Politische Randgruppe

Die Einsamkeit der Liberalen

13. Oktober 2009, 07:27
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    Ex-FPÖ-Vordenker Erich Reiter sieht sich als Freigeist, auch und gerade wirtschaftspolitisch.

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    Liberaler Volker Kier: "Unabhängig und autonom denken".

Der Liberalismus findet wohl auch im BZÖ kein politisches Obdach - Warum sich Österreichs Liberale bei keiner Partei zuhause fühlen

Wenn Josef Bucher in diesen Wochen etwas gelernt hat, dann ist es einstecken. Der BZÖ-Obmann wurde von der eigenen Partei zurechtgewiesen. Nach der verlorenen Wahl in Oberösterreich ging er in eine Krisensitzung, ohne zu wissen, ob er als Chef seiner Partei wieder herauskommt.

Was war passiert? Bucher hatte einen wirtschaftsliberalen Kurs propagiert, auch das F-Wort ("FDP") war gefallen. Nun klingt alles ganz anders: Bucher nennt den liberalen Weg nicht mehr ein konkretes Vorhaben, allenfalls eine "Denkoption". Und er trete auch nicht für mehr Liberalismus in Österreich ein.

Bucher "kein Mann des Dritten Lagers"

Was sagen eigentlich jene dazu, die sich noch offen zum Liberalismus bekennen, die sich sogar als Liberale definieren? "Das BZÖ ist ja eigentlich als rechtsliberale Bewegung gegründet worden", erinnert Erich Reiter, "auch wenn das die Partei anscheinend gar nicht zur Kenntnis genommen hat." Reiter leitet das Internationale Institut für Liberale Politik in Wien. Buchers Vorstoß sei nachvollziehbar, dieser sei nämlich "kein Mann des Dritten Lagers".

Das Dritte Lager kennt Reiter, der als früherer Querdenker der FPÖ gilt, selbst bestens. Seine FPÖ-Mitgliedschaft legte er erst vor wenigen Jahren zurück, obwohl er heute sagt, schon 1986 - "als Jörg Haider an die Macht kam" - mit der Partei inhaltlich gebrochen zu haben. Dennoch habe er weiter für die liberalen Kräfte in seiner Partei kämpfen wollen. Mitte der 90er Jahre forderte er offen Haiders Rücktritt. Ins Liberale Forum (LiF), das Heide Schmidt 1993 gründete, wechselte er dennoch nicht. Dessen Gründung sei "eine Nacht- und Nebel-Aktion" gewesen, befindet Reiter.

Sozialpartnerschaft ist "Absolutismus"

Naturgemäß anders sieht das Volker Kier, der 1994 für das LiF in den Nationalrat einzog. Auch er engagierte sich lange in der FPÖ, mit Friedhelm Frischenschlager und Schmidt erarbeitete er im sogenannten "Atterseekreis" Konzepte, wie man die FPÖ zu einer liberalen Partei machen könnte. Mit Haiders Wahl an die FPÖ-Spitze verließ er die Partei.

"Ich bin ein disziplinierter Anarchist", bringt Kier seine Selbst-Definition als Liberaler auf den Punkt. Ein Liberaler sei ein Mensch, der unabhängig und autonom denken will, in der Tradition der Aufklärung. Auch Reiter, der sich als eher "rechtsliberal" bezeichnet, sieht die "logische, vernunft-orientierte" Überlegung für wichtiger als die Kategorien "rechts" und "links" an. Einig sind sich Kier und Reiter auch darin, dass ihnen die Gepflogenheiten der österreichischen Sozialpartnerschaft ein Gräuel sind. Reiter: "Ein aufgeklärter Absolutismus der Stände."

Liberal ist nicht liberal

Doch damit ist auch schon Schluss mit dem liberalen Konsens. Reiter kritisiert am LiF, es sei "nie eine wirtschaftsliberale Partei" geworden - was Kier scharf zurückweist: "Wenn das jemand sagt, dann ist er ein Hayek-Fanatiker und glaubt bedingungslos an den freien Markt." Kier wiederum hat Reiter nicht verziehen, sich nach Haiders Aufstieg zum freiheitlichen Alleinherrscher nicht klarer dsitanziert zu haben. Reiters Institut für Liberale Politik meide er darum, "auch wenn die sicher auch gute Ideen haben".

Reiter sagt im Rückblick, er habe sich immer auf der Seite Norbert Stegers, des (von Haider entmachteten) Ex-FPÖ-Chefs, gesehen. Eben jener Steger konnte sich am Sonntag bei der ORF-Sendung "Im Zentrum" eine Spitze gegen Bucher nicht verkneifen: "Das ist doch der Treppenwitz der Geschichte, wenn man glaubt, die neue österreichische liberale Partei entsteht ausgerechnet mit dem Kern in Kärnten."

