"Sonst wären wir nach sechs Partien Weltklasse"

11. Oktober 2009, 10:39
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Platz drei in der WM-Quali ist fix, der Besuch in Paris dient der Horizonterweiterung. Das eher mäßige 2:1 gegen Litauen brachte weitere Aufschlüsse

Innsbruck - Die Alternative zur guten Stimmung wäre die schlechte, jene zu keinem Andreas Ivanschitz ein Andreas Ivanschitz. Aber ein 2:1-Sieg in Innsbruck gegen Litauen ist besser als kein 2:1-Sieg. Nicht Gruppenzweiter zu werden und somit die theoretische Chance auf die WM in Südafrika verpasst zu haben ist zwar schade, jedoch vernünftiger als ein gebrochenes Bein. Rang drei entspricht der Realität. Die Plätze vier, fünf oder gar sechs wurden mit einer gewissen Souveränität vermieden. Für Perversitäten, zum Beispiel einen Punktgewinn der Färöer in Frankreich, ist sich der Fußball zu schade, die Franzosen gewannen 5:0. Gruppensieger Serbien verfuhr mit Rumänien genauso streng. Womit das 1:1 der Österreicher vor ein paar Wochen in Bukarest relativiert wurde, das hat nichts mit Nestbeschmutzung zu tun, Rumänien war eh einmal sehr super.

Die Rasselbande

"Eine sehr schwere Geburt" sagte Teamchef Dietmar Constantini noch am Samstagabend. Dass er just daheim in Tirol voll punkten durfte, war ein liebes Randgeschichterl. Immerhin musste das von ihm gemalte Bild (Titel zur Auswahl: "Der Aufschwung" "Die Rasselbande" , "Lass den Sonnenschein in dein Herz hinein" , "Jugend mit Gott" ) nicht abgehängt werden. Man könne sich nicht in jedem Spiel verbessern. "Sonst wären wir nach sechs Partien Weltklasse. Ich bin kein Träumer, dazu zu lange im Geschäft."

Constantini, ein sturer Tiroler seit 54 Jahren, geht seinen Weg, vermeidet Blicke nach links und nach rechts. "Beirren lasse ich mich nicht." In seiner Amtszeit wurden in der WM-Qualifikation zehn von 15 möglichen Punkten geholt. "Mit dieser Bilanz kann man leben." Das 2:1 gegen Litauen habe dem Jugendorchester neue Erkenntnisse gebracht, zum Beispiel: "Man kann gewinnen, auch wenn man nicht so gut spielt. Glück lässt sich erzwingen."

Der Gedankenaustausch

Den Sonntag verbrachte Constantini mit den Trainern der Bundesligaklubs, Gedanken wurden ausgetauscht, Termine abgesteckt, schließlich hängt der eine von den anderen ab. Spieler sind öfter beim Verein als beim Team, dazu bedarf es keiner Studie. Roman Wallner ist hauptsächlich für den LASK tätig. Und davon profitiert Österreich. Wallner war gegen Litauen der Auffälligste, er wirbelte durchs Tivoli ("Die Kleinen müssen immer mehr rennen" ), knallte den Elfer unter die Latte. 2003 hatte er zuletzt getroffen, beim längst vergessenen 2:0 gegen Costa Rica. Sogar ihm, Wallner, musste davon erzählt werden. "Ja, stimmt."

Zu den positiven Erscheinungen zählten weiters Marc Janko, dessen Tor zum 1:0 famos war. Er versicherte, dass er den Ball exakt so platzieren wollte. Das Zuspiel stammte von Franz Schiemer, der wiederum versicherte, dass es sich eher um einen Befreiungsschlag gehandelt hat. Aus siebzig Metern Entfernung sieht man nicht einmal den Janko. Veli Kavlak gefiel im rechten Mittelfeld nicht nur Constantini. Der lange Stefan Maierhofer (kam für Janko) zeigte einen spektakulären Kurzauftritt, er benötigte zwanzig Minuten, um die Kollegen aufzurütteln.

Am Mittwoch wird die Quali in Paris gegen Frankreich abgeschlossen. Das Spiel hat an Reiz verloren, es geht natürlich um Punkte, ums Prestige, um die Erweiterung des Horizonts. Aber auch um die nicht schmackhafte goldene Ananas. Schiemer macht den Ausflug nicht mit, er ist gesperrt. Vermutlich wird ihn Ekrem Dag ersetzen, Christian Fuchs ist wieder teilnahmeberechtigt. Der 17-jährige David Alaba wird nachnominiert, er war am Samstag beim 2:1 der U21 in Aserbaidschan beschäftigt. Alaba, in Österreich geborener Sohn eines Nigerianers und einer Philippinin, kickt für die zweite Mannschaft von Bayern München. Angeblich hat der deutsche Verband Interesse an einer Einbürgerung bekundet. Er macht die Rechnung ohne ÖFB, Constantini plant, Alaba im Finish gegen Frankreich einzuwechseln. Dafür fährt Deutschland nach Südafrika.

Kapitän Paul Scharner beurteilt den Stand der Dinge so: "Wir stecken im ersten Viertel der Entwicklung." Aber die Stimmung sei super und die Zukunft rosig. (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 12.10.2009)

 

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    Constantini: "So richtig gespielt haben wir nicht"

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