Ein Clan vor Kagran

12. Oktober 2009, 18:09
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Die beiden Eishockeyspieler der Graz 99ers Chris und Patrick Harand stürmen erstmals in Wien gemeinsam gegen die Capitals

Graz/Wien - "Kein Spiel wie jedes andere" , sagt der eine. "Ein sehr spezielles Spiel" , sagt der andere. Die Harand-Brüder Chris (28) und Patrick (25) werden Dienstag in Graz in einen Bus steigen, um am Abend  in Wien-Kagran gegen die Capitals zu spielen. Hier sind sie groß geworden, hier waren sie zwar auch seit 2003, da sie Wien verließen, immer wieder zu sehen - aber noch nie gemeinsam. "Viele Freunde werden kommen" , sagt Chris. "Verwandte sowieso" , sagt Patrick.

Patrick hatte fünf Jahre lang für Red Bull Salzburg, Chris für Linz und den KAC gestürmt. Immer wieder liefen sie einander auf dem Eis über den Weg, stets als Gegner. Heuer im April ging die 45. Minute des siebenten Finalspiels in die Geschichte ein. Zunächst glich Patrick in Klagenfurt zum 1:1 für Salzburg aus, 13 Sekunden später schoss Chris das 2:1, das dem KAC den Meistertitel bescherte.

Damit hat nun nach Patrick, der mit Salzburg zweimal Meister war, auch Chris dem Vater etwas voraus. Kurt Harand, WEV-Legende und Teamkapitän, ist niemals Meister gewesen. Jetzt ist er stolz auf seine Buben, die zu vergleichen ihm nicht leichtfällt. "Chris ist eislauftechnisch sehr gut und kommt stark aus der Ecke. Patrick läuft nicht ganz so rund, ist dafür aber vielleicht robuster, zieht etwas direkter zum Tor."

Für Chris und Patrick hat sich ein Großteil des Lebens in der Eishalle abgespielt. Die Oma war Eiskunstläuferin, die Mama ebenfalls. Sie standen als Zwei- oder Dreijährige schon auf dem Eis, bekamen "bald einen Steck'n in die Hand gedrückt" , diesbezüglich ist der Kreis der Verdächtigen auf Papa Kurt einzuengen. Eiskunstlauf jedenfalls wäre laut Patrick "niemals" und laut Chris "nie, nie, nie" infrage gekommen.

Kurt Harand hatte zeit seiner Karriere fast immer die Rückennummer 16 getragen, Ausnahme war sein Engagement in Innsbruck, wo Ex-NHL-Star Kevin Lavallee sich die 16 nicht nehmen ließ. Harand entschied sich für die naheliegende 61, so mussten Jahre später die Söhne nicht raufen. Der Ältere ließ dem Jüngeren den Vortritt, Patrick griff zur 16, Chris kann mit der 61 gut leben. "Wir führen die Tradition doppelt weiter."

Die Graz 99ers haben die Brüder quasi wieder vereint. Der Klub steht nach zwölf Runden hervorragend da, punktegleich mit Tabellenführer Villach, aber mit einem Spiel weniger. Was klarerweise nicht nur an den Harands liegt, wobei Chris am Sonntag beim 7:4 gegen Salzburg zweimal und Patrick einmal getroffen hat. Sie halten bei je vier Toren, bei Chris kommen vier Assists und 16 Strafminuten dazu, bei Patrick zwei Assists und nur vier Strafminuten, obwohl er zu Saisonbeginn als Verteidiger eingesetzt wurde. Nun spielen sie in verschiedenen Linien, allein im Powerplay könnten sie gemeinsam auf dem Eis stehen.

Prinzipiell sind beide gelernte Flügelstürmer. "Wer von uns mehr Tore schießt, ist völlig wurscht" , sagt Chris. "Wichtig ist die Mannschaft" , sagt Patrick. "Einer rackert für den anderen" , sagen beide. Graz hat unter Bill Gilligan, der als Teamchef auch das Nationalteam wieder in die A-Gruppe führen soll, alle sechs Heimspiele und auch auswärts dreimal gewonnen. Im ersten Duell mit Wien siegten die Grazer daheim mit 3:1. Schütze des entscheidenden dritten Treffers? Patrick Harand. (Fritz Neumann, DER STANDARD, Printausgabe, 13. Oktober 2009)


  • Patrick (links): 1,83 m groß, 82 kg. Chris (rechts): 1,80 m groß, 80 kg. Zwei Harands für Graz.
    foto: gepa

    Patrick (links): 1,83 m groß, 82 kg. Chris (rechts): 1,80 m groß, 80 kg. Zwei Harands für Graz.

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