Obama soll handeln

12. Oktober 2009, 10:54
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150.000 Menschen demonstrierten in Washington für die Entdiskriminierung von Homosexuellen beim Militär und für gleichgeschlechtliche Ehen

Washington  - Zehntausende Menschen haben in Washington gegen die Diskriminierung von Homosexuellen in den USA protestiert. Die DemonstrantInnen forderten Präsident Barack Obama auf, seine Zusage für mehr Rechte für Schwule und Lesben in die Tat umzusetzen. Sie zogen am Sonntag auf der rund drei Kilometer langen National Mall vom Weißen Haus zum Kapitol, viele von ihnen trugen Regenbogen-Fahnen bei sich. Nach Angaben der OrganisatorInnen nahmen mehr als 150.000 Menschen an der Veranstaltung teil, die Polizei gab dagegen keine Schätzung ab.

"Gleiche Rechte jetzt!"

"Gleiche Rechte überall in den USA", hieß es auf der Banderole, die an der Spitze des Protestzuges entrollt wurde. Überall waren auch Plakate mit Aufschriften wie "Gleiche Rechte jetzt!" zu sehen. Ein Mann trug ein T-Shirt mit dem Slogan "Zwei Väter sind besser als einer", bei einer Frau lautete die Aufschrift "Küss' mehr Mädchen".

Lady Gaga solidarisch

Mit der Demonstration wollte die Human Rights Campaign (HRC), die größte Homosexuellen-Organisation der USA, vor allem für gleichgeschlechtliche Ehen eintreten und gegen die Benachteiligung von Homosexuellen in der US-Armee ins Feld ziehen. Zu den prominentesten TeilnehmerInnen des National Equality March gehörte neben Schauspielerin Cynthia Nixon auch die Popsängerin Lady Gaga. Sie versprach, sich gegen Homophobie in der Musikbranche stark zu machen. Auch einige GegendemonstrantInnen versammelten sich in der US-Hauptstadt.

Am Samstag hatte US-Präsident Obama sein Wahlversprechen erneuert, das "Homosexualitätsverbot" in der Armee abzuschaffen. "Dazu habe ich mich Euch gegenüber verpflichtet", sagte er in einer Rede auf einer Gala der HRC. "Patriotische Amerikaner, die dem Land dienen", sollten nicht bestraft werden, sagte der Präsident vor 3.000 ZuhörerInnen. Einen Zeitplan für seine Zusagen nannte er aber nicht.

Obama sagte in Washington, er habe festgestellt, dass es einigen nicht schnell genug vorangehe. Er rief die HRC-AnhängerInnen zur Geduld auf. "Zweifelt nicht die Richtung an, in die es geht und das Ziel, das wir erreichen werden." Er stehe in diesem Kampf an der Seite der Homosexuellen. HRC-Präsident Joe Solmonese sagte, dies sei zwar tatsächlich eine "Zeit der Ungeduld", räumte jedoch ein, dass die Bewegung "noch nie einen stärkeren Verbündeten im Weißen Haus" gehabt habe als Obama.

"Nichts fragen, nichts sagen"

Derzeit gibt es im US-Militär die sogenannte "Nichts fragen, nichts sagen"-Regelung, wonach Homosexuelle in der Armee dienen können, solange sie ihre sexuelle Orientierung nicht ausleben oder davon erzählen. Die Duldungsregel war in den 90er Jahren unter dem damaligen Präsidenten Bill Clinton eingeführt worden und hatte Homosexuellen erstmals die Möglichkeit eröffnet, in der Armee zu dienen. Seit Einführung der Regelung wurden nach Angaben von Bürgerrechtlern jedoch mehr als 12.000 Soldaten aus der US-Armee entlassen, weil sie sich zu ihrer Homosexualität bekannten.

Der demokratische Senator Carl Levin, der dem Wehrausschuss des Senats vorsitzt, sprach sich für Ende des Verbots aus. Allerdings müsse auf die Unterstützung innerhalb der Streitkräfte für die Reform geachtet werden. Die Änderungen erforderten "Bedacht und Vorsicht", sagte Levin im TV-Sender NBC. (APA/AP/AFP)

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    Laut VeranstalterInnen fanden sich 150.000 Menschen bei der Demo ein.

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