Peking verhängt Todesurteile nach Uiguren-Aufruhr

12. Oktober 2009, 17:02
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Auftakt für Massenverfahren - 430 Aufständische verhaftet

Chinas Justiz hat im Schnellverfahren die ersten sechs Todesurteile gegen uigurische Angeklagte verhängt. Das Mittlere Volksgericht in Ürümqi warf ihnen schwerste Verbrechen während des ethnischen Aufruhrs am 5. Juli in Ürümqi vor, bei dem197 Menschen starben und 1680 verletzt wurden. Insgesamt verurteilte es sieben Männer, von denen einer mit lebenslanger Haft der Todesstrafe entkam, weil er der Polizei half, meldete die Nachrichtenagentur Xinhua.

Allen wurde Mord, Bandenüberfall auf Passanten, Brandstiftung und Raub vorgeworfen. Die sieben Uiguren wurden in den Abendnachrichten mit Namensschildern bei der Verlesung ihrer Urteile gezeigt. Das Gericht warf dem am schlimmsten beschuldigten Abdukerim Abduwayit vor, fünf Zivilisten auf der Straße mit Stahlrohren totgeschlagen und ein Gebäude in Brand gesteckt zu haben. Alle Verurteilten trugen auf ihrer roten Häftlingskleidung Nummern von eins bis sieben.

Der Prozess ist Auftakt für weitere Massenverfahren. Nach Justizangaben wurden bisher offiziell 430 Teilnehmer des Aufruhrs verhaftet. Der schon für Anfang September angesetzte Prozess war verschoben worden, weil die Behörden neue Unruhen befürchteten.

Um Spannungen abzubauen, ließ Peking am Wochenende zudem die Urteile von zwei lokalen Gerichten in Südchinas Stadt Shaoguan bekanntgeben, die elf chinesische Arbeiter einer Spielzeugfabrik drastisch bestraften und einen zum Tode verurteilten. Die Angeklagten hatten uigurische Wanderarbeiter überfallen, wobei zwei Uiguren starben- der Auslöser der Unruhen in Ürümqi. (Johnny Erling aus Peking/DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2009)

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