American Football

"Rothäute" vor dem Richter

11. Oktober 2009, 20:34

Suzan Shown Harjo vom Stamm der Cheyenne fühlt sich diskriminiert, weil sich der Football-Klub in Washington "Redskins" nennt

Wer die Redskins sind, muss man einem Washingtoner nicht erklären, das weiß er auch so. Zuzügler, die es vielleicht noch nicht wissen, werden es ziemlich schnell lernen. Wenn die Redskins American Football spielen, draußen in einem Stadion im ärmeren Osten der Stadt, geht gar nichts mehr auf dem Autobahnring, während sich in den U-Bahn-Stationen überproportional viele Menschen in weinroten Trikots drängeln. Weinrot ist die Klubfarbe.

"Touchdown!", tönt es bald laut aus den Kneipen, in denen Fernseher stehen, die Kinoleinwand-Dimensionen haben. "Toller Pass über zwanzig Yards!" Oder: "Wie konnte Campbell nur den Ball verlieren?" Campbell, Jason Campbell, ist der Quarterback, der Dirigent, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Weil die Redskins häufig verlieren, ist Campbell so etwas wie Washingtons Prügelknabe. Jetzt hat er sozusagen Konkurrenz bekommen, denn auch ein Ersatzspieler sorgt für Ärger. Robert Henson ließ die buhenden Anhänger aufbrausend wissen, wofür er sie hält, nämlich für "untreue Blödmänner, die von neun bis fünf bei McDonald's arbeiten".

Das ist natürlich nicht der Grund dafür, dass die Redskins demnächst am Obersten Gericht von sich reden machen. Richtig, an jenem Supreme Court, über den die US-Nation spricht, weil dort mit Sonia Sotomayor erstmals eine Frau mit lateinamerikanischen Wurzeln einzieht. Neun Juristen in dunklen Roben. Die letzte Instanz. Man kann sich kaum vorstellen, was sie mit dem Gerangel auf dem Football-Feld zu tun haben soll. Nun, es geht um den Namen des Klubs. "Rothäute. Das schlimmste Wort, das man sich für einen Ureinwohner Amerikas vorstellen kann", protestiert Suzan Shown Harjo, eine Schriftstellerin vom Stamm der Cheyenne. "Es bedeutet, einen Menschen nach seiner Hautfarbe zu charakterisieren. Geht es noch diskriminierender?" Deshalb zieht Harjo vor Gericht. Die Redskins, fordert sie, sollen nicht mehr Redskins heißen.

Chiefs, Blackhawks, Indians 

Auch die Namen anderer Teams sind manchen ein Dorn im Auge - im Football gibt's noch die Kansas City Chiefs (Häuptlinge), im Eishockey beispielsweise die Chicago Blackhawks, im Baseball die Cleveland Indians. Es war einmal populär in den USA, im Sport die Erinnerung an Indianer zu wecken. Offenbar, weil es nimmermüden Kampfgeist signalisieren sollte. Jedenfalls gab es noch 1970 dreitausend Vereine mit solchen Namen, heute sind es nur noch knapp tausend. Höchste Zeit, findet Harjo, dass sich auch die Redskins eines Besseren besinnen. Immerhin liegt es schon 17 Jahre zurück, dass Sprecher der Urvölker zum ersten Mal Klage einlegten, damals noch beim Amt für Patente und Markennamen. Die Sache verlief im Sande, weshalb Harjo nun auf die höchste Instanz baut.

"Die Tapferen auf dem Kriegspfad! Kämpft für das alte DC!", singen die Fans der Redskins, DC steht für District of Columbia, den Hauptstadtbezirk. Auf ihren Hemden tragen sie das Konterfei eines Häuptlings mit Federschmuck. Wetten, dass dabei kaum einer an vertriebene Ureinwohner denkt? "Schlimm genug", findet Suzan Shown Harjo. "Und höchste Zeit für eine Geschichtslektion." (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD Printausgabe 12.10.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 71
1 2
riggo
01
13.10.2009, 10:24
und die fins und jets haben

ein tolles monday football game abgeliefert!

die diskussion um den namen der washingtoner mannschaft ist ein alter hut! das gab's schon in den 70ern und hoechstwahrscheinlich davor auch schon!

schreibt lieber ueber spannendes, zb brett favre, the mnf dramatik, etc.

go fins

Landa, Hans
00
12.10.2009, 22:17
Wie kann man in seiner Denkweise nur derart rassistisch veranlagt sein...

..., sodass man überall gleich eine rassistische Handlung zu erkennen versucht, um nicht zu sagen, eine eigentlich alltägliche und keineswegs rassistische Bezeichnung von etwas, als rassistisch hinzustellen. Was kommt als nächstes? Verklagen dunkelhäutige Österreicher morgen die ÖVP?

Wenn so eine Klage ernsthaft durchgeht, dann frage ich mich allemal, wie verkommen deren und auch unsere westliche Gesellschaft ist, samt deren Gesetze und Rechte, sodass so etwas völlig gesetzeskonform durchgehen kann?

