Wirtschaftskrise

60 Prozent fühlen sich durch Krise psychisch belastet

12. Oktober 2009, 17:45
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Schlafstörungen, Gereiztheit, Ruhelosigkeit drohen - Selbstvertrauen von Direkt-Betroffenen um 66 Prozent gesunken

60 Prozent der Österreicher sehen sich von der Krise betroffen, zeigt eine Studie im Auftrag des Verbands der Psychologen. Die Kosten für die Behandlungen psychischer Erkrankungen belasten die Wirtschaft.

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Wien - Die Wirtschaftskrise schlägt den Österreichern schwer aufs Gemüt. Beinahe 60 Prozent leiden unter den konjunkturellen Turbulenzen, zeigt eine aktuelle Karmasin-Studie im Auftrag des Berufsverbands der Psychologen. Burnout-Syndrome, psychische Erkrankungen und Mobbing am Arbeitsplatz nehmen zu. EU-weit machten die Kosten für die Behandlung der Erkrankungen bereits bis zu vier Prozent des BIPs aus, warnt Verbandspräsidentin Ulla Konrad.

Der Anteil der Österreicher, der sich von der Krise betroffen fühlt, sei überraschend hoch, sagt Sophie Karmasin - auch wenn nicht jeder unter ihnen finanziell beeinträchtigt sei. Karmasins Institut hat 600 Österreicher befragt und 100 Interviews mit Personen geführt, die als Folge der Krise arbeitslos oder in die Kurzarbeit geschickt wurden.

Mehr Alkohol und Zigaretten

Bei 17 Prozent der Bevölkerung führe das raue wirtschaftliche Umfeld zu Zukunftsängsten, mitunter begleitet von Schlafstörungen. Gut ein Fünftel sorge sich um die Familie und erlebe dabei ein Gefühl der Machtlosigkeit. Unter Druck fühlten sich vor allem Österreicher mit geringer Schulbildung. 42 Prozent der Arbeitslosen und Kurzarbeiter gaben an, dass ihr Stress gestiegen sei. Ein Drittel rauche mehr. Bei einem Viertel schlage sich die unsichere Jobsituation auf private Beziehungen nieder, gut 17 Prozent sprechen von höherem Alkoholkonsum.

Psychologische Hilfe suchen nur wenige: Neun Prozent entschieden sich dafür, 37 Prozent griffen lieber zu Medikamenten. Konrad sieht erheblichen Handlungsbedarf, denn die Hemmschwellen, um zum Psychologen zu gehen, seien zu hoch. Auch die Krankenkassen müssten mehr Kosten übernehmen. Das erspare letztlich mehr, als etwa die Folgen von Syndromen wie Burn-out der Wirtschaft kosteten. Unterm Strich habe sich die Zahl an Krankenständen aus psychischen Gründen seit 1994 verdoppelt. Ei-ne Million Österreicher leide zeitweise unter dem Gefühl des Ausgebranntseins am Arbeitsplatz.

In Frankreich erschütterte eine Serie von Selbstmorden die France Télécom. Als Motiv nannten viele in Abschiedsbriefen die schlechteren Arbeitsbedingungen.

Der Wirtschaftspsychologe Othmar Hill ortet eine weitere Baustelle. Seiner Erfahrung nach sind 40 Prozent der Österreicher im für sie falschen Job, was Ängste verstärke. Es fehle an professioneller Berufsberatung, er vermisse zudem einen nationalen Beschäftigungs-Masterplan. Tatsache sei, dass in Zukunft ganze Industriezweige verschwinden und neue Arbeitsverhältnisse wie Berufe entstehen würden.

Hill übt harte Kritik an den Arbeitsstiftungen: Da würden Millionen Euro investiert, ohne zu überprüfen, ob die gesetzten Bildungsmaßnahmen sinnvoll seien. Ähnlich absurd sei es, Postler plötzlich zu Polizisten machen zu wollen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.10.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 96
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Minimonk
05
13.10.2009, 09:21

die Ergebnisse würden sich kaum unterscheiden von jenen, wenn es keine Krise gäbe. Dass die am freien Markt arbeitenden Menschen einem immer größeren Druck, auch bei den Arbeitszeiten ausgesetzt sind, haben wir einer verfehlten Leistungsideologie und jenen Politikern zu verdanken, die arbeitsrechtliche und humane Ansätze in der Mitarbeiterführung für obsolet erklären.

