Bürgermeister in Wels bleibt rot

11. Oktober 2009, 18:19
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FP-Kandidat verlor bei Stichwahl - ÖVP gewinnt in fünf Gemeinden

Linz - Seit den Landtags- und Gemeinderatswahlen vor zwei Wochen hatte die SPÖ in Oberösterreich wenig Grund zu Freude. Mehr als 13 Prozentpunkte weniger auf Landesebene, und in den drei Statutarstädten Linz, Steyr und Wels verlor sie jeweils ihre absolute Mehrheit. Wenigstens bei der Bürgermeisterstichwahl am Sonntag konnte sich der langjährige SPÖ-Bürgermeister Peter Koits gegen den FPÖ-Herausforderer Bernhard Wieser durchsetzen, wenn auch knapp: Für Koits stimmten 53,5 Prozent, für Wieser 46,5 Prozent.

"Für ein weltoffenes Wels" waren noch am Samstag Welser auf die Straße gegangen. Örtliche Kulturvereine hatten die Demonstration organisiert, um vor einem möglichen Ruck nach Rechts zu warnen. Auch die Grünen hatten die Wähler dazu aufgerufen, am Sonntag für den amtierenden SPÖ-Bürgermeister zu stimmen, weil er aktiv gegen rechtsextreme und neonazistische Aktionen auftrete.

Bei der Bürgermeisterdirektwahl am 27. September hatte Koits im ersten Wahldurchgang nicht die notwendige 50-Prozent-Hürde geschafft. Er stürzte von 74 Prozent, die er 2003 erreicht hatte, auf knapp 43 Prozent ab.Dafür gewann überraschend FPÖ-Spitzenkandidat Wieser fast 30 Prozent derStimmen und überholte sogar noch die ÖVP-Kandidatin. Nach 60 Jahren drohte den Roten in Wels der Machtverlust. SPÖ-Landeschef Josef Ackerl stellte sich demonstrativ hinter Koits.

Auch in den roten Gemeinden Enns und Laakirchen musste die SPÖ zittern. Dort konnten sich ebenfalls ihre Bürgermeister im ersten Wahlgang nicht durchsetzen. In der 9.500 Einwohner Gemeinde Laarkirchen im Traunviertel verloren die Roten tatsächlich das Bürgermeisteramt. Mit einem Vorsprung von 88 Stimmen gewann der schwarze Herausforderer. In Enns hingegen wird weiterhin ein Sozialdemokrat regieren.

In insgesamt 37 der 444 oberösterreichischen Gemeinden wurden Bürgermeisterstichwahlen abgehalten. In 28 "Stichwahlgemeinden" hieß dasDuell Rot gegen Schwarz, in fünf Gemeinden Schwarz gegen Blau, in Wels Rot gegen Blau, in zwei Gemeinden trat der SPÖ-Spitzenkandidat gegen eine Bürgerliste an. In Ternberg erhoffte sich das BZÖ gegen die SPÖ zu gewinnen und damit den dritten Bürgermeister in Oberösterreich zu erhalten. Doch daraus wurde nichts. Der BZÖ-Kandidat unterlag mit 47 zu 53 Prozent. In den meisten Fällen gelang es den Herausforderern nicht, den amtierenden Bürgermeister abzulösen. So wird auch Saxen im Bezirk Perg in der nächsten Legislaturperiode von einem FPÖ-Bürgermeister regiert. In fünf Gemeinden kam es jedoch zu einem poltischen Farbenwechsel: Von Rot zu Schwarz. (Kerstin Scheller/DER STANDARD-Printausgabe, 12. Oktober 2009)

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    Peter Koits (SPÖ), amtierender Bürgermeister in Wels, kann aufatmen: Knapp gewann er die Bürgermeister-Wahl am Sonntag.

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