Exodus von Zeitungsredakteuren nach Medien-Coup

12. Oktober 2009, 14:42
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Protest gegen Übernahme durch britische Investment-Familie - Abspringer fürchten um unabhängigen Journalismus

Bei der lettischen Tageszeitung "Diena" haben nach dem Bekanntwerden der neuen Eigentumsverhältnisse an der "Diena"-Mediengruppe zahlreiche Redakteure gekündigt. Die Journalisten, darunter Chefredakteurin Anita Brauna, protestieren damit gegen die Vorgangsweise beim Verkauf des Medienhauses an eine den britischen Konservativen nahestehende britische Spekulantenfamilie. Die abgesprungenen Journalisten erwägen die Gründung einer eigenen Zeitung, berichten lettische Medien.

Derzeit hält die Gruppe um Brauna und der ebenfalls zurückgetretenen Mediengruppen-Chefin Nellija Locmele über einen bereits vor über einem Monat eingerichteten Internet-Blog citadiena.wordpress.com Kontakt mit der Öffentlichkeit. Bereits damals hatte Locmele befürchtet, die Zeitungen könnten wegen der von ihr als intransparent kritisierten Geschäftsgebarung von "Diena"-Direktor Alexandrs Tralmaks ihre journalistische Unabhängigkeit verlieren.

Namentlich bekanntgegeben wurden zehn Abspringer, darunter auch "Diena"-Mitbegründer und Leitartikelautor Pauls Raudseps. Laut der Nachrichtenagentur LETA haben mehrere weitere Redakteure das Blatt verlassen oder erwägen diesen Schritt. "Diena" werde derzeit de facto von den Mitarbeitern von "Dienas Bizness" gemacht - der täglich erscheinenden Wirtschaftsschwester von "Diena".

Die neue geschäftsführende Chefredakteurin bei "Diena", Dace Andersone, beteuerte indes, das Blatt werde seinem Kurs treu bleiben und weiterhin unabhängigen Journalismus bieten. (APA)

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