Fondsgesellschaften wollen Banken-Konzession

11. Oktober 2009, 13:43
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KAGs bisher auf Produktentwicklung und -verwaltung beschränkt - Experte: "Größte Konkurrenz kommt aus eigenem Konzern"

Waidhofen an der Ybbs/Wien - Die österreichischen Kapitalanlagegesellschaften (KAGs), bisher ausschließlich Tochtergesellschaften von Finanzinstituten, streben nach mehr Eigenständigkeit und Selbstbestimmung. "Wir wollen den Bankenstatus erhalten, dafür werden wir alles tun", kündigte der Generalsekretär der Vereinigung der Österreichischen Investmentgesellschaften (VÖIG), Dietmar Rupar, am Wochenende bei einem Treffen der heimischen Fondsindustrie in Waidhofen an der Thaya an. Den Fokus will man verstärkt auf Produkte legen, die für die Vorsorge geeignet sind.

Derzeit sind die KAGs darauf beschränkt, Fondsprodukte zu entwickeln und zu managen, der Vertrieb erfolgt dagegen ohne ihren Einfluss zum größten Teil über ihre Mutterkonzerne, etwa die dort dafür zuständigen Kundenberater. "Die größte Konkurrenz kommt aus dem eigenen Konzern", wies Hans-Jürgen Engelhardt von der Eurogroup Consulting in seinem Vortrag auf diese Situation hin. Zu den größten Konkurrenzprodukten zählen etwa Bausparen, Lebensversicherungen oder die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge. Zu bedenken sei auch, dass sich Kunden im allgemeinen nicht aktiv für Fonds entscheiden. "Fonds werden nicht 'gekauft', Fonds werden 'verkauft'", betonte Engelhardt.

Rentenfonds und gemischte Fonds am meisten gefragt

Noch keine wesentliche Konkurrenz stellen dagegen die in Deutschland bereits verbreiteten, vollautomatisierten und deshalb auch kostengünstigeren ETFs (Exchange Traded Funds) dar. Dies hänge mit der grundsätzlich unterschiedlichen Vertriebsstruktur in den beiden Ländern zusammen, meinte VÖIG-Präsident Heinz Bednar von der Erste Asset Management GmbH. Auch in den derzeit beliebten Garantieprodukten sieht der Fondsexperte keine dauerhafte Lösung für Anleger. In Österreich am meisten gefragt seien noch immer Rentenfonds und gemischte Fonds. Der Fondsvertrieb über Online-Broker spiele ebenfalls noch keine große Rolle.

Knapp vor Jahresende blickt die österreichische Investmentfondsbranche wieder optimistischer in die Zukunft. "Der Weltuntergang ist abgesagt, es schaut wieder spürbar besser aus", sagte Rupar. Nach einem schwachen ersten Halbjahr mit teils kräftigen Kurseinbrüchen, zu denen sich zusätzlich auch noch Nettomittelabflüsse gesellten, habe sich die Lage inzwischen wieder stabilisiert. Neue Mittelzuflüsse erwartet sich die Fondsbranche jetzt etwa aus der Umschichtung von vorhandenen Sparguthaben. Für zusätzlichen Aufschwung sollte ab Juli 2011 auch die neue Möglichkeit des geplanten EU-weiten neuen Fondsregeln UCITS IV sorgen.

Viele vor rund einem Jahr noch mit guten Zinsen abgeschlossene Sparbücher würden jetzt auslaufen, und vergleichbare Zinsen seien derzeit nicht zu bekommen, meinte Rupar. Auch gehe mit Jahresende die unbeschränkte Staatsgarantie zu Ende. Viele Kundengelder würden derzeit auch noch auf schlecht verzinsten Geldmarktkonten liegen. Fondsrenditen von 4 bis 5 Prozent hält etwa Peter Bosek, in der Erste Bank für das österreichische Retailgeschäft zuständig, langfristig für realistisch. Damit müsste man reüssieren können, zum Beispiel beim Vorsorgethema, das in den kommenden Jahren ein Mega-Thema sein werde, und wofür auf der Veranlagungsseite noch keine vernünftige Lösung gefunden worden sei.

Positionierung für Vorsorgeprodukte

EU-Parlamentarier Wolf Klinz als auch der Generaldirektor der Vereinigung der europäischen Fondsindustrie EFAMA sehen eine der derzeitigen Hauptaufgaben der Fondsindustrie darin, Produkte für die Vorsorgesicherung im Alter zu entwickeln. "Investmentfonds sollten als zentraler Anlagebaustein für Vorsorgeeinrichtungen und Renten positioniert werden", so De Proft. Diese Produkte müssten durch Maßnahmen auf steuerlicher Seite unterstützt werden. "Geförderte Produkte sollten nicht nur in den Händen der Versicherungen landen", so Rupar.

An der grundsätzlichen Aufgabe, Produkte für Vorsorge, Versicherung und Veranlagung zu entwickeln, habe sich nichts geändert, meinte Bednar. Stärker in den Vordergrund gerückt werden sollte der "Portfolio"-Gedanke - Fonds sollten Kernelemente eines Kundenportfolios sein. Ebenfalls in den Mittelpunkt rücke die Feststellung der Risikoneigung eines Kunden. "Es geht um Performance und Transparenz, und um die Risiko- und Liquiditätsfrage", so Bednar. Auch sollte von den heimischen KAGs die Nähe zu Osteuropa stärker herausgestrichen werden. Die Produkte seien zwar "unsexy und langweilig", die Vorteile lägen aber in der Konkurssicherheit, Transparenz und dem strikten regulatorischen Regime.

Von den derzeit noch in Verhandlung befindlichen neuen EU-weiten Fondsregelungen, die unter UCITS IV bekannt sind und ab Juli 2011 gelten sollen, könnten sich die Anleger Kostenersparnisse und eine bessere Transparenz und Risikoeinschätzung erwarten. Die KAGs ihrerseits werden mit neuen Produkten schneller und grenzüberschreitend auf den Markt gehen können. Mit den geplanten Risikokennzahlen, mit denen die Fondsprodukte ausgestattet werden sollen, werde der Kunde aber nichts anfangen können, glaubt Bednar. Laut Andrea Mörtl von der Finanzmarktaufsicht (FMA) wird jedes Fondsprodukt mit einer Risikokennzahl zwischen 1 und 10 versehen werden, wozu noch eine verbale Beurteilung kommen könne.

Bis Ende August, den derzeit letztverfügbaren Daten, hat sich das Fondsvolumen am heimischen Investmentfondsmarkt wieder auf 133,9 Mrd. Euro erhöht, nachdem es per Jahresende bereits auf 126 Mrd. Euro von einem Höchststand per Ende 2006 von 167,3 Mrd. Euro gesunken war. "Unsere Produkte sind im Epizentrum des Sturms gestanden, viele haben sich nicht nur die Frage stellen müssen, wie, sondern ob es weiter geht", sagte Bednar. Die Krise habe sich in der Fondsindustrie "erkennbar" abgebildet. (APA)

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