IRA-Splittergruppe INLA stimmt Entwaffnung zu

11. Oktober 2009, 21:38
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Die Gruppe bekannte sich am Sonntag zum Gewaltverzicht - Ankündigung zu Besuch von US-Außenministerin Clinton

 

Dublin - Die radikale nordirische Splittergruppe INLA hat der Gewalt abgeschworen. Die Irische Nationale Befreiungsarmee wolle den bewaffneten Kampf beenden und ihre Ziele künftig mit friedlichen Mitteln erreichen, erklärte am Sonntag in Dublin der politische Arm der Gruppe. Die Erklärung erfolgte nahezu zeitgleich mit einem Besuch von US-Außenministerin Hillary Clinton, die den stockenden Friedensprozess anschieben wollte.

Die INLA sei zu dem Schluss gekommen, dass der bewaffnete Kampf beendet werden müsse, hieß es in einer Erklärung von Martin McMonagle von der Irisch-Republikanischen Sozialistischen Partei, dem politischen Arm der INLA. Das Ziel der Errichtung einer sozialistischen Republik in Nordirland habe durch einen "ausschließlich politischen Kampf" mehr Chancen auf Verwirklichung. Die Organisation machte zunächst keine Angaben dazu, wann sie die Waffen an die Behörden übergeben will.

1975 gegründet

Die 1975 gegründete Gruppe, eine Abspaltung der Irisch-Republikanischen Armee (IRA), ist für zahlreiche Gewalttaten verantwortlich. Sie kämpft gegen die britische Präsenz in Nordirland und schloss sich der 1997 von der IRA einseitig erklärten Waffenruhe nicht an. 1982 starben bei einem von ihr ausgeführten Anschlag auf einen Pub in der Grafschaft Derry 17 Menschen. 1979 verübte die Gruppe ein tödliches Autobomben-Attentat auf Airey Neave, den Sprecher der irischen Konservativen und engen Berater der damaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher. Ermittlungen zufolge war die INLA zuletzt auch in kriminelle Aktivitäten wie Drogenhandel und Schutzgelderpressung verwickelt.

Am Sonntag traf US-Außenministerin Clinton in Dublin ein, sie wurde auch in der nordirischen Hauptstadt Belfast erwartet. Mit ihrem Besuch verbanden viele die Hoffnung auf eine Wiederbelebung des Friedensprozesses in Nordirland, der nach mehreren Morden und Anschlagsversuchen in den vergangenen Monaten in eine Krise geraten ist. Im Jahr 1998 hatten die verfeindeten Protestanten und Katholiken in Nordirland nach drei Jahrzehnten blutigen Kampfes ein Friedensabkommen unterzeichnet. In dem Konflikt wurden mindestens 3.500 Menschen getötet. (APA/AP)

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