Deutschland wird bunter

12. Oktober 2009, 19:14
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Das Signal, das von Saarbrücken ausgeht, schallt bis Berlin - von Birgit Baumann

Manchmal ist Politik paradox: 13 Prozentpunkte verlor der saarländische Ministerpräsident Peter Müller mit der CDU bei der Landtagswahl am 30. August. Dennoch steht er jetzt als Gewinner da: Er kann sich dank der ersten deutschen Jamaika-Koalition im Amt halten. Mehr noch: Der gelegentlich etwas behäbige Müller ist plötzlich Avantgarde, weil er etwas ganz Neues ausprobiert. Umgekehrt ergeht es Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine. Er, dessen Linke an der Saar nicht zuletzt dank seines Engagements 19 Punkte dazugewannen, ist der Verlierer. Sein Plan, die Linken zur ersten Regierungsbeteiligung in einem westlichen Bundesland zu führen, scheiterte.

Auch nicht unoriginell:Von den 51 Sitzen im Landtag bekommen die Grünen, die nun Königsmacher sind, nur drei. Sie sind es auch, die in dem Dreier-Bündnis mit CDU und FDP am meisten unter Beobachtung stehen werden. An der Basis bekommen viele bei der Vorstellung, dass man künftig mit Schwarzen und Gelben zusammenarbeitet, anstatt sie zu bekämpfen, regelrechte Magenkrämpfe.

Zwar ist das Saarland nur ein kleines Bundesland. Doch das Signal, das von Saarbrücken ausgeht, schallt bis Berlin. Ungern hören es die Sozialdemokraten, denn es bedeutet: Selbst ein Bündnis mit den Linken sichert den Genossen noch nicht automatisch die Macht - wenn die Grünen nicht mitziehen. Zur Freude der Union emanzipiert sich die Ökopartei von ihrem "natürlichen" Bündnispartner SPD und eröffnet der CDU/CSU neue Möglichkeiten. Eines ist jetzt schon absehbar: Die Lager bröckeln, Deutschland wird bunter. (Birgit Baumann/DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2009)

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