Felix Österreicher
02
13.10.2009, 15:44
Der Druck am Arbeitsplatz ist sicher enorm gestiegen

letztlich müssen die jetzt Arbeitenden rd. 4 Mio (schätze rd. 1,5 Mio Beamte u Menschen mit sicheren u gemütlichen Arbeitsplätzen kann man teilweise abziehen) müssen über 2 Mio. Pensionisten und ihre eigenen Kinder versorgen.

Die Pensionisten (den meisten geht es ja finanziell prächtig, oft besser als denen die arbeiten) werden immer mehr - da bahnt sich kein Konflikt an -da sind wir mitten drinnen!!!

schauschau3
10
13.10.2009, 09:20
ZUFALL

Dass die Karmasin-Studie vom Berufsverband der
Psychologen in Auftrag gegeben wurde, die
jetzt mehr Geld von der öffentlichen Hand fordern,
ist sicher nur ein Zufall

Banker, halb Banker, halb Gangster
00
13.10.2009, 16:39

nicht nur von der öffentlichen Seite. Psychotherapie kostet den Privaten eine schöne Stange Geld.

Animal Spirits
21
13.10.2009, 08:37
Es geht eh nur denen schlecht die sich Gedanken machen.

Mir geht das Ganze ziemlich weit am A vorbei.

Mir geht es gut!

Froit oich des Lebens ...
Anderen wird sogar das genommen.

Schwalbe
14
13.10.2009, 08:05
Wer jüngeren Arbeitnehmern einzureden versucht, Eigenvorsorge sei nicht notwendig,
handelt fahrlässig. (Wolfgang Schüssel, ÖVP, Kronen Zeitung, 29.12.2000)

"2010 wird ein Termin von kapitaler Bedeutung sein. Es wird Alles auf den Tisch gelegt werden müssen: das Renten(eintritts)alter, die Zahl der Beitragsjahre, die Schwere der Arbeit... wenn die Zeit der Entscheidung kommen wird, um die Jahresmitte 2010, dann werde ich meine Verantwortung wahrnehmen." Sarkozy, 06 2009

Die Rentengarantie muss weg (sinngemäss CDU-Wirtschaftsflügel und Liberale der neuen CDU-FDP Bundesregierung in Deutschland Oktober 2009).

Es gibt handfeste Gründe für Angst von Lohnabhängigen - beispielsweise vor Armut im Alter. Und es wird handfest Kapital aus dieser Angst geschlagen. In der Politik vieler Länder Europas wird Angst um staatliche Pensionen oder Renten durch Konservative und Liberale Parteien stark gefördert.

lanz1
 
10
13.10.2009, 06:50
arbeitsstiftungen fuer was?

wenn jemand sich fuer einen zukunftsberuf z.b. krankenpfleger oder was auch immer im gesundheitssektor umschulen laesst, ist das okay! aber wenn man dann wieder sich fuer einen unsicheren beruf entscheidet, ist das verlorene zeit u geld!!!
diese stiftungen sind nur eine ausrede um die statistik der arbeitslosen zu verfaelschen, weil manch einer bleibt vielleicht im job haengen.
kenne das aus der praxis. viele wollten das diplom machen, sind dann gescheitert, weil es ihnen zu anstrengend, weil zuviel zu lernen war. und so sind sie wieder in die freie wirtschaft gegangen. es werden ueberall leute in sicheren jobs gesucht. aber keiner will es machen. pflege, bundesheer(problem dass ja die jugend heute grossteils untauglich ist)!

