Schwere Ausschreitungen bei Anti-Islam-Demo

11. Oktober 2009, 19:22
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Rechtsextreme Parteien sind im Aufwind: Immer häufiger kommt es zu gewalttätigen Ausschreitungen

Zuletzt bei einer islamfeindlichen Demo in Manchester. 48 Personen wurden verhaftet.

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Manchester/London - Bei Zusammenstößen zwischen antiislamischen und antirassistischen Demonstranten in Manchester hat die britische Polizei 48 Menschen festgenommen. Insgesamt hätten auf beiden Seiten 2000 Menschen teilgenommen, teilte die Polizei am Samstag in der nordwestenglischen Stadt mit.

Rund 700 Anhänger der nationalistischen English Defence League (EDL) standen dabei mit Schildern wie "Keine Moscheen mehr in England" Mitgliedern eines antirassistischen Bündnisses gegenüber. Mehrere hundert Polizisten in voller Kampfmontur trennten die Kundgebungsplätze beider Lager. Trotzdem kam es in den umliegenden Straßen immer wieder zu Zusammenstößen. Einige EDL-Mitglieder zeigten den Hitler-Gruß und riefen Nazi-Parolen.

Bei Kundgebungen der EDL kam es in den vergangenen Wochen wiederholt zu Krawallen, zuletzt in London und Birmingham. Die EDL hatte sich im März gegründet, nachdem Muslime gegen Soldaten protestierten, die aus dem Irak und Afghanistan heimkehrten. Seither sind rechtsgerichtete und rechtsextreme Gruppierungen in Großbritannien im Aufwind.

Den größten Erfolg bisher erzielte die rechtsextreme British National Party (BNP), die bei den Wahlen zum Europaparlament im Juni dieses Jahres sogar zwei Parlamentssitze erobern konnte. Politische Beobachter fürchten nun, dass die gewalttätigen Auseinandersetzungen in den kommenden Monaten, im Zuge des Parlaments-Wahlkampfs, zunehmen könnten.

Nach einem Zusammenstoß zwischen Muslimen und EDL-Demonstranten vor einigen Wochen im Norden Londons sagte Kommunalminister John Denham, die neuen rechtsextremen Gruppierungen verwendeten dieselbe Taktik wie die britischen Faschisten in den 30er-Jahren, um britische Muslime zu provozieren. Die Rechtsextremen werfen Polizei und Politikern seit den Selbstmordattentaten in der Londoner U-Bahn 2005 vor, Islamisten zu begünstigen.

Während viele Kritiker in EDL und BNP immer noch eine kleine, radikal-rassistische Truppe, bestehend aus Fußball-Hooligans, sehen, sind Großbritanniens Muslime besorgt: Muhammad Abul Kalam, Sprecher des Muslim Safety Forum (MSF), das die Polizei berät, sagte: "Die anhaltende Wirtschaftskrise könnte dazu führen, dass die Botschaften der Radikalen auch bei einer breiteren Öffentlichkeit ankommen." (Reuters, red/DER STANDARD, Printausgabe, 12.10.2009)

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    Rechtsextreme gegen anti-rassistische Demonstranten: Trotz massiven Polizei-Einsatzes eskalierte die Kundgebung in Manchester. Experten warnen: Die Stimmung auf der Insel sei explosiv.F.: AP

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    Die Rechtsextremisten fürchten sich vor "Englastan"

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