Ein Wassermann, der Krebsen vertraut

12. Oktober 2009, 18:20
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Frankreich muss nach dem Qualifikations-Schaulaufen gegen Österreich ins Playoff. Coach Domenech sehnt sich nach Südafrika. Dem Umstrittenen scheint dort Großes verheißen

Paris/Wien - Gut, dass Veli Kavlak und Andreas Ulmer keine Franzosen sind. In der Équipe tricolore hätten die beiden, lässt man ihre ballesterische Befähigung einmal ganz außer Acht, nie und nimmer ein Leiberl. Und kämen Helge Payer oder Jürgen Patocka im Dress der Franzosen an den Ball, ihr Sélectionneur, Raymond Domenech, würde die Augen schließen und beten. Mag sein, Rapid-Trainer Peter Pacult geht es bei Payer und Patocka hin und wieder auch so, aber sicher nicht aus Domenechs Beweggründen. Der vertraut nämlich prinzipiell Abwehrspielern nicht, die im Sternzeichen Löwe geboren sind. Und Skorpione wie Kavlak und Ulmer sind Domenech sowieso ein Gräuel.

Krebse dagegen liebt der Wassermann aus Lyon. Die Herren Zinédine Zidane, Fabien Barthez und Patrick Vieira haben den mittlerweile 57-Jährigen oft und oft in seiner Vorliebe bestätigt. Marc Janko und David Alaba hätten bei Domenech also gute Karten. Der beteuert zwar, dass Sternzeichen nicht die wichtigsten Faktoren bei seiner Aufstellung sind, sagt aber auch, dass er bei der Wahl zwischen zwei gleichstarken Spielern alle Parameter in seine Entscheidung einbeziehe. "Die Astrologie ist nicht der wichtigste, aber einer davon."

Der diesbezügliche Tick stammt aus Domenechs Anfangszeit als Trainer. Bei Lyon wollte sich Ende der 1980er-Jahre der Erfolg nicht einstellen. Der verzagte Coach entdeckte, dass er sieben Skorpione im Kader hatte. "Also musterte ich alle Skorpione bis auf einen Tormann und einen Stürmer aus" , erzählte Domenech. Im Jahr darauf gelang ihm mit Lyon der Aufstieg ins Oberhaus.

Seit mehr als fünf Jahren ist Domenech französischer Teamchef. Gleich mehrmals stand er während und nach der EURO 2008 sowie im Verlauf der zu Ende gehenden WM-Qualifikation vor dem Aus. Bei der französischen Presse ist der ehemalige Verteidiger, den sie "Schienbeinbrecher" nannten, schon seit der WM 2006 in Deutschland unten durch.

Exklusive Internas

Domenech verweigerte auf dem Weg ins Endspiel einerseits vernünftige Auskünfte, versorgte andererseits aber seine Freundin Estelle Denis - die inzwischen 32-jährige TV-Journalistin ist Mutter seiner beiden Kinder - mit Internas. Als er ihr im Vorjahr unmittelbar nach dem EM-Aus gegen Italien live im Fernsehen einen Heiratsantrag machte, war aber auch Denis ziemlich sauer.

Mannschaftsinterne Verstimmung konnte immer wieder mit Mühe gebügelt werden. Im September soll es bei einer Aussprache mit Thierry Henry zu einer heftigen Auseinandersetzung gekommen sein. Henry bestritt später Berichte, wonach er dem Trainer taktische und stilistische Konzeptlosigkeit sowie langweilige Trainingseinheiten vorgeworfen hätte. Mit dem Erreichen der Barrage um ein WM-Ticket für 2010 hat sich die Aufregung etwas gelegt.

Domenechs Vertrag endet mit der WM in Südafrika. Deren Finale steigt am 11. Juli, also genau sechs Jahre nach Domenechs Bestellung zum Teamchef und der Geburt seiner Tochter. Die heißt Victoire, also Sieg. Und selbstverständlich ist sie ein Krebs. (lü, DER STANDARD, Printausgabe, 13. Oktober 2009)

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    Mit Bällen gaberln, auf denen Namen stehen, wäre auch eine Möglichkeit. Raymond Domenech, Coach der Franzosen, bemüht für seine Aufstellung lieber die Astrologie.

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