Experimente zwischen Wiesen und Gipfeln

13. Oktober 2009, 14:54
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Nicht nur das Planen mit Holz, sondern auch die Umsetzung wird im Studium Holztechnologie und Holzbau vermittelt - Auch "freche" Ideen sind erlaubt

"Fange ich zu arbeiten an oder studiere ich?" Diese Frage stellen sich die meisten spätestens, wenn sie das Maturazeugnis in der Tasche haben. Für Otmar Bachler war klar: "Wenn ich studiere, dann etwas in Richtung Holz." In eine größere Stadt oder gar nach Wien wollte er nicht unbedingt. So kam es, dass Bachler von seiner Heimat Steiermark nach Salzburg umsiedelte. In Kuchl, rund 20 Kilometer südlich der Mozartstadt, warten auf die Studenten des FH-Studiengangs "Holztechnologie und Holzbau" neben einem gerade erweiterten Lehrgebäude ein Studentenheim in Passivhaus-Bauweise, grüne Wiesen, frische Landluft und ein paar mächtige Berggipfel.

Firmen und Private zum Thema Holz beraten

"Die Studienzeit war die schönste Zeit meines Lebens", sagt der heute 30-Jährige rückblickend. Er habe "gute Kontakte" geknüpft, viele seiner ehemaligen Kollegen seien im "mittleren Management" gelandet. Bachler selbst sitzt heute nur ein paar Schritte von seinem ehemaligen Studienplatz entfernt - er ist Holzfachberater des Landes Salzburg. Sein Büro ist am selben Gelände angesiedelt wie die Fachhochschule. Über seinen Job erklärt er: "Es gibt in ganz Salzburg rund 1.000 Betriebe, die etwas mit Holz zu tun haben. Unser Verein ist dazu da, den Holzeinsatz zu erhöhen, zum Beispiel beim Bauen oder Heizen."

Täglich steht Bachler für Anfragen von Firmen aber auch von Privaten zur Verfügung, um sie kostenlos zum Thema Holz zu beraten oder an Spezialisten weiter zu vermitteln. Bei Firmen handelt es sich oft um Fragen über Normen und Vorschriften, bei privaten Bauherren um Auskünfte, ob und wie sie Holz beim Hausbauen einsetzen können.

Nicht nur planen, sondern auch bauen

Beim Studium "Holztechnologie und Holzbau" geht es darum, wie man den Werkstoff Holz für Gebäude oder andere Produkte einsetzen kann. Studiengangsleiter Alexander Petutschnigg erklärt: "Wir unterscheiden uns von einem klassischen Architekturstudium, weil wir mit Holz sowohl planen als auch bauen - bei uns geht es auch um die Umsetzung." Als Beispiel nennt er das neue Pfadfinderheim der Nachbargemeinde Puch, das von Studenten entworfen wurde und verweist auf den großen Praxisbezug im Studium. "Experimentieren ist bei uns sehr wichtig", sagt Petutschnigg, "es geht darum, nicht nur Ideen zu haben, sondern sie auch umzusetzen - auch freche Ideen." Denn: Wichtig sei nicht nur das Modell, sondern vor allem die reale Umsetzung. Auch andere Herausforderungen, von Brandschutz über städtebauliche Fragen bis zur Logistik, würden dabei behandelt.

Neue Materialen aus Holz entwickeln

Die Entwicklung komplett neuer Materialien aus Holz oder neuer Verfahrenstechniken ist ebenfalls Inhalt des Studiums. "Die Forschung ist sehr wichtig", so Petutschnigg, "wir können uns nicht leisten, Geschichten von gestern zu erzählen, sondern nur von morgen." Im Vordergrund stehen für ihn vor allem die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft der Studenten, "weil es ein sehr forderndes Studium ist." Man habe vielleicht weniger Zeit für Feste, sitze dafür aber abends zusammen und baue gemeinsam an Modellen. Nach dem Aufnahmeverfahren, das aus einem Reihungstest am Computer und einem Einzelgespräch besteht, würde rund die Hälfte der Bewerber aufgenommen.

