Spielen ohne Stoff

10. Oktober 2009, 13:22
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Konsolen verlassen verstärkt die materielle Ebene

Wahrscheinlich sollte man gelegentlich mehr auf alte Philosophen hören. Dann könnten sich Firmen umfangreiche Strategiesitzungen ersparen. Der Herr Plotin beispielsweise ist auch schon über 1700 Jahre tot, und dennoch hat er den Weg vorgezeichnet, den Konsolenhersteller immer stärker begehen: dem Streben, sich vom Materiellen zu lösen.

Weg von den stofflichen Speichermedien

Gut, der Grieche hat es in einem etwas anderen Zusammenhang gesehen, aber Sony und Microsoft wenden sich zusehends von den stofflichen Speichermedien ab, wie die aktuellen Entwicklungen zeigen. Da ist einmal die neue PSP Go. Die hat nämlich für die Kunden der alten PSP einen nicht ganz unwesentlichen Nachteil: Spiele können nur noch aus dem Internet heruntergeladen und auf der Konsole selbst gespeichert werden. All jene, die sich für die bisherigen Modelle Spiele und Filme auf den UMD genannten Speichermedien gekauft haben, können diese mit der PSP Go nicht mehr benutzen - die alten Modelle gibt es aber weiter. Sony scheint sich der Problematik bewusst zu sein, Umsteiger dürfen sich drei Spiele kostenlos herunterladen. Nicht lösen lässt sich das Problem der Stromversorgung: Der Akku ist fest eingebaut und hält vier bis fünf Stunden - wer über den Atlantik fliegt, kann nur die halbe Flugzeit spielen.

Beeindruckende Bilder

Zum Positiven: Das 3,8 Zoll-Display liefert wirklich beeindruckende Bilder, die beim neuen Gran Tourismo tatsächlich so etwas wie Rennfieber aufkommen lassen, wenn man auf dem Kurs der 24 Stunden von Le Mans den etwas buckligen Abschnitt nach der Mulsanne-Kurve dahinbrettert. Anders liegt die Sache bei Motorstorm Arctic Edge - Hindernisse erscheinen teilweise so klein, dass man sie übersieht. Die zunächst ungewohnte Steuerung funktioniert aber einwandfrei. Beim Konkurrenten Microsoft will man die DVD vernichten - beziehungsweise deren Verleiher. Noch im Herbst (der ja erst kurz vor Weihnachten endet) will man in Österreich Video on Demand auf der Xbox 360 einführen. Das soll den Gang in die Videothek überflüssig machen, hofft das Management.

Festplatte und Streaming Video

Zwei Optionen soll es geben: das Herunterladen auf die Festplatte und Streaming Video - man drückt also auf den Knopf, und nur kurze Zeit später beginnt der Film, während im Hintergrund weiter geladen wird. Stolz ist man bei Microsoft, dass sich das System an die verfügbare Bandbreite anpasst: Die Geschwindigkeit bleibt konstant, lediglich die Qualität der Bilder wechselt bei schlechter Verbindung. Nach dem Druck auf den "Play"-Knopf kann man den Film 24 Stunden lang beliebig oft betrachten. Funktioniert das System in Österreich ebenso wie in den USA und anderen Ländern, sollen die Filme verfügbar sein, sobald sie auch in die Regale der Videotheken geräumt werden. In einem weiteren Punkt helfen die beiden Unterhaltungskonzerne den Kunden, sich dem Ideal des Herrn Plotin anzunähern, Materielles loszuwerden: Ein Xbox-Video wird teurer sein als in der Videothek, die PSP Go kostet mit rund 250 Euro 80 Euro mehr als der Vorgänger.(Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe vom 10.10.2009)

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