"Selbstmord mit Anlauf"

Reiter kommt zu einem anderen Schluss: Bucher habe seine Position ja von Anfang an deutlich gemacht, und ein Selbstverständnis des BZÖ als bürgerliche, "milde" Version der FPÖ wäre wenig erfolgversprechend. "In dieser Auseinandersetzung müssten die Kärntner den Bucher schon umbringen", glaubt Reiter. Denn: BZÖ-Chef Bucher werde sich von seiner Idee nicht abbringen lassen.

Ex-LiF-Politiker Kier hingegen sieht in Buchers liberalem Liebäugeln einen "Selbstmord mit Anlauf". Wer das BZÖ mit seinen derzeitigen Exponenten zu einer liberalen Partei mache, "schafft die Quadratur des Kreises".

Kein Platz in den Volksparteien

Bei den vergangenen bundesweiten Wahlen konnte die einzige dezidiert liberale Partei in Österreich nicht mehr punkten: Startete das LiF bei der Nationalratswahl 1994 noch mit 6,0 Prozent, schied es zwei Wahlgänge später - im Jahr 1999 - mit nur 3,7 Prozent aus dem Parlament aus - und kam bis heute nicht mehr hinein. Bei Schmidts Comeback im Vorjahr reichte es nur zu ernüchternden 2,1 Prozent; gerade einmal 102.000 Menschen machten ihr Kreuz beim LiF. Bei den Europa-Wahlen im Juni trat man nicht mehr an, dafür die Jungen Liberalen. Sie erreichten mit - zugegeben sehr geringen Mitteln - gerade einmal 0,7 Prozent.

Einig sind sich Kier und Reiter jedenfalls darin, dass in den Großparteien SPÖ und ÖVP heute denkbar wenig Platz für liberale Geister bleibt. Kier erinnert an den anerkannten Liberalen Heinrich Neisser, der unter Parteichef Wolfgang Schüssel eine zunehmend unbedeutende Rolle in der ÖVP spielte - bis zum völligen Abschied aus der Tagespolitik. Ein Kapitel, das auch Josef Bucher gewiss kennt. (Lukas Kapeller, derStandard.at, 13.10.2009)

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Außerirdischer
05
19.10.2009, 11:44
Eine ''liberale'' Partei, die mich beeindrucken würde, hätte keine Chance bei den Wählern!

Ich ziehe da einen - etwas zynischen - Umkehrschluß:

der halbwegs intelligente, selbständig denkende Mensch, der mit Spaß und Freude seiner Arbeit nachgeht, Anarchist im Denken und dennoch disziplinierter Arbeiter ist, der kunstsinnig und schöpferisch ist, sinnenfreudig saufen und alles sonst dazugehörige mit Mut und Liebe macht, freiheitsliebend ist, weil er mit seiner Freiheit auch was anzufangen weiß, sein Gegenüber nicht nur nach Denkschablonen und Reizwörtern beurteilt...

Äh, alles in allem: dieser Mensch fällt seit ca. 2500 Jahren offensichtlich nicht in die Zielgruppe der Politik. Wenn da größere Mengen an Wählern wären, würde die schon jemand abgrasen.

Männer Bedauerungsverein
00
17.12.2009, 17:32

Schöne Worte! Aber was tut so ein sympathischer Mensch dann in noch so interessanten Vereinigungen, wo sich immer irgendein Unsympathler als Führer aufspielt?

Peter Sichrovsky
00
9.12.2009, 17:10
liberal?

Blöd sind immer die anderen! Ist das Liberalismus Made in Austria?

hcl
01
16.11.2009, 22:51

Ich hoffe Sie wenden Ihre Analyse nur auf Österreich an. Denn ich denke die FDP beispielsweise kann schon als in Maßen erfolgreiche liberale Partei gelten und auch die britischen Liberalen, welche in Stimmen weitaus stärker sind, als ihnen das britische Wahlrecht Mandate gewährt.

HSH
00
18.10.2009, 09:38
Es kann sich jeder nennen ...

... wie er möchte. Ob die Bewertung der Anderen aber auch so ausfällt? Liberale Partei sehe ich auf jeden fall keine in Österreich.