"Sicher kein Honiglecken"

Absolvent Bachler über das Studium: "Für mich war es vom Anfang bis zum Schluss interessant, aber auch sehr umfangreich." Dass die FH ähnlich wie eine Schule funktioniert, findet er gut. Man müsse sich zwar selbst "bei der Nase nehmen", aber ein Studienende sei von Anfang an absehbar. "Es ist sicher kein Honiglecken, ich bin nie der Typ gewesen, der leicht etwas gelernt hat, andere haben viel weniger gelernt als ich."

Die eigenen Stärken ausspielen

2005 wurde Bachler fertig, seine Diplomarbeit schrieb er über das Thema "Marketing im Holzbau". Den Job, den er bei einer Fertighausfirma bekam, machte er nur drei Monate lang. "Es war nicht das Richtige, ich habe also wieder gesucht." Rund 15 Bewerbungen hat es gebraucht, bis er nach einem Gespräch und einem Test seinen heutigen Job bekam. "Hier kann ich meine Stärken ausspielen, es geht weniger um Produktion und Technik, sondern ich muss viel kommunizieren, netzwerken und mich auch um Werbung und Marketing kümmern", sagt der 30-Jährige. Vielen seiner ehemaligen Studienkollegen sei es ähnlich ergangen und sie hätten schon mindestens einmal den Job gewechselt. "Das ist nicht so ungewöhnlich und auch nichts negatives", sagt Bachler. Man müsse eben erst herausfinden, wo man hinwolle und was zu einem passe.

Atomic, Bene und Kaindl

Studiengangsleiter Petutschnigg zufolge hätten viele Studenten "in der Regel nach dem Pflichtpraktikum einen Job." Allerdings würde von den Firmen Flexibilität gefordert. Als mögliche Arbeitgeber in der Holzindustrie nennt er den Skihersteller Atomic, den Büroausstatter Bene und den Holzwarenproduzenten Kaindl. Das Netzwerken würde von der Fachhochschle forciert: Neben Vorträgen von Firmen und Praktika gibt es einen jährlichen Architekturworkshop. "Unsere Stärke ist außerdem, dass wir viele Vortragende aus der Industrie haben", so Petutschnigg. Seine Begeisterung für den Werkstoff Holz sowie die Berechtigung für ein eigenes Studium rund um das Thema erklärt er so: "Holz ist ein hochintelligentes Material - man muss es verstehen, um es richtig einzusetzen." (mak, derStandard.at, 13.10.2009)

  • Zum Studium "Holztechnologie und Holzbau" in Kuchl gehört vor allem auch das Experimentieren - und zwar vor mächtiger Bergkulisse.
    foto: fh salzburg/studiengang htb

    Zum Studium "Holztechnologie und Holzbau" in Kuchl gehört vor allem auch das Experimentieren - und zwar vor mächtiger Bergkulisse.

  • Otmar Bachler in seinem Büro in Kuchl. Als Holzfachberater des Landes Salzburg ist er für alle holztechnischen Fragen zuständig.
    foto: fh salzburg/studiengang htb

    Otmar Bachler in seinem Büro in Kuchl. Als Holzfachberater des Landes Salzburg ist er für alle holztechnischen Fragen zuständig.

  • Abends zusammensitzen und gemeinsam an Modellen bauen - auch das ist laut Studiengangsleiter Petutschnigg Studienalltag.
    foto: fh salzburg/studiengang htb

    Abends zusammensitzen und gemeinsam an Modellen bauen - auch das ist laut Studiengangsleiter Petutschnigg Studienalltag.

  • Modell des Pfadfinderhauses in der Gemeinde Puch, das von Studenten der FH Salzburg entworfen wurde.
    foto: fh salzburg/studiengang htb

    Modell des Pfadfinderhauses in der Gemeinde Puch, das von Studenten der FH Salzburg entworfen wurde.

  • Für Studiengangsleiter Petutschnigg sind vor allem Leistungsfähigkeit und -bereitschaft der Studenten wichtig, "weil es ein sehr forderndes Studium ist."
    foto: fh salzburg/studiengang htb

    Für Studiengangsleiter Petutschnigg sind vor allem Leistungsfähigkeit und -bereitschaft der Studenten wichtig, "weil es ein sehr forderndes Studium ist."

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