Ein Volk huldigt seinem toten Landespatron

11. Oktober 2009, 18:12
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Gedenkveranstaltungen sollten die Kärntner an Haiders 1.Todestag erinnern - In den Dom, an den Unfallort und ans Grab kamen weniger Menschen als erwartet

Klagenfurt - In Kärnten ist die Sonne zurückgekehrt. Zumindest so lange, wie die Gedenkfeier für Jörg Haider anlässlich seines ersten Todestages am Unfallort in Lambichl andauerte. Vor genau einem Jahr war der frühere Kärntner Landeshauptmann ebendort volltrunken mit 140 Stundenkilometer in den Tod gerast.

Selbst verschuldet? Das glaubt hier keiner der rund 1000 Jörg-Fans, die sich an diesem Tag bei strahlendem Oktoberhimmel auf den Weg gemacht haben, um ihrem Idol posthum an dessen Todesstätte zu huldigen. "Der Jörg ist ermordet worden. Er war zu vielen im Weg" , meint ein Biker, der Haiders Bildnis als Tattoo auf seinem rechten Oberarm trägt. Auf dem linken prangt Elvis Presley. Er hat eine Grabkerze in roter Ummantelung mitgebracht und an der Erinnerungsstätte angezündet, wo bereits schon viele andere Lichter brennen.

Das BZÖ hatte diese weltliche Gedenkandacht nach der kirchlichen im Dom zu Klagenfurt angesetzt, um an der Unfallstelle ein Marterl zu enthüllen, das ein bekannter Restaurator und Star einer Faschingsgilde gestaltet hat, mit dem Haider eine langjährige Freundschaft verband. Man soll sich auf ewige Zeiten an den viel zu früh verstorbenen Politstar erinnern können. Haiders Familie, Witwe Claudia, die Töchter und die 91-jährige Mutter Dorothea sind nicht nach Lambichl gekommen. Sie wohnten der Messe im Dom bei.

An der Unfallstelle treffen sich Haiders politische Erben und die von Haider oft beschworenen "kleinen Leute" . Keiner ist hier, der nicht eine persönliche Erinnerung den Verstorbenen hätte. Ein älterer Herr aus Linz im Kärntner Anzug mit den Kärntner Fahnenfarben am Revers holt eine Bild hervor, das den jungen Jörg in einer Freundesrunde zeigt. "Ich hab ihn schon in Bad Goisern gekannt" , bekennt er. Wie er sich heute fühle? "Ja mein Gott, es ist furchtbar." Das Bild will er später Claudia Haider als Erinnerung geben. Eine Frau kommt gerade aus dem Bärental, wo sie zuvor die private Gedenkstätte besucht hat, wo die Urne Haiders bestattet sein soll. "So schön haben sie das hergerichtet!"

Auch eine Abordnung der italienischen Lega Nord mischt sich unter die trauernden Haider-Anhänger. Bereitwillig entrollen sie ihre Fahnen und lassen sich von den zahlreichen in- und ausländischen Fotografen und Kameraleuten abbilden. Nie mehr seit Jörg Haiders Tod hat es in Kärnten so einen Medienrummel gegeben. Es dürfte wohl auch der letzte um ihn gewesen sein. "Nächstes Jahr interessiert sich niemand mehr für Haiders Todestag" , meint eine französische Journalistin.

Patron der Autofahrer

Das BZÖ gibt sich alle Mühe, Haiders Andenken möglichst lange wach zu halten. "Wir betreiben keinen Totenkult, wir trauern, das kann uns niemand verwehren" , betont Landeshauptmann Gerhard Dörfler. Der Kärntner BZÖ-Chef Uwe Scheuch zitierte seinen Sohn, wie schon vor einem Jahr bei Haiders Begräbnis: "Der Landeshauptmann Haider kann doch gar nicht sterben." Schließlich enthüllen alle vier BZÖ-Regierungsmitglieder gemeinsam das Haider-Marterl unter Absingen des Kärntner Heimatliedes. Das Marterl zeigt vier Heilige, darunter auch den Kärntner Landerspatron, den heiligen Joseph, den Nährvater. An der Vorderfront und damit straßenseitig ist Sankt Christophorus, der Schutzpatron der Autofahrer, abgebildet. "Eine Warnung für alle, die im Leben zu schnell unterwegs sind" , erläutert Dörfler. Denn er glaube nicht an diverse Mordszenarien, setzt Dörfler nach. Damit die bei den Haider-Fans trotzdem ankommen, dafür sorgen jede Menge junger Leute in schwarzen T-Shirts mit Internetadresse drauf, auf der alle möglichen Verschwörungstheorien über einen gewaltsamen Tod Haiders blühen.

Ein Kleinflugzeug kreist tief über der Gedenkveranstaltung und zieht ein riesiges Transparent hinter sich her: "Wahrheit für Jörg Haider" , steht drauf in Riesenlettern. Unterdessen umarmen sich die vier BZÖ-Regierungsmitglieder demonstrativ vor dem Marterl und erneuern ihren politischen Rütli-Schwur: "Jörg Haider ist nicht mehr. Aber sein Erbe ist bei uns in guten Händen."(Elisabeth Steiner/DER STANDARD-Printausgabe, 12. Oktober 2009)

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    Die Trauer um den verunfallten Landeshauptmann Jörg Haider ist auch an seinem ersten Todestag bei vielen seiner Fans ungebrochen, wie hier am Unfallort in Lambichl.

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    Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler sowie Jutta und Uwe Scheuch nach der Enthüllung eines Marterls im Rahmen der Gedenkfeier für den vor einem Jahr tödlich verunglückten Jörg Haider in Klagenfurt.

  • Meistfotografiert: Ein Haider-Verehrer mit Haider-Tattoo
    foto: der standard/gerhard maurer

    Meistfotografiert: Ein Haider-Verehrer mit Haider-Tattoo

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    In Lambichl raste Haider in den Tod.

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