Sabine Werner
02
13.10.2009, 07:24

das wäre ja noch schöner, einen diplomierten beruf mit einer schnellschussausbildung, quasi in den dreck zu ziehen - ein diplomierter krankenpfleger kriegt eine langwierige ausbildung, hat etliche Prüfungen zu absolvieren und diese dauert - Gottseidank - 3 Jahre an dafür vorgesehenen Krankenhäusern, und nicht in irgendwelchen Arbeitsstiftungen.

lanz1
 
00
14.10.2009, 04:41
liebe sabine werner!

ich wurde missverstanden. ich bin ja selbst diplomiert.finde die stiftungen nur sinnvoll, wenn jemand eine ausbildung als zukunftsberuf absolviert. und es hat sich gezeigt, dass viele gar nicht das krankenpflegediplom begonnen haben zu absolvieren. da es ihnen zu schwer/zuviel zum lernen war. ist auch ein armutszeugnis fuer die heutige gesellschaft.die medien haben bei uns in oberoesterreich die ausbildung des diplompflegepersonals in "den dreck" gezogen. da sie werbung fuer die umschulung machten, da es besser bezahlt ist und auch sicherer ist. durch die medien und durch die schlechte einstellung der gesellschaft entsteht ein total falsches bild des berufes. das einzige negative an meinem beruf. ich habe 20 kilo in 3 jahren zugenommen.

José Atento
01
12.10.2009, 23:56
Ich fühle mich auch belastet


Vor ein paar Tagen noch traumhaft sommerlich, jetzt saukalt, windig, regnerisch, finster...

Der Klima-, ähhh, Wetterwandel ist da.
Der trübe Herbst steht vor der Türe. Das belastet mich wirklich. Ein wenig Klimaerwärmung könnte ich da schon ertragen.

Jetzt kommt noch der Trübsal der Wirtschaftskrise hinzu. Wird wohl ein harter Winter werden. Kalt in jeder Hinsicht.

Ich kann jetzt schon nicht schlafen.

Recht ist Auslegungssache
12
12.10.2009, 23:43
Ich bin auch krank, und nun?

Ich arbeite zu viel.
Ich habe zu wenig Freizeit zum Entspannen.
Meine Arbeit empfinde ich nicht als anstrengend sondern sinnvoll aber durch die Verantwortung vermutlich unbewusst als "belastend".
Und trotzdem hackle ich weiter so lange es nur irgendwie geht und ziehe mich privat halt wieder hoch.

Den "Druck" mache ich mir meistens selbst. Ich will für MICH gut sein bei dem was ich tue. Sonst könnte ich gleich zu hause bleiben und Transferleistungen beziehen. DIESE Möglichkeit schiebe ich seit Jahrzehnten vor mir her. Mal schaun wie lange noch. Jeder Mensch hat seine Belastungsgrenze und die Rahmenbedingungen schaffen IMMER Menschen ohne Ahnung von der tatsächlichen Arbeit...

Jeder ist gleich? Naive Ansicht...

Harald Nowak
12
12.10.2009, 23:38
Unglaublicher...

...Stuß. Erstens ist ein Umsatz für die Psychologen und Neurologen keine "Belastung" der Wirtschaft. Wer kommt auf solchen Stumpfsinn? Jedes Geld das fließt ist eine Ankurbelung der Wirtschaft - maximal kanns eine Belastung von Krankenkassen sein, aber oft muas man den Psychologen ohnedies nahezu komplett selber zahlen. Das Geld is ja dann ned weg - es kann dan von einem anderen ausgegeben werden.
Zweitens: die sog. "Krise" ist ja wohl zur billigsten aller Entschuldigungen für nahezu alles geworden - was vorher auch schon schlecht war. Der Terrorwahn allein hat noch nicht gereicht, es bedurfte auch noch einer Krise. Die wird natürlich ad infinitum propagiert werden - Entschuldigung für alles was schief läuft in unsere Gesellschaft.

José Atento
00
13.10.2009, 00:01
Stuß

ist es wenn jemand behauptet, dass unnötige Kosten wegen Krankheit die Wirtschaft ankurbeln könnten. Schließlich muss die Wirtschaft diese unnötigen Kosten verdienen. Das vergessen die Ankurbler immer, denn sie denken Kredite muss man sowieso nie mehr zurückbezahlen. In Geld sicher nicht mehr, aber in einer anderen Weise sicher.


Das kommt mir so vor, als könnten wir uns alle gegenseitig die Haare schneiden. Das Geld würde zirkulieren und es würde uns allen gut gehen ???

