Millenniumsziel zum Schutz der Artenvielfalt ist nicht zu erreichen

12. Oktober 2009, 14:22
posten

123 Staaten einigten sich auf ein Ziel - doch die Umsetzung ist nicht ausreichend

Nairobi/Kapstadt - Globales Missmanagement ist daran schuld, dass es auf der Erde zu einem so massiven Artenverlust gekommen ist. "Das Millenniumsziel bis 2010 den Biodiversitätsverlust einzudämmen bzw. aufzuhalten, konnte nicht erreicht werden", muss Anne Larigauderie, Direktorin der Konferenz des International Programme on Biodiversity (DIVERSITAS), bereits im Jahr vor Ablauf der Frist bilanzieren. Rund 600 Experten treffen sich diese Woche in Kapstadt, um über die Problematik des Artenverlustes zu diskutieren.

"2003 wurde in der UN-Konvention über biologische Diversität von 123 Staaten beschlossen, den weltweiten Artenschwund unter Bezugnahme auf die Verringerung der Armut bis 2010 durchzusetzen", erklärt Larigauderie. Dieses Ziel werde sicher nicht erreicht. "Allerdings werden wir beim Treffen in Kapstadt neben wissenschaftlichen Projekten auch die politischen Entscheidungsträger ansprechen, etwas gegen den Biodiversitätsverlust zu unternehmen", so die Direktorin. Ein großes Problem sieht Larigauderie in der wirtschaftlichen Beurteilung des Artenschwundes.

Ökologische und ökonomische Werte

"Die Leistungen, die ein funktionierendes Ökosystem erbringt, sind sehr schwer in Zahlen auszudrücken." Das habe dazu geführt, dass die politisch Verantwortlichen dieses Thema vernachlässigt haben. Der unwiderbringliche Verlust von Arten beeinträchtige allerdings eine gut funktionierende Umwelt. Als Maßnahmen wollen die Wissenschaftler neben zusätzlichen Forschungsprojekten auch ähnliche Mechanismen für die Biodiversität schaffen wie sie auch beim IPCC in Fragen des Klimaschutzes in Anwendung sind.

"Wir müssen die politisch Verantwortlichen dazu bringen, möglichst rasch auf dieses Thema zu reagieren", meint DIVERSITAS-Vorsitzender Harold Mooney, Professor am Department of Biological Sciences an der Stanford University. "Die Veränderungen in der Natur sind dramatisch", so der Experte. Neue Technologien der Beobachtung hätten dies sehr deutlich gezeigt. Es sei dringend erforderlich, das Thema Artenvielfalt stärker ins Bewusstsein zu rücken. Um diesem Problem, das so viele andere mit sich zieht - etwa die Verbreitung von Erkrankungen, der Handel mit Lebewesen oder die Invasion von fremden Tier- und Pflanzenarten - brauche man interdisziplinäre, wissenschaftlich basierte Lösungsansätze. "Außerdem muss das ganze relativ schnell gehen. Biodiversitätsforscher werden in Zukunft immer häufiger in politische Debatten miteinbezogen", so Mooney. "Das ist eine der wichtigen Bestrebungen von DIVERSITAS."

Milliarden von Tierimporten

Ein zentraler Diskussionspunkt bei der Konferenz wird der Handel mit lebenden Tieren und Organismen sein. In den USA sind zwischen 2000 und 2006 fast 1,5 Milliarden lebende Tiere importiert worden. Viele davon tragen potenziell gefährliche Krankheitserreger in sich. Dass Pathogene von Tieren auf den Menschen übergehen und dort schwere, sogar lebensbedrohliche Erkrankungen verursachen können, ist bekannt.

Peter Daszak vom US-Wildlife Trust referiert über die ökonomischen Auswirkungen solcher Krankheiten wie etwa HIV/Aids, SARS, Ebola und das Vogelgrippe-Virus H5N1. "Allein der SARS-Ausbruch kostete der Wirtschaft zwischen 30 und 50 Milliarden Dollar. Eine weltweite Vogelgrippe-Pandemie würde hochgerechnet zwischen 300 und 800 Milliarden Dollar an Kosten verursachen", so Daszak. "Der Ausbruch solcher Erkrankungen und der weitere Verlauf kann abgeschätzt werden. Doch dafür sind wissenschaftliche Untersuchungen notwendig."

Es sei sehr wichtig, dass Experten die Resultate ihrer Forschungsarbeiten austauschen. Aber das wesentliche Ziel der Konferenz ist es, Einblicke für die praktische Umsetzung der politisch Verantwortlichen zu sammeln und zu zeigen, dass es Vorteile gibt, wenn in Artenschutz investiert wird, so Larigauderie. (pte/red)

Share if you care.