Geld: Woher und zu welchem Preis?

12. Oktober 2009, 10:02
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Normalisierungstendenzen auf den Kreditmärkten, aber auch Sorge um 2010 dominierte das Alpbacher Finanzsymposium. Was kostet Geld künftig, und wer borgt es her?

Alpbach - Grundlegend waren die Experten und ihre rund 500 Finanzchefs, Treasurer und Banker im Publikum beim 23. Alpbacher Finanzsymposium diese Woche einig: Die Krise ist nicht vorbei. Zwar erholt sich die Weltwirtschaft - aber primär getrieben von Konjunkturpaketen (durchschnittlich je nach Rechnung zwischen fünf und zehn Prozent der jeweiligen Wirtschaftsleistungen) und lockerer Geldpolitik. Und: Nach den Löschaktionen der Notenbanken gehe es jetzt um Strukturreformen.

"Strukturerhaltung heißt Stagnation, Wachstum ist ohne Strukturwandel nicht möglich", sagte etwa Boris Zürcher, Vizepräsient des Schweizer Thinktanks Avenir Suisse. Dringenden Umbau der Wirtschaft urgierte Johann Moser, Geschäftsführer der größten heimischen Förderinstitution Austria Wirtschaftsservice, etwa in Richtung Umwelt und Life-Science. Er warb heftig für die deutlich aufgestockten Förderinstrumente der aws - auch für sehr kleine Firmen. Die Volkswirtschaft sei so lange nicht stabil, solange die Arbeitslosigkeit steigt.

Die große Frage drehte sich bei allen um den "Zahltag": Wann sollen die Exits aus den Stützungen beginnen - und wie? Wie kann sich das Rad von selbst wieder drehen? Steht uns eine Erholung als V bevor - oder eine W-Formation? Droht bei nichtadäquater Fortführung des Krisenmanagements eine "Japanisierung der Wirtschaft in Europa"?

"Keine Entwarnung"
Vor dieser Kulisse der makroökonomischen Unsicherheit ging es in Alpbach unter den Bankern und Finanzchefs um das Thema Liquidität: Mit welchen Aufschlägen ist künftig zu leben? Wann gibt es wieder langfristiges Geld?

"Keine Entwarnung, aber Entspannung", wie Raiffeisen-Zentralbank-Vorstand Karl Sevelda formulierte, war der Kernpunkt der Aussagen der Bankvorstände nach einer Reihe schwieriger Monate, in denen das De-Leveraging und der der Liquiditätsstopp zwischen den Banken und die radikale Risikobremse die Kundenbeziehungen auf harte Proben gestellt hat und sich Abhängigkeiten zu Banken für Unternehmen in große wirtschaftliche Schäden gewandelt haben. "Cash is king", wie Sandoz-Finanzchef Hubert Hirzinger sagte, habe natürlich den Sparstift regieren lassen - bei seinen 2800 Mitarbeitern allerdings nicht in der Aus- und Weiterbildung. "Damit rettet man keine Firma".

Kundenbeziehungen vertiefen 

Das gemeinsame Ziel ist klar, wie Ex-Investkredit-General Wilfried Stadler formulierte: "Ein Finanzsystem, das der Realwirtschaft dient, statt sie permanent existenziellen Risiken auszusetzen." Der Weg aus seiner Sicht: Die Prozyklizität aus dem Bilanzierungssystem zu nehmen, echte Kapitalisierung statt ungezügelter Buchgeldvermehrung. Kurz: "Wertschöpfung statt Geldschöpfung - wir haben keine zweite Chance, mit öffentlichen Mitteln zu löschen".

Normalisierungstendenzen in der Liquiditätsversorgung wurden allgemein attestiert, das Problem bleibe nach wie vor der Langfrist-bereich. "Know your costumer", wie Bawag-Vorsteherin Regina Prehofer sagte, sei ein Vorteil der heimischen Unternehmen und ihrer Finanzierungspartner - die Enge des Marktes helfe. Werben um Verständnis, etwas Beschwichtigung und das Verbreiten positiver Grundhaltung dominierte auch die Kundenempfänge der heimischen Finanzwirtschaft. Definitives Motto bei all den erwarteten Schwierigkeiten (und Preisen) in den Finanzierungsfragen: Passfähigkeit der Finanzwirtschaft für die Realwirtschaft. Vertiefung langfristiger Kundenbeziehungen. (Karin Bauer, DER STANDARD, 10./11.10.2009)

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