LvMises
00
12.10.2009, 23:16

das jammern macht mich krank.

mfg

Cpt. Bligh
110
12.10.2009, 22:12
krank?

ich erlebe in meinem (erweiterten) bekannten kreis einige menschen, die krank von der arbeit sind.

grund dafür ist aber selten die wirtschaftskrise.

den meisten druck erlegen sich diese menschen selber auf. der eine hat ein (zu) teures haus gebaut, der andere glaubt er müsse tag und nacht arbeiten, um etwas ansehen zu erringen, ein anderer leidet an der führungsschwäche seiner vorgesetzten, usw.

was mir auffällt ist, dass die leute einfach unsicher sind. viele meinen immer sie müssen sich mit anderen messen, oder so sein, wie die medien es vorgeben.

tatsache ist, dass es vielen arbeitenden menschen wirklich dreckig geht. aber viele davon sind selbst nicht ganz unschuldig.

lanz1
 
13
13.10.2009, 06:39
stimmt genau!

die krise haben die leute auch wenn es ihnen wirtschaftlich gut geht. mag ja sein, dass es leute gibt, welche wirklich aus wirtschaftlichen gruenden schlecht schlafen. aber die gibt es in guten zeiten und in schlechten. in einem land wo es sogar eine grundsicherung gibt, wo die leute nichts arbeiten muessen klagen alle wie schlecht es uns geht. ist irgendjemand verhungert seitdem wir in der krise sind?sicher nicht. nach dieser krise werden wieder alle eine andere krise haben, die krise der steuerhoehung und kohnkuerzung. also bitte. ich bin 44 jahre auf dieser welt und es geht mir von jahr zu jahr besser. und warum?? weil ich nicht dem geld nachlaufe. und viel zeit habe.

José Atento
02
13.10.2009, 00:07
Ich würde meinen, dass es ein gesellschaftliches Problem ist.

Mir kommt vor die Leute mutieren immer mehr zu Einzelkämpfern. Jeder gegen jeden ist bald die Devise. Traue keinem nicht einmal dir selbst. Das macht natürlich psychisch krank.

Eine Ursache kann auch in dem Schuldensystem/Finanzsystem gesehen werden, das uns alle versklavt. Dann kommen noch die Obersklaventreiber (= Politiker) und rauben uns über diesen Überwachungs- und Rundumversorgungswahn die letzten Freiheiten und damit das letzte Selbstbewusstsein.

Doch was kann man dagegen tun?
Vielleicht versuchen auf andere wieder offener zuzugehen ???

ibinswieda
 
01
12.10.2009, 23:07
sie haben auch recht:

in unserer "Zivilisation" macht manchen seine Arbeit krank und manchen Arbeitslosigkeit. Ist eigentlich kein Geheimnis.

infanterist
15
12.10.2009, 19:58

ich fühle mich durch psychisch belastete personen psychisch belastet...

lanz1
 
02
13.10.2009, 06:39
genau so ist es!

und nicht anders.

José Atento
02
13.10.2009, 00:09

Wer denkt, er selbst kann sich von der allgemeinen Stimmung abkoppeln und ihn wird das nicht berühren, der irrt ziemlich.

Wir sind soziale Wesen, die isoliert nichts sind.

Willll
00
12.10.2009, 20:55
Das ist immer so. Die Tiere und Pflanzen waren es nicht.

"Die Hölle sind die anderen", sagte schon Jean-Paul Sartre. Vor allem die, die es nicht wissen wollen, dass sie eine sind.

irgendein/e posterIn
 
22
12.10.2009, 18:54

ob immer nur an allem die politiker schuld sind wie hier oft behauptet wird?

was ist zb mit denen, die einen haufen schulden machen und dann gezwungen sind den chefs in den a kriechen? die erhöhen doch alle dann druck nur noch mehr usw. usw.

luilui
02
12.10.2009, 19:19
ist Charaktersache

und ein Chef der das nicht merkt, ist selber schuld und gehört gestraft für dsein Eitelkeit, weil er scih mit JA-Sagern umgibt - kein Bedauern

luilui
510
12.10.2009, 18:43
Nur Jammern

und das auf hohem Niveau...

Wer ein bisserl über den Tellerrand (Grenzen) hinausschaut, der sollte wissen, dass es uns relativ gut geht, trotz der Krise.

Aber Sudern ist halt in. Das wusste schon der letzte Bundeskanzler

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