Keine Willfährigkeit und Bittstellerei, bitte!

12. Oktober 2009, 17:00

Und keine Dritte Republik, keine neue Sozialpartnerschaft, kein Basar von Einzelinteressen statt Recht und Rechtstaatlichkeit.

"Solchen Bitten willfährt man in der Regel" weiß Präsident Khol der "bittet, nicht fordert" was sein Partner Blecha in feiner Rollenteilung "verlangt", einen eigenen Pensionistenpreisindex. Man erinnert sich guter Inszenierungen vor dem Bundeskanzleramt mit Schubkarren hunderttausender Rentner-Unterschriften und Seniorenbosse mit Arbeiterkappen.

Zwei erfahrene, mächtige, wortgewaltige, gewitzte und gerissene Lobbyisten, blitzgescheit, charmant, auch skrupellos. Da ihnen die meisten Minister (mit Ausnahme des gefuchsten Sozialpartners Hundsdorfer?) politisch nicht gewachsen sind, errichten sie gerade in diesem Machtvakuum ihre Dritte Republik. Die Regierung hat sie seit Jahren ermutigt, als Zuckeropa zu Extrakuchen mit Schlagobers geladen und muss sie nun karger bewirten. Der Entzug wird nicht leicht, aber eine Überlebensfrage.

Angesichts feiger Torheit der Regierenden bitten wir als Zivilgesellschaft: keine Bittsteller, bitte! Und keine Willfährigkeit "solchen Bitten" gegenüber! Keine wohlorganisierte Bettelei, kein Basar zum Feilschen, kein Flehen um Almosen, keine milde Gabe für braves "Bitten, nicht Fordern". Auch keine haltlosen Forderungen, bitte. Keine Gnadenakte. Keine Huld der Herrschenden statt würdevolles Pochen auf verbriefte, einklagbare Rechte! Wenn das Gesetz nicht passt, ist es zu ändern; aber es darf nicht unverändert ständig gebeugt werden. Es gibt einfach nichts zu verhandeln, außer Gesetze; keinesfalls ihren rechtmäßigen Vollzug - oder gar die Inflationsrate.

Natürlich müssen auch "die Alten", die es als solche ja gar nicht gibt, politisch gut vertreten sein. Dafür gibt es Parteien und Parlament, auch ohne Quoten, keine Wirtschafts- und Sozialpartnerschaft. Wir müssen die Pensionisten gegen Hetze ("alt, aber gierig") und Verhöhnung ("Kukident-Generation") verteidigen; aber auch vor größenphantastischen Pensionistenvertretern. Vor Dauerforderungen nach Rechtsbeugung und gruppenegoistischer Inflationsberechnung; und der "uneingeschränkten Akzeptanz" des Seniorenrats "als fünfter Sozialpartner".

Denn wenn die zahlenstärkste und bestalimentierte "Versorgungsklasse" sich den Status produktiver "Erwerbsklassen" (Karl Renner) ertrotzt, dann wären wir ohne Haider in einer "Dritten Republik" - der Gerontokratie. Warum nicht auch mehrheitsfähige Frauen-, Eltern- oder Religionsfunktionärinnen, Vertreter von Nichtrauchern, Heterosexuellen, Alpen-, Tier- oder Musikfreunden, Gentechnologie- und AKW-Gegnern, Abtreibungsbefürwortern, Patienten oder Verbraucherverbänden als neue Sozialpartner?

Konsumentenschutz wäre allemal wirksamer als Gegengewicht zum Produzentenkartell von Arbeit und Kapital als der Seniorenrat, der schon heute die Hälfte aller Sozialausgaben vertritt, aber keine Wertschöpfung. Erdrückendes Wahlstimmengewicht und Lobbyistenstatus als millionenfach und milliardenschwerst "ernährter Stand" reicht für Beachtung über Gebühr. Vor allem, wenn von der Nationalratspräsidentin bis zum Vizekanzler Spitzenpolitiker/Innen ab dem zarten Jugendfunktionärsalter 35 bis 40 bereits Mitglieder im Pensionistenverband sind. (Bernd Marin/DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2009)

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20 Postings
wieder ein marinirtes Gerülpse

denn mehr als die Hälfte dieser zusätzlichen 0,2% kommen über die Steuern und Abgaben ohnehin wieder herein. Insbesondere müssen den die Staatsstützungen bei den Krankenkassen usw. geringer werden.

Schimpfen allein ist zuwenig, mann sollte auch rechnen können!

" Die Regierung hat sie seit Jahren ermutigt, als Zuckeropa zu Extrakuchen mit Schlagobers geladen"

Da wird doch nicht etwa die Pensionsreform gemeint sein ?
Ich kann mit verlaub keinen Extrakuchen mit Schlagobers ausmachen. Eher Hungertuch und Linsensuppe.

Da schau her,

Marin verlangt eine Reichensteuer.

"Da schau her, Marin verlangt eine Reichensteuer. " Davon steht kein Wort, Sie sind weg vom Thema.

Kurz zusammengefasst, sagt Marin, dass die Pensionisten keinen Vertreter in der Sozialpartnerschaft brauchen, da ihren Interessen in den Institutionen dieses Staates genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Nicht mehr und nicht weniger. Von Reichensteuer keine Spur.

