Bauarbeiten auf der Wiener S-Bahn sorgen weiter für Unmut

12. Oktober 2009, 18:32
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Die ÖBB versprechen Besserung bei der Information und wollen Personal einsetzen, die Infrastrukturministerin übt Kritik

Wien - Wer derzeit in Wien mit der Schnellbahn fahren will, sollte besser nicht farbenblind sein. Rote, grüne, gelbe und blaue Streifen finden sich auf dem Fahrplan, der im Infokasten am Wiener Praterstern hängt. Sie sollen dem Reisenden verraten, wann er mit welchem Zug wohin kommt. Manche Züge sind nur an bestimmten Tagen betroffen, manche die ganze Zeit, verrät die Legende.

Wer auf dem zugigen Bahnsteig auf den Zug wartet, kann sich in dem Schaukasten noch über weitere wichtige Dinge informieren. Vier Zettel mit Schienenersatzverkehren, drei mit "Verkehrseinschränkungen, der Hinweis über die "Umleitung des Zuges Rex 7381"hängen dort dicht gedrängt. Wer es wissen will, erfährt auch, dass wegen andauernder Bauarbeiten an der Tullner Donaubrücke weiter der Sommerfahrplan gilt - wie dieser ausschaut, wird nicht verraten.

Viele Zettel machen noch keine wirkliche Information, kritisieren die Fahrgäste. Fragt man die Kunden am Bahnsteig, wissen beispielsweise nicht alle, dass die S-Bahn-Linien S 5 und 6 für eine Woche nur mehr bis Praterstern beziehungsweise ab Meidling fahren.

Ein wenig seltsam mutet es daher an, wenn die ÖBB am Montag bekannt gibt, dass man "eine Informationsoffensive, um die Kunden auf das Baustellenjahr vorzubereiten" gestartet habe. Ende Oktober wolle man bei der Informationssoftware nachbessern, bei Notsituationen wie dem Unglück am Matzleinsdorfer Platz am vergangenen Freitag reagiere man rasch - und setze "Mungos" ein. Das sind Mitarbeiter der ÖBB-Tochter "Mungos Sicher & Sauber GmbH", die für Reinigung und Security zuständig sind.

Bures sieht Handlungsbedarf

Selbst Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) erkennt offenbar Optimierungsbedarf. Für das Ausbauprogramm gäbe es zwar keine Alternative, da die ÖBB sonst nicht wettbewerbsfähig sei. Aber "jetzt sei "das Management gefordert", um "die Beeinträchtigungen so gering wie möglich" zu halten. In Sachen Kundenfreundlichkeit sei bei der ÖBB "noch einiges zu tun", sagte sie bei einer Pressekonferenz in Wien.

Was grundsätzlich auch Fahrgastvertreter so sehen - die allerdings nicht einsehen wollen, wie sich die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn erhöhen soll, wenn dutzende Nebenbahnen aufgelassen werden und selbst auf Hauptverbindungen plötzlich Busse eingesetzt werden. Auch die Arbeiterkammer kritisiert Fahplanausdünnungen, die vor allem Pendler betreffen.

Ein kleiner Trost bleibt ÖBB-Kunden allerdings - sie sind nicht in Berlin. Dort wurden aus noch nicht restlos geklärten Gründen Wartungsarbeiten an den Waggons ignoriert. Die Folge: 75 Prozent der Garnituren sind stillgelegt, auf ganzen Strecken fährt kein Zug mehr. (Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 13.10.2009)

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    Wer derzeit in Wien mit der Schnellbahn fahren will, sollte besser nicht farbenblind sein.

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