Kontrapunkt zum Heldenplatz

12. Oktober 2009, 18:31
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Reinhard Müllers "Auf Lachen steht der Tod! Österreichische Flüsterwitze im Dritten Reich"

Wie grüßt man in Wien?

Der Profitler - "Heil Hitler!"

Der Mann mit Sorgen - "Guten Morgen".

Der Mann mit Courage - "Leck mich am Arsch!"

Was ist ein deutscher Eintopf? - Wenig Hirn, viel Kohl, alles in brauner Soße und immer wieder aufgewärmt.

Zwei Beispiele österreichischer Flüsterwitze in der NS-Diktatur. Die von Hanna Dauberger und Minni Schwarz 1946/47 angelegte Sammlung ist jetzt vom Soziologen Reinhard Müller neu herausgegeben worden. Der Titel Auf Lachen steht der Tod! verweist auf das Schicksal mancher Witzeflüsterer. Denn im Gegensatz zu vielen seiner Untertanen selbst noch in der schlimmsten Kriegszeit war das Nazi-Regime absolut humorlos.

Die Witze - es sind nicht weniger als 552 - "als Instrumente des aktiven Widerstands gegen den Faschismus zu interpretieren, wäre allerdings überzogen", heißt es im Begleittext. Immerhin wird man sie als Kontrapunkt zum Bild von den jubelnden Massen auf dem Heldenplatz stehenlassen dürfen. (jk/DER STANDARD, Printausgabe, 13. 10. 2009)

  • Reinhard Müller (Hrsg.): "Auf Lachen steht der Tod! Österreichische
Flüsterwitze im Dritten Reich". Studienverlag, Innsbruck 2009, € 26,90.
    coverfoto: studienverlag

    Reinhard Müller (Hrsg.): "Auf Lachen steht der Tod! Österreichische Flüsterwitze im Dritten Reich". Studienverlag, Innsbruck 2009, € 26,90.

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