Die sieben Sünden der SPÖ

12. Oktober 2009, 18:19
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    apa-foto: hans klaus techt

    Eyes wide shut: Kritiker werfen Parteichef und Bundeskanzler Werner Faymann vor, die Augen vor den Notwendigkeiten der SPÖ zu verschließen.

Die Sozialdemokraten suchen Wege aus der eigenen Krise - Ein Sündenregister als Gedächtnisstütze für rote Reformer

Wien - Am Mittwoch hält die SPÖ eine Krisensitzung ab. Wieder einmal. Das rote Präsidium wird beraten, welche Konsequenzen aus der Pleitenserie bei Wahlen zu ziehen sind. Mit Köpferollen ist aber nicht zu rechnen, und auch sonst zeichnet sich ab: Es werden weniger konkrete Ergebnisse herauskommen, als die Partei Probleme hat.

  • Fehlbesetzungen Als größte Schwachstelle gilt die Parteizentrale in der Löwelstraße. Eine glatte Fehlbesetzung Faymanns, meinen Kritiker. Die erst 28-jährige Laura Rudas sei als Bundesgeschäftsführerin überfordert, ihr "Aufpasser" und Kompagnon Günther Kräuter wenig profiliert. Mit Rudas wollte Faymann junge Wähler locken, eine Intention, die so nicht aufgegangen ist. Statt "Wählen ab 16" müsste die SPÖ "Wählen ab 66" propagieren, um bei Wahlen Erfolg zu haben. Inhaltliche Arbeit wird kaum vorangetrieben. Strategische Analysen und Vorschläge gibt es gar nicht mehr, ein klarer Wettbewerbsnachteil gegenüber der ÖVP. Das Dilemma: Rudas' Demontage wäre ein PR-technisches Fiasko für die SPÖ.
  • Soziale Luftmaschen Praktisch alle Genossen sind dafür, nur der Chef steht auf der Bremse: Wenn die Idee einer "Reichensteuer" aufs Tapet kommt, verlegt sich Werner Faymann aufs Zeitschinden, Herumeiern, Vertrösten. Schließlich könnten dies die kleinen Leute, so denkt der Kanzler wohl, als Angriff aufs eigene Börsel verstehen - reiche Einflüsterer wie Hans Dichand oder Hannes Androsch sowieso. Die desaströsen Wahlergebnisse der SPÖ deuten allerdings daraufhin, dass Faymann das Verständnis seiner Klientel unterschätzt. Nicht nur der steirische Landeshauptmann Franz Voves fragt sich, weshalb dem Gerede von sozialer Gerechtigkeit kaum konkrete Taten folgen. Und warum die Sozialdemokraten locker Milliardenhilfen für die Banken abnicken, bei der Mindestsicherung aber die Schere ansetzen.
  • EU-Gemurks Die SPÖ versucht unter Werner Faymann einen betont kritischen Kurs zur EU zu fahren, füllt diesen aber nicht mit Inhalt an. Der Brief, den Faymann im Vorjahr gemeinsam mit Alfred Gusenbauer an Krone-Herausgeber Hans Dichand geschickt hatte, sollte eine Wende in der SPÖ-Politik markieren, hat aber nur für Spott und Hohn gesorgt. Geblieben ist der "Kniefall vor Dichand" , inhaltlich gibt es keinerlei Diskussionen. Faymann vertritt die Ansicht, dass bei jedweder Änderung des Vertrags von Lissabon eine Volksabstimmung durchgeführt werden muss. In den Qualitätsmedien, in Brüssel und auch bei eigenen Parteigängern sorgt dieser Standpunkt nur für Häme und bringt selbst bei den EU-skeptischen Wählern offensichtlich nichts: minus zehn Prozentpunkte und Absturz auf den zweiten Platz bei der EU-Wahl.
  • Schmusekurs Der destruktive Dauerstreit in der alten Regierung war eine Zumutung. Aber nun kippt die Koalition, zumindest die rote Hälfte, ins andere Extrem. Um des Friedens willen lässt Faymann seinen schwarzen Vize Josef Pröll streckenweise schalten und walten. Was für Brösel sorgen könnte, packt der SPÖ-Chef lieber gar nicht an. Die Besetzung des EU-Kommissars überließ er dem Koalitionspartner kampflos. Selbst als dieser die rote Unterrichtsministerin Schmied angriff, machte Faymann lange freundliche Nasenlöcher.
  • Populismus Lieber nichts wagen, was in der Krone oder Österreich für heikle Schlagzeilen sorgen könnte: Faymann ist keiner, der strittige Ideen durchkämpft, um sie populär zu machen. Mit der Strategie, seine Macht auf ein, zwei Boulevardblätter zu stützen, ist der einstige Stadtrat in der überschaubaren Wiener Kommunalpolitik gut gefahren. Doch die Medienwelt auf Bundesebene ist komplizierter. Faymann-Support in Massenblättern erzeugte bei Wahlen - ausgenommen jenen zum Nationalrat 2008 - nicht die erhoffte Resonanz. Und auf der anderen Seite brechen verärgerte Intellektuelle weg.
  • Auf verlorenem Posten Die Ressortaufteilung gilt als entscheidende Schwäche der SPÖ. Größter Fehler: der ÖVP das Finanzministerium überlassen zu haben, das gerade in der Krise das Schlüsselressort ist. Dort kann sich in aller Ruhe ÖVP-Chef Pröll profilieren. Die SPÖ hat kaum Ressorts mit Außenwirkung: Innen und Außen gehören der ÖVP, detto das Justizministerium. Das rote Verteidigungsministerium ist uninteressant, Infrastruktur unauffällig, Gesundheit heikel. Lediglich Rudolf Hundstorfer im Sozialministerium kommt eine übergeordnete Bedeutung zu, allerdings muss er die steigenden Arbeitslosenzahlen verwalten.
  • Floskeln statt Linie Ständig reden SPÖ-Proponenten davon, dass der eigene Kurs geschärft und Inhalte besser dargestellt werden müssen - allerdings geht dies über diese Ankündigungen nicht hinaus. Ratlos scheint die Partei etwa, wie man die Themen Ausländer und Integration anschneiden soll, hier wird die SPÖ von FPÖ, ÖVP, aber auch den Grünen vor sich hergetrieben. "Keine Hetze" , predigt der Parteichef. Den Rest können sich Wähler wie Funktionäre denken. (Gerald John, Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2009)
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girlander
00
2.12.2009, 20:40
irgendwann begreift auch das dämliche...