Wenn man hört, dass Einbrecher Hauseigentümer verklagen und recht bekommen, weil sich diese Verbrecher beim Verbrechen selbst verletzen o.ä., dann muss einem doch ein Licht aufgehen. Irgendetwas läuft da ziemlich falsch...

fahrenheit 451
01
12.10.2009, 22:01
über so einen us sport beitrag hätt ich mich mehr gefreut.

A 40-year-old in pink cleats was good enough to beat the St. Louis Rams.

http://www.nfl.com/gamecente... full-story

FinalDestinati0n
11
12.10.2009, 17:07

@ derstandard

Mehr NFL-Berichte!

Bitte!

joez
10
12.10.2009, 21:42

Ob das so gut ist? Sollen eher so Berichte wie den hier schreiben, wo es auch um politik geht. Die rein sportlichen Berichte sind meistens eher schwach.

h h h
02
12.10.2009, 15:02

und was ist erst mit den 49ers...
ts, als nummer 48 oder 50 wäre ich schön angfressen, so knapp und dann doch nicht...

Reblaus
00
12.10.2009, 15:01
Auf, auf ihr Blondschöpfe!

Fühlt Euch auf Grund Eurer Haarfarbe diskriminiert!

§83SPG
04
12.10.2009, 14:54

Man sollte sich die Kämpfe gut aussuchen, die sich zu führen lohnen. Denn tatsächlich wird die angestimmte Diskussion von breiten Bevölkerungsschichten als Lächerlich empfunden. Wie es auch schon bei uns in Ö der Fall war (Mohr im Hemd, Meinlmohr). Wenn dann echte substantielle Diskriminierungen geschehen, kommt es bei den Menschen zum "eh klar, die schon wieder" Reflex und man wird nicht mehr ernst genommen.
Mit wenig Phantasie, könnte man ja auch "positive" Seiten abgewinnen (Kampfgeist, "der edle Wilde", Mut, Unbeugsamkeit usw.) und das Ganze mit Erwachsener Gelassenheit betrachten, denn der Name wurde sicher nicht gewählt, um sich selbst (die repräsentierte Mannschaft) herabzuwürdigen.

sixela
00
14.10.2009, 13:27

Ganz richtig, und ich bin sicher, dass der Name auch in dem von Ihnen beschriebenen Sinn gemeint ist.

Ken Baumgartner
04
12.10.2009, 10:55
Als nächstes Klagen die kanadischen Gärtner gegen die...

....Toronto Maple Leafs

maxx 77
00
15.10.2009, 14:58

Wie würde ein alter Maple Leafs-Goon wohl auf so eine Klage reagieren, Mr. Baumgartner? ;-)

die_eidechse
 
10
12.10.2009, 10:41

und was ist mit den arizona cardinals? bin atheist!

Gunter Pilz
00
12.10.2009, 17:56
Cardinals

Die "cardinals" sind Vögel, keine Kardinäle.

die_eidechse
 
00
13.10.2009, 13:50

Cardinal (Catholicism), a senior ecclesiastical official, of the Roman Catholic Church.


schön. ich find manche kardinäle eh ganz schräge vögel. trotzdem fühle ich mich diskriminiert durch die arizona cardinals

Olivier Merle
03
12.10.2009, 14:58

cardinals sind vögel

Ziemlich leichter Stessa
02
12.10.2009, 16:18

Dann klage ich die Vögel.

fahrenheit 451
00
12.10.2009, 17:19

orthophobie?

f 3
00
13.10.2009, 16:46

nein ... aber ornithophobie

Feldschwirl
00
13.10.2009, 12:49
pfui

Captain Smoker
00
12.10.2009, 16:16

Bei den Azteken zB gab es "Vögelmänner" als Götter. ;)

die_eidechse
 
10
13.10.2009, 13:48

haben sie nicht gelesen? ATHEIST!!!

die_eidechse
 
52
12.10.2009, 10:39

"singen" tut bei den fetten amis kein fan, weil da würd ihm ja die 3-liter cola+2kilo fritten aus dem maul fallen.

Captain Smoker
00
12.10.2009, 16:17

Hm, ich weiß nicht. Muß das nicht 20 Liter Cola und 12 Kilo Fritten heißen? Ich meine nur um die Ironie erkennbar zu machen.

Peter Balonier
02
12.10.2009, 16:00

Hört sich so an als wär da jemand noch nie bei einem NFL Spiel gewesen, denn da geht es gescheit ab. Da kann sich jeder Rapid-Jünger warm anziehn.

Clemens Forell
00
12.10.2009, 17:09

naja, von lautstärke haben die amis wohl den mengenvorteil in den stadien. wirklich vergleichen kann mans glaub ich nicht.

der werte vorposter hat aber sicherlich mehr vorurteile als ahnung von live football...

ich hab vor jahren ein college match in wisconsin gesehen.... 85000 in rot weiß... die haben da echt gute ideen was die choreographien angeht... allein die "welle" gibts in etlichen verschiedenen versionen (slowmo, aufeinanderzu,...).

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 71
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.