Höhere Quoten lösen nichts

12. Oktober 2009, 19:00
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Meist enden die regelmäßigen Milchgipfel mit einem Ruf nach noch mehr Stützungen - Von Johanna Ruzicka

Die mittlerweile regelmäßig stattfindenden, lautstarken Proteste der Milchbauern sind verständlich, verbergen sich dahinter doch persönliche, familiäre Schicksale. Weniger verständlich sind die derzeit stattfindenden, regelmäßigen "Milchgipfel" dazu, bei denen nervöse EU-Agrarpolitiker die als "Reform" bezeichneten Änderungen des EU-Milchmarktes so begradigen wollen, dass der Milchpreis nicht total den Bach runtergeht. Meist enden diese Treffen mit einem Ruf nach noch mehr Stützungen.

Der Milchpreis ist im Keller, obwohl versucht wird, mit fragwürdigen Maßnahmen, wie Exportstützungen in arme Drittländer, ihn hoch zu halten. Man lasse sich dies auf der Zunge zergehen: Weil die EU mit seinem milliardenschweren Agrarstützungsprogramm nicht imstande ist, innerhalb seiner Grenzen den Bauern faire Preise zu garantieren, die der Konsument auch zu bezahlen bereit wäre, werden arme Bauern in Entwicklungsländern aus dem Markt gedrängt. Sie können mit den hochsubventionierten EU-Exportmilchprodukten nicht mithalten.

Was von den Beteiligten in Europa niemand sagt: Der Milchpreis wird sich in der EU nur dann erholen, wenn weniger Milch angeliefert wird. Eine jährliche Ausweitung der erlaubten Zuliefermengen - nichts anderes stellen erweiterte Quoten dar - ist kontraproduktiv. Auch die Österreicher müssen sich an der Nase nehmen. Schon vor der "Reform" wurde Jahr für Jahr zu viel Milch angeliefert. Dafür musste dann eine Art Strafzahlung nach Brüssel geleistet werden. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.10.2009)

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