Krone-Zeitung-Stimmvieh, dass sie nur mit Ankündigungen und Lügen auf irgendwelchen Plakatwänden zugetextet werden und sich die Herren im Nadelstreif nur an den STEUERTÖPFEN anfressen....lang brauchts eben, aber irgendwann schnallen es auch die dummen im Land

Die Marslady
00
11.11.2009, 23:10
Die Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas....

ist nicht gerade die Präsenz in Person nach "draussen", leider. Hat sie sich etwa komplett in der Löwelstrasse versteckt?
Gottseidank hört man jetzt mehr von Herrn Kräuter.
Leutln, unter Dynamik verstehe ich etwas anderes.

Die Marslady
00
11.11.2009, 23:22
Dennoch, lasst weiterhin....

Werner Faymann und sein Regierungs-Team arbeiten, schon um der Rot-Weiss-Roten Stabilität willen in Zeiten wie diesen.
Es ist zu hoffen, dass der Pepi Pröll ein vernünftigerer und vor allem geradlinigerer Vizekanzler und Finanzminister ist als der a.D. Wlli Molterer.
In den wirtschaftlich wackeligen Zeiten wie diesen braucht Österreich unbedingt eine stabile Regierungs-Koalition, um alle möglichen Klippen möglichst unbeschädigt umschiffen zu können.
Also zusammenhalten und fleissig arbeiten allerseits.

hetscha
00
9.11.2009, 00:25
Als leidgeprüfter Sozialdemokrat

kann ich obigen Ausführungen nur voll und ganz zustimmen - leider!
Jeder einzelne Punkt trifft zu! Darüber hinaus gibt es noch eine Fülle von Mißständen die ich als ehemaliger SP-Gemeindepolitiker erleben durfte. Kommunikation von unten nach oben ist lästig und wird kaum wahrgenommen. Aber vor den Wahlen sollen die Funktionäre mit roten Bleistiften und Luftballons bewaffnet "voll motiviert" den Scheiss von oben vor der sog. Basis verteidigen!!
Wir brauchen nicht über die böse VP jammern, sondern wir brauchen endlich Persönlichkeiten an der Spitze, die Eier haben - um es einmal klar und deutlich zu sagen!

WosWasMa
00
8.11.2009, 07:19
Die Wahrheit ist: Faymann ist die 2. Fehlbesetzung in Serie

Zu einer dritten wird es wohl nicht mehr kommen. Hoffentlich.