Männer Bedauerungsverein
00
17.12.2009, 17:34

Was wollen denn diese antiintellektuellen Typen, die sich bei den Braunen tummeln? Ähnlich wie Gastinger. Zuerst mitmischen und sich auch noch wohl fühlen bei diesem xxx und dann, wenn es ihnen selbst an den Kragen geht, so tun, als wären sie reine Engel.

kritischer Beobachter
00
19.10.2009, 19:10

Es gehört zu den österreichischen Eigentümlichkeiten, dass in geradezu ideologischer Verbissenheit um den "echten" Liberalismus debattiert wird und die verschiedenen Strömungen sich jeweils gegenseitig absprechen, überhaupt Liberale zu sein.

Die Programmatik des LiF bewegte sich durchaus im Spektrum der europäischen liberalen Parteien, wenn auch sicher dort dem "linken" Flügel zuzurechnen. Die heute noch im LiF verbliebenen haben sich da aber ordnungspolitisch in ökonomischen Fragen etwas anders aufgestellt. Als Grundlage für einen neuen Anlauf durchaus brauchbar.

Erfolgreich kann eine liberale Partei aber nur sein, wenn sie ein gewisses Spektrum abdeckt und den Spannungsbogen zwischen verschiedenen "Flügeln" herstellt. Und erträgt!

kritischer Beobachter
01
16.10.2009, 17:03
Liberale Partei hat Chancen

Sowohl inhaltlich als auch funktional ist eine liberale Partei genau das, was im österreichischen Parteienspektrum fehlt. Natürlich hätte die Wahlchancen! Das LiF hat dies 1994 und 1995 ja bewiesen!

Aber die Performance muss auch stimmen. Nach dem knappen Scheitern 1999 verschwand das LIF von der Bildfläche. Der Versuch eines come back 2008 war - bei allen Mängeln - gar nicht so aussichtslos. Doch tauchte das LiF in den Wochen vor der Wahl nicht mit Inhalten, sondern nur noch mit Skandalgeschichten in den Medien auf. Es erschien in einem Licht, als handele es sich eher um eine Waschanlage für Korruptionsgelder der Bauwirtschaft als um eine politische Partei.

Eine solche Nachrichtenlage ist nun mal tödlich. Da waren 2,1 % noch viel...

Chien de Pique
00
17.10.2009, 18:03
Ich denke, eine liberale Partei hat nur Chancen als erneute Abspaltung einer bestehenden Parlamentspartei (am ehesten ÖVP oder Grüne). Alles andere ist in unserem kleinparteienfeindlichen, auf Abschließung und Selbststabilisierung

ausgelegten politischen System nahezu ausgeschlossen (sogar erfolgreiche, von Medien gepushte Populisten wie Dinkhauser oder HPM wären ohne vorherige Karriere mit Hilfe etablierter Parteien vollkommen chancenlos gewesen).
Fast niemand wählt, bei aller Sympathie, Parteien, die nur eine sichere weggeworfene Stimme bedeuten, den Verzicht auf das kleine bisschen Mitbestimmung, das die indirekte "Demo"kratie gewährt.
Dass die Grünen einst den Einzug in den Nationalrat, das Eindringen ins System geschafft haben, ist die große Ausnahme, die die Regel bestätigt; sie wurden aber von einem allgemeinen Trend getragen und einer breiten Bürgerbewegung gestützt, dieses Wunder wird sich beim einfach wenig massentauglichen Liberalismus kaum wiederholen.

kritischer Beobachter
00
19.10.2009, 19:23

Dass mit der "verlorenen Stimme" wird meines Erachtens überbewertet. Wie gesagt: 2,1 % für das LiF bei der Wahl 2008 waren eigentlich erstaunlich viel, wenn man die katastrophale Nachrichtenlage bedenkt. Mehr war da wirklich nicht drin. Bevor es in den letzten 3 Wochen mit diesen Skandalgeschichten los ging, lag das LiF bei allen Meinungsforschungsinstituten im Bereich der nötigen 4 %. Doch bei dem schlimmen medialen Erscheinungsbild war der Absturz nur logisch!

hcl
00
16.11.2009, 22:53

Hier kann man sicher auch eine behaupten: Zach hat's sicherlich vergeigt. Ich hätte zwar auch ohne die Skandale nicht an einen Einzug geglaubt, aber 3-3,5% wären schon drin gewesen.

kritischer Beobachter
01
26.11.2009, 18:12
Seltsame Geschichte

Ja, Zach hat Fehler gemacht, wurde bei einer Falschaussage ertappt. Das war aber nicht der Hauptpunkt. Die Geschichte ist rückblickend seltsam:

Woche für Woche wurden Nachrichtenmagazine - ORF und Tageszeitungen griffen das dann auf - mit angeblichen Belegen für einen Spendenskandal gefüttert: Haselsteiner habe via Liberale und Zach die ungarische Politik bestochen, um an Bauaufträge zu kommen. Ob was dran war, wurde nie geklärt, interessierte nach der Wahl auch niemanden mehr. Das LIF war damit aus dem Rennen, sein Wahlkampf nicht nur gestört, sondern ruiniert. Als "Informant" verdächtigte das LIF die Grünen, doch deutet später vieles auf HPM. Die mediale Einspeisung erfolgte sehr professionell: keine Chance auf rechtzeitige Widerlegung.

