Täter und Opfer

11. Oktober 2009, 19:41
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Geschleppte Personen sind im mörderischen Geschäft der Menschenschmuggler immer noch Opfer

War es ein "großer Erfolg" gegen das Schlepperunwesen, als die Polizei am Samstag auf einem Autobahn-Parkplatz bei Zöbern zwei Lkws öffnete und drinnen zusammengepfercht insgesamt 64 Menschen fand? Gemessen an der Zahl der Flüchtlinge handelt es sich um eine nicht alltägliche Aktion. Möglicherweise hat die Polizei den kurdischen Kindern, Frauen und Männern sogar das Leben gerettet, denn alle waren durch die lange Fahrt in den Kühlwagen bereits stark unterkühlt.

Drei Personen wurden als mutmaßliche Schlepper verhaftet - höchst unwahrscheinlich, dass es sich um Big Bosse handelt. Der boulevardmedial abgefeierte große Schlag gegen Schlepperei wurde also ausschließlich an der großen Zahl der Geschleppten gemessen - ein schwerer Fehler.

Denn geschleppte Personen sind im mörderischen Geschäft der Menschenschmuggler immer noch Opfer. Der Versuch, ohne gültige Papiere zu reisen, ist zudem kein Verbrechen - auch wenn Bezeichnungen wie "Illegale" oder "Scheinasylanten" das unterstellen. Gerade Politiker werfen im Asylbereich immer wieder Opfer und Täter in einen Topf.

Wozu das führen kann, zeigt eine Schlüsselszene im Dokumentarfilm Little Alien von Nina Kusturica, der derzeit im Kino läuft: Junge Asylwerber werden in Traiskirchen von einem Passanten verbal attackiert. Eine Begleiterin übersetzt, dass der mürrische Mann seine sozialen Ängste über Ausländerhass ausdrücke. Zumindest Polizei und Politiker sollten Täter und Opfer unterscheiden können. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe, 12.10.2009)

 

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