe Jon Stewart verlor live seine Geduld mit Obama: "Sie haben so viel auf dem Teller? It's fucking chow time, brother. So kriegt man den Teller leer".

Sein erstes Jahr hat Obama mit visionären Reden bestritten. Umgesetzt ist nichts - kein Siedlungsstopp im Westjordanland, keine Gesundheitsreform, keine Entscheidung, ob er seine Präsidentschaft wirklich in Afghanistan aufs Spiel setzen will. Er ist nicht mehr weit entfernt davon, eine fatale Punzierung als schönredender Tagträumer zu erhalten, die nie mehr weggeht. (Hans Rauscher/DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2009)

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