Placebo
 
10
16.10.2009, 15:40
Ohne Haider endet dieser Sauhaufen wie das LIF. Der "Kärntner Weg" ist ausserhalb Kärntens einfach nur eine Lachnummer. Jder weiss das. Nur das BZÖ will es nucht wissen.

the photographer
23
15.10.2009, 16:29
Hierzulande...

...halten sich die gezeichneten Kellernazis für Liberale.
Genau das ist das Problem!

MarioV
91
15.10.2009, 10:39
Heide Schmidt & LIF waren nicht glaubwürdig

- Der Kampf gegen Kurt Krenn wurde nicht mit Argumenten, sondern mit Menschenjagd geführt
- Thema Medienalbanien völlig ignoriert
- bedingungsloser Kniefall vor politischer Korrektheit
-- keine Kritik an Beweislastumkehr
-- Geschlechter-Apartheid einführen
- das Schutzschild Neutralität sollte abgeschafft, und die Bürger damit völlig der Willkür der Regierung ausgeliefert werden
- Persönlichkeiten wie Elfriede Hammerl

Die Beschmutzung des Wortes Liberalismus durch das LIF wird noch lange nachwirken.

Truhe
 
12
14.10.2009, 01:04

Wirtschaftsliberalismus allein reicht nicht für eine "echte Liberale" aus, das ist der grundsätzliche Denkfehler. Echter Liberalismus kann sich nicht ausschließlich auf die Wirtschaft oder den Markt beziehen, sondern höchstens einen Aspekt des Liberalismus darstellen.

hcl
00
16.11.2009, 22:56

Echter Liberalismus muß natürlich sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich sein. Beides kann natürlich seine Grenzen haben – aber es behauptet ja ohnehin kein ernstzunehmender Liberaler, daß der Liberalimus keinerlei staatliche Kontrolle und Regelung benötigt. Das ist ja irgendwie auch die Grenze zum Anarchismus.

Miriam Kofler1
01
14.10.2009, 08:52
Genau, und deshalb spricht das LIF ja auch immer davon,

daß der Liberalismus unteilbar ist.

ordy
01
15.10.2009, 10:10

Ein Liberalismus der darin besteht den Kopf in den Sand zu stecken und reale Probleme ignoriert schafft sich irgendwann selbst ab.

Gimli
01
13.10.2009, 23:44

Ich glaube, dass es in Österreich genügend Wählerpotential (ähnlich Deutschland) für eine liberale Partei gäbe.
Um die bisherigen gecheiterten Versuche möglichst kurz zu kommentieren: Heide Schmid war unbeliebt und ihre Nachfolger faul.

ordy
00
15.10.2009, 10:11

Der einzige Liberalismus der wirklich funktionieren kann, ist der Nationalliberalismus, d.h. wirtschaftsliberale Ideen im Rahmen des Nationalstaates durchsetzen.

hcl
10
16.11.2009, 22:57

Nun, Sie dürften weder von Wirtschaft noch von Liberalismus viel Ahnung haben.

sognidgscheit
 
10
17.10.2009, 03:13

Augen aufmachen und mal in den Kalender sehen.
17.10.2009.

Soviel zum Nationalstaat und ihren Ideen von Wirtschaft.

orso minore
10
15.10.2009, 14:31

Nationalliberalismus ist ein Widerspruch in sich bzw. ist das was Sie meinen ein reiner Wirtschaftsliberalismus, aber kein gesellschaftlicher. Wenn der Nationsbegriff irgendeinen Gehalt haben soll dann muss es Identifikationsmerkmale in der Lebensweise der Angehoerigen dieser Nation geben, das heisst man schreibt den Leuten vor wie sie zu leben haben (inklusive viele Kinder kriegen, die Nation darf ja nicht aussterben).

ordy
00
15.10.2009, 16:16

Der gesellschaftspolitische Liberalismus der Nationalliberalen besteht im Beharren auf der Gewaltentrennung, der Kontrolle der Mächtigen, der freien Meinungsäußerung im Gegensatz zur Unterordnung unter die politische Korrektheit.

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