Legasthenie: Abneigung gegen Reime

11. Oktober 2009, 20:59
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Die Legasthenie (Lese- und Rechtschreibstörung, kurz LRS) ist eine Entwicklungsstörung, die vier bis acht Prozent der Grundschulkinder betrifft. Sie tritt familiär gehäuft auf, die Erblichkeit beträgt zirka 50 Prozent. Im Gegensatz zur Lese-Rechtschreib-Schwäche, die temporär auftritt, dauert die Lese-Rechtschreib-Störung ein Leben lang an.

Bei legasthenen Menschen ist die visuelle und auditive Wahrnehmung gestört. Sie haben Schwierigkeiten, einzelne Sprachreize und Laute zu unterscheiden und sie Buchstaben zuzuordnen und umgekehrt. Die Erklärung: Bestimmte Regionen des Gehirns werden nicht ausreichend aktiviert. Sich schnell bewegende visuelle Reize werden ebenfalls nicht ausreichend wahrgenommen. Die neurobiologische Forschung zeigt, dass basale Störungen in der auditiven und visuellen Informationsverarbeitung vorliegen.

Hinweise auf eine LRS können schon beim Kleinkind wahrgenommen werden. Etwa zwei Drittel der Kinder, die später eine Legasthenie entwickeln, zeigen Schwächen der phonologischen Bewusstheit. Sie haben Schwierigkeiten Anlaute zu erkennen oder aus Lauten ein Wort zu bilden. Diese Kinder mögen keine Reime, wollen bei Sprachspielen nicht mitmachen. (jub, DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2009)

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