Gleichmäßig verteilte Zerfahrenheit

11. Oktober 2009, 17:29
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Keine wirklich stabilen Dreiecke und fehlende automatisierte Dynamik

Die Analyse der drei häufigsten Pässe der Österreicher im Spiel gegen Litauen zeigt uns ein im Hinblick auf die spielerische Partizipation relativ ausgeglichenes Netzwerk. Die Passwerte der meisten Spieler liegen eng beieinander. Das liegt allerdings weniger an der Dichte, also der Stabilität der Beziehungen, denn an der gleichmäßig verteilten Zerfahrenheit und Fragilität im Spielaufbau.

Einerseits schimmert im Strukturbild des Teams das Bemühen durch, Druck durch Vertikalität zu erzeugen. In Roman Wallner finden wir diesbezüglich einen zentralen Bezugspunkt. Seine Beweglichkeit und Laufbereitschaft dokumentiert sich im Top-Zentralitätswert (93) des gesamten Spiels. Auch der vergleichsweise hohe Wert des nach 72 Minuten ausgewechselten zweiten Stürmers Marc Janko lässt den vor allem in der ersten Hälfte evidenten Willen erkennen, das Spiel so schnell wie möglich in die Spitze zu verlagern. Andererseits scheiterte das Team daran, auf Dauer spielstabilisierende Beziehungen zu entwickeln: wenige Aktionen, die über mehr als drei Stationen liefen. Und in der zweiten Hälfte grassierte ein aus vergleichbaren Situationen bekannter eklatanter Spielberuhigungsmangel. Wirklich stabile Dreiecke zeichnen sich demnach nicht ab. Musterprägend sind eher Pfeilachsen (Scharner-Kavlak-Wallner, Ulmer-Prager-Wallner, Scharner-Pehlivan-Wallner), die den Eindruck einer labilen Koexistenz von Bemühen und Verglühen verstärken.

Dem Spiel fehlte weitgehend jene automatisierte Dynamik, die in den vergangenen Partien in Ansätzen von der sogenannten "Sturmachse" ausgegangen war. Positiv zu vermerken bleibt neben Wallners Einsatz die Performance eines anderen Rückkehrers: Veli Kavlak, der nach Anfangshektik ins Spiel fand und mit klugen Pässen sein Vermögen zur Spielgestaltung mehr als andeutete. (Helmut Neundlinger, DER STANDARD Pirntausgabe, 12.10.2009)

DIE MEISTEN PÄSSE / PASSVERSUCHE

1. Kavlak-Wallner 10
2. Dragovic-Scharner 9
2. Scharner-Dragovic 9
4. Wallner-Janko 8
4. Ulmer-Beichler 8
4. Beichler-Ulmer 8
4. Schiemer-Wallner 8
4. Ulmer-Janko 8
9. Scharner-Kavlak 7
10. Prager-Wallner 6
10. Wallner-Kavlak 6
10. Kavlak-Janko 6
10. Pehlivan-Wallner 6

AM ÖFTESTEN ANGESPIELT

1. Wallner 64
2. Janko 52
3. Beichler 35
4. Prager 32
4. Kavlak 32
6. Ulmer 30
7. Dragovic 29
8. Scharner 25
9. Pehlivan 24
10. Drazan 21
11. Schiemer 16
12. Maierhofer 12

GABEN DIE MEISTEN PÄSSE

1. Dragovic 47
2. Scharner 46
3. Ulmer 41
4. Kavlak 37
5. Pehlivan 35
6. Schiemer 34
7. Wallner 29
8. Prager 27
9. Beichler 25
10. Payer 23
11. Janko 17
12. Baumgartlinger 15

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Wallner 93
2. Dragovic 76
3. Ulmer 71
3. Scharner 71
5. Janko 69
5. Kavlak 69
7. Beichler 60
8. Prager 59
8. Pehlivan 59
10. Schiemer 50
11. Drazan 32
12. Payer 31
13. Baumgartlinger 26
14. Maierhofer 16

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Dragovic 85,11 (40 von 47)
2. Pehlivan 82,86 (29 von 35)
3. Baumgartlinger 80,00 (12 von 15)
4. Schiemer 76,47 (26 von 34)
5. Beichler 76,00 (19 von 25)
6. Maierhofer 75,00 ( 3 von 4)
7. Scharner 71,74 (33 von 46)
9. Wallner 68,97 (20 von 29)
9. Ulmer 68,29 (28 von 41)
10. Prager 66,67 (18 von 27)
11. Kavlak 64,86 (24 von 37)
12. Drazan 63,64 ( 7 von 11)
13. Janko 58,82 (10 von 17)
14. Payer 52,17 (12 von 23)

TEAMANTEIL ERFOLGREICHER PÄSSE

1. Dragovic 14,23
2. Scharner 11,74
3. Pehlivan 10,32
4. Ulmer 9,96
5. Schiemer 9,25
6. Kavlak 8,54
7. Wallner 7,12
8. Beichler 6,76

  • Der AnsatzDie Spielzüge werden aufgenommen und codiert.
Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird
interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei
wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus
den Summen angekommener und abgegebener Pässe.
Die AnalytikerFAS.research, in Wien und New York
ansässig, schon bei der WM 2006 und bei der EURO 2008 im Einsatz,
beobachtet die Länderspiele der österreichischen Nationalmannschaft
exklusiv für den Standard.
Team: Ruth Pfosser, Harald Katzmair, Johannes Uhlig, Helmut Neundlinger. (red)
Webtipp: www.fas.at
    grafik: standard

    Der Ansatz
    Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe.

    Die Analytiker
    FAS.research, in Wien und New York ansässig, schon bei der WM 2006 und bei der EURO 2008 im Einsatz, beobachtet die Länderspiele der österreichischen Nationalmannschaft exklusiv für den Standard.

    Team: Ruth Pfosser, Harald Katzmair, Johannes Uhlig, Helmut Neundlinger. (red)

    Webtipp: www.fas.at

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