Harry Y.
 
01
14.10.2009, 10:40
Nur kurz festgehalten: Noch eine nationalSozialistische Partei Österreichs kann weder die SPÖ selbst brauchen noch das Land.

Hans Klade
03
14.10.2009, 18:42

Die SPÖ ist auch diesmal bei der Regierungsbildung das Risiko eingegangen, den Finanzminster der ÖVP zu überlassen. Aber ein Kanzler ohne Richtlinienkompetenz wie in Österreich braucht unbedingt einen Finanzminister aus seiner Partei, um seine Parteilinie und Programme durchzubringen. Der Finanzminister hat mehr Entscheidungsmacht als der Kanzler. Diese STellung wird vom ÖVP-Finanzminister auch weidlich ausgenützt und lässt ihn dann in der Öffentlichkeit als wahre Führungspersönlichkeit in der Koalition erscheinen. Es ist also nicht möglich als Kanzler eine Regierung zu führen ohne einen Finanzminister aus seiner Partei.Das kann nicht einmal der besten Kanzlerpersönlichkeit gelingen.

Die Marslady
01
11.11.2009, 23:15
Richtig @Klade...

es war ein grosser Fehler, dass die SPÖ bei den Koaltionsverhandlungen so viele Schlüsselressort sich aus der Hand nehmen liess. Eine gewisse Verhandlungshärte hat echt gefehlt.
Stimmt, ein Bundeskanzler ohne Finanzminister im eigenen Hause ist halb verloren.

also dann ...
12
14.10.2009, 01:35
für die s p ö .... reicht 1 todsünde :

einen unfähigen mann/frau...
an der spitze zu haben und dahinter eine spätpubertierende GF der bundespartei !

die anderen 6...
ergeben sich daraus automatisch !

Franco Rocaforte
03
13.10.2009, 22:56

"Statt "Wählen ab 16" müsste die SPÖ "Wählen ab 66" propagieren, um bei Wahlen Erfolg zu haben."

In your face! :-) Und das im st+nd+rd :-)

mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung
02
13.10.2009, 20:50

Eine der Hauptursachen für den desolaten Zustand der SP sehe ich

- im Erfolg, vor ca. 20 Jahren fast alle Ziele erreicht zu haben.

- in der daraus folgenden Läßlichkeit, in Fragen der gesellschaftlichen und ökonomischen Umwälzungenen der letzten Jahrzehnte nicht intellektuell und programmatisch Rechnung getragen zu haben. Das gilt für die gesamte europäische Sozialdemokratie

- Und nicht dafür gesorgt zu haben, dass ihr "eigener Nachwuchs" die Bewegung substantiell erneuern kann.

Die Sünde, die dazu geführt hat, war Korrumpierung durch Macht.

amergut
00
15.10.2009, 11:25
- im Erfolg, vor ca. 20 Jahren fast alle Ziele erreicht zu haben.

Vor 20 Jahren? - da war doch die sozialistische Partei Österreichs schon auf dem Weg in die Manager-Sozialdemokratie und damit auf dem talwärtsführenden (bergab-) Holzweg.

Der Zieleinlauf steht unmittelbar bevor, es sei denn ...

sie suchten sich einen Vorsitzenden!

gustav gans42
00
13.10.2009, 19:15
nur so weiter:

wenn ich SIEBEN Krügerl getrunken hab`, seh ich aus so aus:
voll handlungsfähig.
Passt!

anton-notan
50
13.10.2009, 18:20
viele poster reden aus unwissen die soziale linie

nieder .mit der brechstange geht schon gar nix.
also beruhigts euch wieder.

GüPa
45
13.10.2009, 16:46
Die SÜNDE WIDER DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT

Die Sozialdemokratie hat sich stets als die Partei der
Unterdrückten und Armen verstanden.
Schon vor und kurze Zeit nach Kreisky hatte sich die SPÖ vehement für die Palästinenser eingesetzt.Auch unser derzeitiger HBP war damals ein Verfechter dieses Kurses.
Inzwischen sind die Genossen auf Bussi-Bussi mit einem rechtsradikalen Israel, das, heute nachzulesen im Ha'aretz, ganz im Stile Haiders und BZÖ, sich weigert Entscheidungen des isaelischen Höchstgerichtes zu Enteignungen palästinensischen Landes zu akzeptieren. Diese nur als "Empfehlungen" erachtet. Die Gaza-Aktion nahmen die Genossen hin, während Genossen nordischer Staaten sehr wohl den Geist der Solidarität zeigen.
Dies merken die Menschen, wundern sich u. wählen entsprechend.

