In Österreich droht ein Hausarztmangel

12. Oktober 2009, 15:56
10 Postings

In rund zehn Jahren drohe Österreich aufgrund eines anstehenden Generationswechsels ein Mangel an Allgemeinmedizinern

Wien - Die Allgemeinmediziner - die "Praktischen Ärzte" - sind ein viel beschworener Angelpunkt für das effiziente Funktionieren eines Gesundheitswesens. Doch in rund zehn Jahren droht in Österreich und in der Schweiz hier ein Personalmangel wegen eines anstehenden Generationswechsels und schlechter Berufsaussichten. Dies erklärten Experten am Samstag bei einer Podiumsdiskussion anlässlich der Einführung der Prüfung für den "Arzt für Allgemeinmedizin" in Österreich vor rund zehn Jahren.

Allgemeinmediziner als Gesundheitsmanager

Eine gute allgemeinmedizinische Ausbildung sei und bleibe der Schlüssel für ein effizientes Gesundheitssystem, erklärte Andreas Sönnichsen von der Paracelsus Medizin-Privatuni in Salzburg. Daher brauche die Allgemeinmedizin Top-Mediziner, die dasselbe soziale Standing bekämen wie Fachärzte. "Die Hausärzte müssen in Zukunft als Koordinatoren fungieren, um Mehrfachdiagnostik und unverträgliche Therapiekombinationen zu verhindern. Sie werden damit zu Gesundheitsmanagern", sagte der Experte. Eine effiziente Primärversorgung spare dem System außerdem Kosten. In der Langzeitbetreuung von chronisch und polymorbiden Kranken bildeten Hausärzte die Schnittstelle und seien für ein echtes Disease-Management verantwortlich. "Denn im Mittelpunkt der Behandlung steht immer die Lebensqualität der Patienten", so Sönnichsen.

Generationswechsel

Hansueli Späth, Chef der Schweizer Prüfungskommission für angehende Allgemeinmediziner, die in der Eidgenossenschaft bereits einen Facharzttitel erringen können, wies auf den Umstand hin, dass sich auch in der Schweiz ein zunehmender, dramatischer Mangel an Hausärzten abzeichne. Der überwiegende Teil sei zwischen 50 und 69 Jahre alt. Insofern stelle sich die Frage, ob die richtigen Ärzte ausgebildet würden und ob die Aus- und Weiterbildung noch zeitgemäß sei.

Späth: "Die moderne Gesellschaft stellt immer wieder neue Bedürfnisse an die Hausarztmedizin - allein durch die Überalterung und die Multimorbidität der Bevölkerung. Die Allgemeinmedizin wird wichtiger, je zersplitterter die Medizin ist, und muss künftig vor dem Hintergrund multimorbider Kranker eine fächerübergreifende Behandlung wählen, die sozialökonomisch leistbar ist." Hier würde man dringend Förderungsmaßnahmen benötigen.

Allgemeinmediziner mit Gesamtblick

Seit 1999 meldeten sich in Österreich nach Studium und Turnusausbildung rund 7.720 Kandidatinnen und Kandidaten zur Arztprüfung an, knappe 94 Prozent haben bestanden. "Das Ausbildungsniveau in Österreich kann dem internationalen Vergleich standhalten. Gerade für die Allgemeinmedizin sind ein breites Wissen und ein umfassender Gesamtblick notwendig", sagte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Walter Dorner.

Einig war man sich darin, dass der Allgemeinmediziner nicht der "Facharzt für Bagatellerkrankungen" sein dürfe. Stattdessen sollte die Allgemeinmedizin gerade für die fähigsten Mediziner attraktiv gemacht werden - finanziell und in Sachen Wertschätzung und Lebensqualität. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    In rund zehn Jahren zeichne sich laut Experten ein Mangel an Hausärzten ab

Share if you care.