"Wir brauchen einen Vorsorge-Blockbuster"

11. Oktober 2009, 20:03
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Mit der Fondsbranche geht es wieder aufwärts. Experten suchen nach Vorsorge-Lösungen, die zum Ansparen motivieren

Waidhofen/Ybbs - Die Fondsbranche, die von der Finanzkrise hart getroffen wurde, schöpft neue Hoffnung. Die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass die Fondsindustrie wieder Fuß gefasst habe, so der Tenor bei den vierten Fondstagen, die von der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) veranstaltet wurden. Leichte Zeiten hat die Branche wahrlich nicht hinter sich.

2007 ist das verwaltete Fondsvolumen in Österreich erstmals geschrumpft. Im Vorjahr schmolz das veranlagte Kapital gar um knapp 40 Milliarden Euro (siehe Grafik).

Fondsvolumen wieder gestiegen

Schuld daran waren die weltweit massiven Verluste an den Börsen und, dass verunsicherte Anleger ihre Gelder abgezogen haben.

Messen lässt sich der neue Optimismus daran, dass das Fondsvolumen seit Jahresbeginn wieder gestiegen ist - um 6,3 Prozent auf 133,9 Milliarden Euro. Den Fonds hat freilich auch der Erholungskurs der Börsen geholfen, wodurch wieder satte Gewinne verbucht werden konnten. Durch das konzertierte Auftreten der Staaten und der Zentralbanken "wurde der Weltuntergang abgesagt und wieder Gewinne erzielt", so VÖIAG-Generalsekretär Dietmar Rupar.

Nerven behalten

Dass es wieder aufwärts gehe, zeige sich auch darin, dass österreichische Aktienfonds, die durch ihr Osteuropa-Exposure besonders gelitten haben, heuer bereits wieder 52 Prozent zugelegt haben. "Es ist wichtig, als Investor die Nerven zu behalten", sagte Heinz Bednar, Geschäftsführer der Erste Sparinvest und VÖIG-Präsident.

Dass das für Privatanleger nicht immer leicht ist und ein Kunde sich von Aussagen wie "die Benchmark hat 60 Prozent verloren, ihr Fonds nur 40 Prozent" nicht beruhigen lässt, erklärte Peter Bosek, der als Vorstandsmitglied der Erste Group für das Retailgeschäft in Österreich zuständig ist. Auch Sätze wie "von den 60 Prozent, die sie verloren haben, haben sie 30 Prozent wieder gewonnen", würden den Kunden zeigen, "dass sie nicht in seiner Welt leben". Das Vertrauen beim Kunden jetzt wiederherzustellen, "ist daher die größte Herausforderung", sagte Bosek.

"Der Vertrieb muss Stellung beziehen", erklärte auch Hans-Jürgen Engelhart, Vorstandsmitglied beim Unternehmensberater Eurogroup Consulting. Den Frust der Kunden "muss man jetzt aushalten".

Die Lebensläufe seien heute bunter als früher. Darauf müsse in der Vermögensverwaltung Rücksicht genommen werden. Bosek: "Heute haben wir viele Patchwork-Situationen. Kunden sind daher öfter gezwungen, auf ihre Liquidität zuzugreifen. Die Produkte der Zukunft müssen ein Ansparen, Rausnehmen und Aussetzen ermöglichen."

"Vertrieb und Kunden überfordert"

Zudem sei das demografische Thema "wir werden immer älter, die Jüngeren immer weniger", veranlagungstechnisch noch nicht wirklich umgesetzt. Bosek: "Darauf müssen wir reagieren, wir brauchen einen Vorsorge-Blockbuster." Denn, so ist sich Bosek sicher: "Es wird in Zukunft nicht darum gehen, möglichst viele fremde Länder und exotische Produkte im Portfolio zu haben, sondern darum, Produkte zu haben, die dem Alter des Kunden entsprechend die Assetklassen wechseln".

Mit der Vielzahl von Fonds, die in "lustigen Buchstabenkombinationen" (Bosek) zusammengefasst wurden, habe man den Vertrieb und auch die Kunden überfordert. "Wir waren in den vergangenen Jahren zu produktgetrieben und haben den Aspekt der Vermögensverwaltung vernachlässigt", merkte Bosek kritisch an.

Dass als Folge der Krise künftig nur noch "einfache Produkte" vertrieben werden, glaubt Mathias Bauer, Chef der Raiffeisen Capital Management, nicht: "Bei Autos würde ja auch niemand auf die Idee kommen, jetzt nur noch auf einfache Motoren zu setzen." Gegen Krisen seien weder Banken noch deren Produkte gefeit. "Wir müssen aber lernen, die Produkte besser zu erklären", zieht Bauer die Lehren aus der Krise. In dieselbe Kerbe schlug Bednar: "Man muss dem Kunden sagen, welches Risiko er mit welchem Produkt eingeht." Ob man das bisher nicht getan habe? "Prinzipiell schon. Aber vielleicht zu kompliziert, vielleicht auch zu wenig." (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.10.2009)

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    Leichte Zeiten hat die Branche nicht hinter sich. Noch steht in den Sternen wie es weitergeht.

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