US-Komödianten entdecken Obama

13. Oktober 2009, 11:50
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"Saturday Night Live" und "The Daily Show" werfen dem Präsidenten Untätigkeit vor

Bisher durfte sich Präsident Barack Obama in den populären Abendsendungen über höchst respektvolle Berichterstattung freuen. Er war als erstes amtierendes US-Staatsoberhaupt zu Gast bei Jay Leno und David Letterman, und die Scherze in der "Saturday Night Live"-Show ("SNL") beschränkten sich meist auf Präsidentenhund Bo oder seine Bowlingkünste.

Quelle: Youtube

Doch nach neuen Monaten im Amt haben nun die Satirenschreiber die Samthandschuhe ausgezogen. Letzte Woche trat im"SNL"-Einleitungssketch der Autor und Musiker Fred Armisen als Präsident Obama auf und setzte sich gegen Vorwürfe, der Präsident wolle die USA in "etwas, das der Sowjetunion oder Nazideutschland ähnelt, verwandeln" zur Wehr.

Zu seiner Verteidigung präsentiert der falsche Obama eine Liste mit Wahlkampfversprechen: Schließung des umstrittenen Lagers Guantanamo, Irak-Abzug, Fortschritte in Afghanistan, Gesundheitsreform - nichts ist erledigt. Er betont, dass er über die Mehrheit in beiden Häusern des US-Kongresses verfüge und dadurch jederzeit anordnen könne, dass "alle Schwulen heiraten müssen oder alle Autos mit Marihuana betrieben werden", und dennoch darauf verzichtet.

Es gibt auch Erfolge

Zu seinen Erfolgen zählt Armisen/Obama, dass er live im Fernsehen eine Fliege erschlagen habe (derStandard.at berichtete) und es geschafft habe, dass ein schwarzer Wissenschaftler und ein weißer Polizist gemeinsam auf ein Bier gingen - und das könne außer Talkshow-Star Ophrah Winfrey niemand.

Nach "Saturday Night" griff am Dienstag Jon Stewart ("The Daily Show") das Thema des Präsidenten, der nichts weiterbringt auf und fordert Obama auf, auch einmal etwas von dem Teller, den er immer mehr anfülle, zu kauen und zu schlucken. Sonst werde der Teller nämlich nie leerer.

Star-Talker Jay Leno warnte am Donnerstag vor Hoffnungen auf eine rasche Entscheidung zu Obamas Afghanistan-Politik: "Es dauerte fünf Monate, bis er sich für einen Hund entschieden hat",  und spottete am Freitag über die Verleihung des Friedensnobelpreises an den Präsidenten: "Ironischerweise ist seine größte Leistung bisher, diesen Preis gewonnen zu haben".

Jeff Nussbaum, der für Obamas Demokratische Partei Reden schreibt, äußerte die Meinung, dass trotz der im TV geäußerten Kritik kein Grund zur Sorge bestehe. "Nach neuen Monaten im Amt haben die Comedy-Schreiber einfach mehr Material", sagte er zur New York Times. (bed/derStandard.at/12.10.2009)

Link

The New York Times: Another Fine Mess: Comics Whack Obama

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    Nach neun Monaten im Amt haben die US-Comedyshows die Schonfrist für Präsident Obama beendet.

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