Die großen Probleme kleiner Airlines

11. Oktober 2009, 19:26
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Europas Regionalflieger fordern Unterstützung, drohen mit der Streichung von Verbindungen und sind mit unwirtschaftlichen Flotten konfrontiert

Interlaken/Wien/Frankfurt - 66 Fluglinien, rund 1000 Flieger und 73,8 Millionen Passagiere jährlich umfasst der Verband der regionalen Fluggesellschaften Europas (ERA). "Doch im schlimmsten Jahr der zivilen Luftfahrt seit 1939 berichten 70 Prozent unserer Mitglieder von negativem Wachstum", sagt Mike Ambrose, Generaldirektor der ERA am Rande der diesjährigen Generalversammlung in Interlaken im Gespräch mit dem STANDARD.

Allein im ersten Halbjahr betrug der Passagierrückgang der betreffenden regionalen Fluglinien 7,2 Prozent. Es gebe zwar Anzeichen einer leichten Erholung des Aufkommens in einigen Ländern, aber die Erträge sinken weiter. "Seit der letzten ERA-Generalversammlung 2008 sind weltweit insgesamt 90 Fluglinien aller Kategorien verschwunden. 40 Prozent davon in Europa", erklärt Ambrose.

Teure Kleinflugzeuge

"Viele Mitglieder sehen sich mit dem Dilemma konfrontiert, Flugzeuge mit einer nicht mehr idealen Größe zu betreiben, speziell im Bereich der 50-sitzigen," sagt Tyrolean-Airways-Chef Manfred Helldoppler. Wie berichtet, stellt die AUA-Tochter Tyrolean, die unter der Marke Austrian Arrows operiert, 14 Flugzeuge dieser Größe außer Dienst, da sinkende Erträge durch geringere Ticketpreise deren Einsatz unwirtschaftlich machen. Auch Air Nostrum aus Spanien oder Lufthansa City Line müssen reagieren und bauen die kleinen Flugzeuge ab, teilweise werden sie ersetzt durch größere Baumuster.

Geht es den regionalen Airlines schlecht, sinkt auch das Passagier-Aufkommen bei den regionalen Airports. Im ersten Halbjahr sank dieses um 9,1 Prozent im Vergleich zu 2008. In Österreich rechnet etwa der Flughafen Linz für 2009 mit einem Passagierrückgang von 15 Prozent. In Salzburg sei gar ein Minus von 18 bis 20 Prozent zu erwarten, ist aus Kreisen der österreichischen Flughafendirektoren zu vernehmen. "Manche dieser Flughäfen haben noch nicht realisiert, dass der Verkehr zahlreicher regionaler Verbindungen auf der Kippe steht, wenn nicht finanzielle Erleichterung, etwa bei den Gebühren, kommt", so Ambrose.

"Zahlreiche Routen nicht mehr profitabel"

"Wir beobachten, dass immer mehr Fluglinien finanzielle Unterstützung, sei es von Regionen oder Ländern, fordern, um weiterhin eine Verbindung betreiben zu können. Es gibt zahlreiche Routen welche nicht mehr profitabel sind", so Bernadette Rampl, Chefin der dem Lufthansa-Verbund zugehörigen Augsburg Airways.

Anfragen der Airlines nach sogenannten Public-Service-Obligations, also finanzieller Hilfe, seien aber schwierig. "Diese Prozesse müssen von der EU genehmigt werden und sind ein kompliziertes Unterfangen", sagt Ambrose. Die Krise der kleinen Airlines führe zum Problem, dass zahlreiche regionale Flughäfen künftig nur mehr eingeschränkt oder gar nicht mehr bedient werden können.

Gefährdete Bundesländerflüge

Auch Österreichs Neugestaltung des regionalen Flugverkehrs durch die Übernahme der AUA durch die Lufthansa war in Interlaken Thema. Derzeit wird bei Lufthansa, Austrian Airlines und Swiss getüftelt, welche Anbindungen zu welchen Drehkreuzen (Wien, München, Zürich, Frankfurt) ab den Bundesländerflughäfen ideal passen. Bei den sehr kurzen Zubringerflügen Linz-Wien oder Graz-Wien sei mit Reduzierungen bei den Frequenzen zu rechnen, hieß es. Das hänge davon ab, welchen wirtschaftlichen Beitrag die jeweiligen Destinationen in das Streckennetz liefern. Lufthansa werde künftig ab den Bundesländern dominieren. "Es wird interessant sein zu beobachten, ob und wie Lufthansa die niedrige Kostenstruktur der Tyrolean nutzen wird, welche um ein Vielfaches günstiger operiert als etwa die Lufthansa Tochter City Line", erläutert ein heute als Konsulent tätiger ehemaliger Airline-Vorstand.

Auch andere regionale Fluggesellschaften forcieren die Zusammenarbeit. So befindet sich die kleine Welcome Air aus Innsbruck in vertieften Gesprächen zwecks einer strategischen Kooperation mit Air Alps aus Südtirol, nachdem Letztere eine erfolgreiche Sanierung hinter sich hat. Andere in Österreich tätige Regionalfluglinien sind Intersky aus Vorarlberg, Robin Hood in Graz und Austrojet aus Salzburg.  (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.10.2009)

  • Bald außer Dienst gestellt, weil unrentabel: Kleine Flieger der als Austrian Arrows fliegenden AUA-Regionaltochter Tyrolean.
    foto: aia

    Bald außer Dienst gestellt, weil unrentabel: Kleine Flieger der als Austrian Arrows fliegenden AUA-Regionaltochter Tyrolean.

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