Wiedervereinigung mit FPÖ wird heftig dementiert

12. Oktober 2009, 17:44
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Zusammenschluss mit der freiheitlichen Schwesterpartei FPÖ oder nicht? Kärntens BZÖ-Chef Scheuch reagiert gereizt auf kolportierte Parteiengespräche und droht mit Klage

Klagenfurt/Wien - Kaum sind die Gedenkfeiern zum ersten Todestag des verunfallten Kärntner Landeshauptmannes und BZÖ-Gründers Jörg Haider vorbei, bricht bei den Orangen wieder der Richtungsstreit los. Am Montag wurde nun im Kärntner Parteivorstand ein neues Grundsatzprogramm beschlossen, sozusagen als "Vorgabe" für die Bundesgremien, die am Mittwoch in Wien tagen sollen.

Als viel heikler entpuppte sich jedoch ein anderer Punkt: Landesparteichef Uwe Scheuch soll auch über seine laufenden Gespräche mit der FPÖ erzählt haben. Das berichtet jedenfalls die Austria Presse Agentur mit Berufung auf ein Vorstandsmitglied. Aus BZÖ-Kreisen war außerdem zu hören, dass sich vergangene Woche nicht nur Uwe Scheuch mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache getroffen haben soll, sondern auch der steirische Landesobmann Gerald Grosz mit FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl. Diese möglicherweise gezielten Indiskretionen ließen Scheuch überaus heftig reagieren. "Alles erstunken und erlogen", dementierte er umgehend den Agentur-Bericht und forderte die sofortige Suspendierung des Redakteurs. Dann berief Scheuch eine weitere Vorstandssitzung ein und verlangte von sämtlichen Vorstandsmitgliedern eidesstattliche Erklärungen und die Vorlage von Telefonprotokollen.

Und noch ein Dementi: Scheuch bestritt weiters, dass es einen Richtungsstreit zwischen Kärnten und der Bundespartei gebe. Allerdings hat er selbst bereits mehrmals laut über ein CDU/CSU-Modell mit der FPÖ nachgedacht und zuletzt im Ö1-Mittagsjournal vom vergangenen Samstag eine blau-orange Fusion nicht ausgeschlossen. Davon will aber BZÖ-Bundeschef Josef Bucher nichts wissen und verwies auf Vorstandsbeschlüsse der Kärntner Landespartei unter Obmann Scheuch sowie Beschlüsse der Bundespartei.

So wie Scheuch Strache nicht getroffen haben will, will auch der steirische BZÖ-Chef Gerald Grosz FP-Generalsekretär Kickl nicht getroffen haben: "Ich kann nur wiederholen, die Wiedervereinigungswünsche sind für mich ein Ausdruck von Feigheit, Faulheit, posthumer Respektlosigkeit gegenüber Jörg Haider, aber auch mangelnder Selbstdisziplin", sagte Grosz. Für manche wäre es wohl " zum Erhalt ihrer wohldotierten Funktionen wünschenswert, sich ins durchorganisierte Faulbett der Protestbewegung FPÖ zu legen, um fleißig abzukassieren und die nächsten 20 Jahre bis zur Pension abzucashen".

In der FPÖ reagiert man amüsiert auf die BZÖ-Volten. "Es gibt keine Verhandlungen, und es gibt keine Wiedervereinigung", sagt FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky. Für ihn sind die Orangen gerade in "Selbstauflösung": "Ich weiß ja nicht einmal mehr, wer das BZÖ ist. Ist es der Bucher? Der Scheuch? Oder vielleicht der Ewald Stadler?" (pm, mue, stein, DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2009)

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    Der Kärntner BZÖ-Chef Uwe Scheuch hat alle Hände voll zu tun, seinen Parteifreunden schriftliche Erklärungen und Telefonprotokolle als Beweis dafür abzuringen, nichts über etwaige Geheimgespräche mit der FPÖ nach außen transportiert zu haben.

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