Schulische Harmonie ohne Dosenenergie

11. Oktober 2009, 17:12
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Jugendpsychiater hält Verbot von Energy-Drinks an Volks- und Hauptschule in St. Georgen aber nicht für sinnvoll

Linz - Für Erwin Bindreiter ist allein schon der Geruch so "abschreckend und einfach grauslig" , dass er nie "auch nur einen Schluck" probieren würde. Die tiefe persönliche Abneigung dürfte wohl auch einer der Gründe sein, warum der Hauptschuldirektor Energy-Drinks die Flügel gestutzt hat. Seit Schulbeginn sind nämlich an der Volks- und Hauptschule der Mühlviertler Gemeinde St. Georgen am Walde Power-Getränke streng verboten. Doch wer jetzt glaubt, dass müde Schüler sich nun einfach vor der Schule die Energie aus der Dose zuführen, irrt.

Angesetzt wurde bei dem österreichweit einzigartigen Schulprojekt bei den "Dealern" im Ort. Die Nahversorger in St. Georgen verkaufen an die Schüler der Volks- und Hauptschule keine Energy-Drinks mehr. "Die Geschäfte waren alle sofort bereit, mit uns zu kooperieren und zugunsten der Gesundheit unserer Schüler auf einen Teil des Umsatzes zu verzichten" , freut sich Bindreiter.

Bereits nach vier Wochen sind für den Schuldirektor erste Erfolge der Maßnahme erkennbar. Bindreiter: "Vor allem bei generell eher unruhigen oder schwierigen Schülern merken wir eine deutliche Verbesserung. Bitte, wir reden hier nicht von einer Dose am Tag. Wir haben Jugendliche bei uns gehabt, die Minimum vier Energy-Drinks pro Tag gekippt haben."

Nachforschungen des Schulleiters in Form von Gesprächen mit den Kids hätten ergeben, dass manche "keinen natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus" gehabt hätten. "Ein Schüler hat gesagt, dass er fast jede Nacht um vier Uhr früh aufgewacht ist und dann Stunden ferngesehen hat. Man kann sich vorstellen, wie der um acht Uhr in die Schule gekommen ist" , erzählt Bindreiter im Standard-Gespräch.

Unmengen Dosen im Müll

Auf das Problem des steigenden Energiebedarfs in der Schule ist der Direktor aber nicht nur wegen der Unruhe unter seinen Schützlingen gestoßen. "Eigentlich sind wir über den Hausmüll aufmerksam geworden. Da waren immer mehr Energy-Drink-Dosen dabei. Irgendwann habe ich mir dann gedacht, ‚Erwin, jetzt musst was tun‘" , erinnert sich Bindreiter.

Unter Experten findet das Projekt aber nicht nur Zuspruch. "Ein Verbot birgt generell immer die Gefahr, das Verbotene im ‚Untergrund‘ erst so richtig interessant zu machen. Ähnlich wird es wohl auch bei den Energy-Drinks sein" , gibt Werner Leixnering, Leiter der Jugendpsychiatrie am Linzer Wagner-Jauregg-Krankenhaus zu bedenken. Auch dass Power-Getränke eine Gefahr für Jugendliche seien, glaubt der Jugendpsychiater nicht. Leixnering: "Immerhin sind die Getränke von der Lebensmittelbehörde als unbedenklich eingestuft und zugelassen worden." Aber "rein vom gesundheitlichen Aspekt betrachtet" sei das Verbot durchaus zu begrüßen: "Die Kombination von Koffein und viel Zucker in den Getränken können wir natürlich nicht empfehlen." (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe 12. Oktober 2009)

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    Schüler, die vier oder mehr Dosen Energydrinks in sich hinein schütten, sollen die Ausnahme sein.

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