Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom

12. Oktober 2009, 18:57
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Die Thesen, die Elinor Ostrom den Wirtschaftsnobelpreis einbrachten, drehen sich um Fische und Kühe, Weideland und Äcker. Deswegen liest sich ihr zentrales Werk, das 1990 erschienene Buch Governing the Commons, über weite Strecken wie ein spannender Roman und nicht wie ein ökonomisches Standardwerk.

Ostroms Arbeiten fallen tatsächlich aus dem Rahmen. Die zentrale Frage, mit der sie sich beschäftigt, ist, wie Gemeinschaftsgüter, etwa Gewässer und Wälder, am effizientesten bewirtschaftet werden können. Originär ist dabei ihre Antwort: Weder der Staat noch der freie Markt sind die Lösung. Kleine, gut organisierte Gemeinschaften sind oft am produktivsten. Für diese Erkenntnis untersuchte Ostrom Fischereikollektive auf den Philippinen und die Waldbewirtschaftung in Kamerun. Doch bis dahin war es ein weiter Weg.

Ostrom wird 1933 in Los Angeles geboren. Ihre Kindheit steht im Zeichen der Großen Depression: Um die Familie durchzubringen, muss diese im Garten Lebensmittel anbauen.

Der Aufschwung sichert ihr einen Platz auf der Universität: Ostrom studiert Politik an der University of California (UCLA). Danach arbeitete sie bei einer Anwaltsfirma in Boston, kehrte aber wieder zurück, um ihren Doktor zu machen. Dissertationsthema: Wassermanagement in Los Angeles.

Bereits hier beginnt Ostrom, detaillierte Kriterien zu entwickeln, wann und warum Selbstverwaltung funktioniert. Dabei zeigt sich eine weitere Stärke Ostroms, für die sie auch das Nobelpreiskomitee würdigt. Sie ist eigentlich Politikwissenschafterin, forscht also fächerübergreifend. "Sie ist vielleicht sogar mehr Politologin als Ökonomin", sagen Wirtschaftswissenschafter über die wenig bekannte Kollegin.

Und so unterrichtet Ostrom zunächst Politik, ihre erste Berufung führt sie an die University of Indiana, wo sie noch heute lehrt. Doch Ostrom wendet sich mehr und mehr der Ökonomie zu: Sie forscht zur Wirkung sozialer Beziehungen auf den wirtschaftlichen Erfolg und legt den Schwerpunkt auf Entwicklungsländer und Umwelt. 1973 gründet sie mit ihrem Mann Vincent, er ist ebenfalls Politologe, sogar ein gemeinsames Forschungsinstitut in Indiana.

Kollegen beschreiben Ostrom, die aber für ihre Ziele, wie ihr Institut in Indiana, auch mit voller Härte kämpfen kann, als völlig unprätentiös. So war vielleicht auch ihre erste Reaktion bezeichnend: "Diesen Preis zu erhalten ist eine große Ehre", sagte Ostrom demütig. "Und ich bin immer noch leicht schockiert." (András Szigetvari, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.10.2009)

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    Elinor Ostrom erhielt als erste Frau den Wirtschaftsnobelpreis.

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