Schrift mit Löchern wie Schweizer Käse

14. Oktober 2009, 16:49
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Eine niederländische Firma entwickelte einen Schrifttyp mit Aussparungen, der beim Drucken bis zu 20 Prozent Tinte sparen soll

Unter der Lupe betrachtet erinnert der Schrifttyp "Spranq eco" etwas an Schweizer Käse: Die einzelnen Buchstaben haben Löcher beziehungsweise Aussparungen, die bewirken sollen, dass beim Drucken eines Textes rund ein fünftel weniger Fläche bedruckt werden muss. Bis zu 20 Prozent Tinte könne man so beim Drucken sparen, verlautbart die niederländische Kreativ-Kommunikationsagentur Spranq. Sie hat den Schrifttyp erfunden - ursprünglich jedoch nur zum internen Bürogebrauch - und ihm in weiterer Folge den Namen "Ecofont" gegeben.

Ersparnis von Drucker und Schriftgröße abhängig

Die tatsächliche Ersparnis sei von zwei Faktoren abhängig: Erstens von Bautyp und Alter des Druckers. Zweitens von der Schriftgröße - je kleiner sie ist, desto kleiner auch die Ersparnis. Wer Ecofont, wie die Firma den Schrifttyp benannt hat, verwendet, sehe am Bildschirm die übliche Schrift ohne Aussparungen, erst beim Drucken komme das System ins Spiel. Die Schrift kann man sich auf der Homepage www.ecofont.eu kostenlos herunterladen.

Professionelle Version für Preis nominiert

Aufgrund des großen Erfolgs wurde bereits eine professionelle Version von "Ecofont" entwickelt, die ab Ende November erhältlich ist. "Wir haben schon Anfragen von mehreren hundert Firmen. Zuerst starten wir am niederländischen Markt und Ende des Jahres oder Anfang 2010 werden wir auch ausländische Märkte bedienen können", so Rick von den Bos zu derStandard.at. Die Profi-Version "Ecofont Professional" wurde in den Niederlanden für die "Accenture Innovation Awards 2009" nominiert, die am 5. November vergeben werden.

Schriftart ohne Copyright

Die Geschichte zur neuen, "umweltfreundlichen" Schrift beginnt mit der Frage: "Wie viel eines Buchstaben kann man weglassen, damit er trotzdem noch lesbar bleibt?" Die erste Hürde bestand darin, eine Schriftart ohne Copyright zu finden, um diese dann zu verändern. Man enschied sich für "Bitstream Vera", die Open-Source-Alternative zu "Verdana". Zuerst versuchte man es mit der Hälfte an Freiraum, fand aber heraus, dass die Schrift auf den meisten Bildschirmen dann nicht mehr lesbar war.

Kreise siegten vor Sternen

Und wie sollten diese leergelassenen, unbedruckten Freiräume nun aussehen, um möglichst effizient zu sein? Es wurden verschiedene quadratische Formen probiert, sogar Sterne. Am Ende war klar: Aus den Buchstaben kleine Kreise "auszuschneiden" war am effektivsten. Nach zehn Monaten war der "grüne" Schrifttyp fertig entwickelt. "Ich denke, die Macht von Ecofont ist ihre Einfachheit", sagte Gerjon Zomer, Mitbegründer der Firma Spranq in einem Interview der National Post. "Es gibt viele komplizierte technische Lösungen, um Tinte zu sparen, aber diese sprechen die Leute normalerweise nicht an. Wir finden, dass es wichtig ist, die Wirksamkeit direkt zu sehen."
Die Gratis-Version wurde innerhalb der ersten drei Monate 500.000 Mal heruntergeladen. (mak, derStandard.at, 14.10.2009)

Link zum Gratis-Download:

www.ecofont.eu

  • Niederländische Kreativität: Die Löcher in den Buchstaben sollen helfen, bis zu 20 Prozent an Tinte zu sparen.
    foto: spranq/ecofont

    Niederländische Kreativität: Die Löcher in den Buchstaben sollen helfen, bis zu 20 Prozent an Tinte zu sparen.

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