Ach so, nur die Pensionisten, er nicht.

"Vor allem, wenn von der Nationalratspräsidentin bis zum Vizekanzler Spitzenpolitiker/Innen ab dem zarten Jugendfunktionärsalter 35 bis 40 bereits Mitglieder im Pensionistenverband sind."

An dieser Vereinnahmung der Jungen durch die Alten sieht man schon wie wichtig den Großparteien SPÖ und ÖVP die "Versorgungsklasse Pensionist" ist.

Die Großparteien sehen der FPÖ in aller Ruhe zu, wie diese sich den Zorn der Jungen zunutze macht.
Paradoxerweise sind den Großparteien die Alten wichtiger als die Jungen. Liegt doch in den Händen der Jungen die Zukunft des Landes.

also wer die pensionisten derartig pauschal abklassifiziert erscheint mir eher als aufgebrachter besitzwahrender .....

was will herr marin anderes als dass den pensionisten genommen wird, damit den jungen gegeben werden kann ....

dabei vergisst herr marin wohl ganz, dass gerade die pensionisten die neue klientel der werbewirtschaft und dem handel darstellen ....

herr marin vertritt hier nichts weiter als die pauschale herabsetzung des standes "pensionist", mit all seinen folgen ...

recht nett von ihm würde ich finden, würde er den ersten schritt tun und bei seinem zu erwartenden anspruch auf pensionsauszahlung einen anteil - sagen wir so 20 prozent - den armen pensionsten abzutreten.

es sind nämlich viele wohlhabende pensionisten unterwegs. da die pensionisten wie es aussieht kaum etwas wert sind in unserer gesellschaft brauchen sie kein geld.

Einer der besten Standard-Kommentare des Jahres 2009! Stilistisch und inhaltlich ("Le style cest l'homme luimême" oder so ähnlich...). Nur einen kleinen Einwand: keine Wertschöpfung durch die Pensionisten ist ein bisserl einfältig. Ohne sie gäb's kein Kukident. Zum Beispiel. Außerdem geben sie viel Geld aus. Usw...

>Außerdem geben sie viel Geld aus.
Glauben sie Jungfamilien würden das Geld nicht gerne selber ausgeben?

"...ein bisserl einfältig"

Sorry, ich versteh den Gag mit dem Kukident nicht ganz. Wenn Wertschöpfung als die Differenz zwischen Produktionswert und den erbrachten Vorleistungen definiert ist, dann kann eine Personengruppe, die zwar nichts produziert, für diesen Zweck jedoch kräftig Vorleistungen in Anspruch nimmt, nur negative Werte schöpfen. Minuswertschöpfung. War das der Gag?

sie ( die pensionisten ) geben sehr viel geld aus:

für die jugend, die dauernd geld braucht, keinen job hat und so gerne alles haben will> zahlen tuts die oma und der opa.wenn das geld der alten generation verbraucht ist, schauts für die jugend sehr trist aus.

+++ Hinweis +++

Zitat :"Wenn das Gesetz nicht passt, ist es zu ändern; aber es darf nicht unverändert ständig gebeugt werden. "

Gesetzte ändern ...
Na das wurde damals 1 Woche vor den NR Wahlen ja eh getan. Mit den bekannt desaströsen Nebenwirkungen.

Mich faszinieren B. Marins Kolumnen immer wieder!

Er versteht es wunderbar, durch seine "interessannten" Gedanken und Satzgebilde, den Leser zum mehrmaligen Lesen einzuladen, damit man vielleicht doch wo eine konkrete Aussage oder Meinung entdeckt. Und wenn man meint, man hätte etwas herausgelesen, liest man's sicherheitshalber nocheinmal durch, weil man als fairer Leser auf Nr.-Sicher gehen möchte, dass man nicht selbst in den mehr/vieldeutigenText etwas hineininterpretiert hat, was Marin vielleicht ja gar nicht so gemeint haben könnte ;-))

Na ja, vielleicht sollten Sie es doch noch einmal versuchen?

Hand auf's Herz..., haben sie da einen Standpunkt, oder eine essenzielle Aussage/Botschaft herausklabüsern können? Mir fielen nur "no, na eh" Aussagen, in sperrigen Sätzen verpackt/versteckt, auf! -- Von einem "Pensionsexperten" sollte man sich doch etwas mehr Klarheit in Richtung aller Altersgruppen der österr. Bevölkerung erwarten dürfen ;-)) ..............(Auch im Standard!)

Ich habe seine Aussagen keineswegs als sperrig empfunden, im Gegenteil, die Decouvrierung der antagonistisch-konkordial auftretenden Pensionistenvertreter als größenphantastisch war für mich eher - unpretentiös.

Ich sehe nur eines: Geschwätz...

schnarch

aber wenigstens wars diesmal nicht der uebliche geifernde unsinn.

ob sich crusty bernd auch selbst einmal als pensionist sehen wird ... können?

Es muss schön sein, einfach nie, nie etwas verstehen zu wollen, nicht?

oder verstehen können

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