Patrioten Rabatt
00
25.10.2009, 12:54

keine Solidarität mit dem arabischen Islamofaschismus...
schon gar nicht von Sozialdemokraten

amergut
01
15.10.2009, 11:35
... die Partei der Unterdrückten und Armen verstanden.

Diesem Wortlaut sollten Sie das Wörtchen "auch" voransetzen.

Es sind nicht die "Verlierer und Habenichts'", die sich in in der sozialistischen Bewegung finden.

"Diese Bewegung" ist aber in Österreich seit dem "Vranz", ohne Unterbrechung, falsch besetzt und verkommt unter wehenden roten Fahnen, zum Wegbereiter des politischen Mitbewerbs; der gewählte Kanzler muss sich via TV die Rede an die Nation in das Bundeskanzleramt "spielen" lassen?

Tom93
42
13.10.2009, 16:33
schuld ist schüssel...

...der ist so unsozial und gemein gewesen! und er war/ist die graue eminenz, die die fäden zieht, ein richtiger dämon!

und schuld sind die suderanten wie flecker, die alles nur kritsieren und nicht so ein ur super erscheinungsbild haben wie die laura, das passt eher zu einer modernen sozialdemokratie!

lasst den werner und sein team arbeiten!

WosWasMa
01
8.11.2009, 07:18
in welcher Zeit lebst denn Du..

.. 2006.

Immer noch den Schüssel hochstilisieren. LOL. Warum nicht gleich den Dr. Renner dafür verantwortlich machen, was der Gusenbauer samt Faymann eben einfach nicht auf die Reihe bringen.

I gack auf blaue Schmäh!
20
13.10.2009, 18:11
Ja sich so ähnlich ist es!

Aber die Bevülkerung kann halt noch nicht mit einem Politerk umgehen der menschlich ist und für Österreich arbeiten will ohne streiten!

bob hope1
00
13.10.2009, 15:56
Todsünden - nein - vermeidbare Probleme!

ja, wie mein Vater schon immer sagte: "erst das Hirn einschalten"!
Damit wären viele (aber nicht alle) Probleme zu lösen gewesen.

Bittersweet Me
06
13.10.2009, 15:45

Für die SPÖ heißt's mit Faymann diese Legislaturperiode durchwurschteln.

Und bei der NR-Wahl 2013 mit neuem Spitzenkandidaten oder neuer Spitzenkandidatin um Stimmen für einen Neuanfang werben.

Das dieses "Durchtauchen" für Österreich zwar absolut katastophal ist, interessiert die SPÖ (mangels Alternativen?) aber nicht!

Körd Rassl
00
13.10.2009, 15:36
eyes wide shut...

vielleicht schaut Montasser al-Saidi einen Sprung vorbei und erledigt das, der soll ja ganz in der Nähe sein

trivandrum
13
13.10.2009, 15:33
"Schmusekurs"

Faymann versucht seinem Auftrag als Politiker nachzukommen, nämlich etwas für die BürgerInnen zu tun. Nur stellt sich die ÖVP immer dagegen. In einem solchen Konfliktfall verharrt die ÖVP vehement und tut lieber gar nichts, als etwas, dass nicht voll in ihre Parteilinie passt.
Faymann jedoch stellt lieber irgendwas auf die Beine, als dass gar nichts passiert.
Medial kommt das dann so rüber, als würde Faymann auf Kuschelkurs mit der ÖVP gehen..

Es sollte kein Kampf zw. Parteien herrschen, sondern eine konstruktive Zusammenarbeit, bei der eine für alle Seiten akzeptable Lösung gefunden wird - da muss man Kompromisse machen.
Die ÖVP sollte endlich mal was fürs LAND (und nicht nur für die nächste WAHL) tun und nicht so trotzig sein!!

faymann = dead man walking
 
12
13.10.2009, 16:26
ja, klingt alles schön, ist aber nicht realistisch

tatsächlich stehen die övp und spö in vielen dingen diametral zueinander.

ein kompromiss bedeutet eine einigung auf den kleinsten gemeinsamen nenner und bedeutet real einen stillstand, einen aufschub von AUSREICHENDEN Reformen, und bedingt wischi-waschi-"lösungen".

warum viele österreicher noch immer an das heil einer grossen koalition glauben, versteh ich immer weniger...

von der övp zu erwarten, dass sie spö-freundliche politik macht, ist halt auch zu wenig.

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