Deutsche Zeitschriftenverleger begegnen Krise mit Aufbruchstimmung

11. Oktober 2009, 19:27
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"Zeit"-Verlagschef Esser betont Rolle der Redaktion: "In einem Kommunikationsunternehmen sind die Menschen das absolut wichtigste

Würzburg - Die bayerischen Zeitschriftenverleger wollen der Anzeigen- und Auflagenkrise mit Aufbruchstimmung und Erneuerung begegnen. Zwar machten die Medienkrise und die immer engeren politischen Rahmenbedingungen etwa bei der Werbung den Printmedien das Leben schwer, sagte der Vorsitzende des Verbandes der Zeitschriftenverlage in Bayern (VZB), Klaus Driever, am Samstag in Würzburg bei der Jahrestagung seines Verbandes. Gleichwohl gebe es aber auch "Leuchttürme" im Medienmarkt, die entgegen dem Trend an Auflage wachsen und neue Leserschichten erreichten.

"Wie mache ich 2009, 2010 und danach eine Zeitschrift, die erfolgreich ist", nannte Driever (Verlagsgruppe Weltbild) die zentrale Frage, auf die als Gastredner "Zeit"-Verlagschef Rainer Esser und der auf Verlage spezialisierte Unternehmensberater Rolf-Dieter Lafrenz antworteten. Esser, in dessen zehnjähriger Amtszeit die "Zeit"-Auflage aus dem Tief von rund 400.000 wieder auf über 500.000 kletterte, nannte die Redaktion als tragende Größe: "In einem Kommunikationsunternehmen sind die Menschen das absolut wichtigste." Gleichwohl müsse die Marke gestärkt und durch einfallsreiche Beiprodukte gestärkt werden. Dazu zählen laut Esser inhaltlich spezialisierte Magazine wie "Zeit"-Wissen, Veranstaltungen mit Prominenten und Merchandising mit passenden Produkten wie Buchreihen.

Erneuerung

Unternehmensberater Lafrenz forderte die Verleger auf, sich der strukturellen Erneuerung zu stellen, die über radikale Kostensenkung hinausgehen und den gesellschaftlichen Trend zum "Debundling" (Entbündeln) aufgreifen müsse. "Die Zeit der Massenprodukte ist langsam vorbei", über moderne Mediennutzung könnten sich die Menschen differenziert das auswählen, was sie wollen. Die Musikbranche habe den Trend bereits durchlaufen - statt einer CD mit einem Dutzend neben ein bis zwei gewollten Titeln, laden sich viele Menschen inzwischen einzelne Titel herunter - legal und gegen Bezahlung. Auch die Medienbranche müsse Produktdifferenzierung stärker in den Fokus nehmen und Lösungen für die gewandelten Kundenwünsche anbieten.

Verbandschef Driever bewertet die Lage der Printmedien dennoch zuversichtlich. Die Digitalisierung biete neue Zwänge, aber auch Herausforderungen und es gelte Online wie gedruckt: "Qualität und Authentizität sind unverzichtbar". Nach jüngsten Erhebungen lesen noch immer 93 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland Zeitschriften, sagte Driever. Die Gefahr des inhaltlichen Wettbewerbs im Internet werde vielfach falsch bewertet, denn die Gefahr drohe vom Nicht-Leser: "Wer im Internet gern und viel liest, der liest auch Zeitschriften."

Die Verleger müssten zunehmend um die Chancengleichheit mit anderen Mediengattungen wie TV und Internet kämpfen. Unter anderem dafür trete der inzwischen 80 Mitgliedsverlage starke VZB gemeinsam mit anderen Verlegerverbänden ebenso ein wie gegen überzogene Werbeverbote. "Wir müssen für unsere Zeitschriften werben können und wir müssen in unseren Zeitschriften werben können", sagte er an die Adresse der anwesenden Politiker bei der Jahrestagung in Würzburg. (APA/dpa)

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