Wozu man Freunde hat

10. Oktober 2009, 15:33
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Freunde haben eine einfache Funktion: Sie sagen einem, was Sache ist.

Ein Satz, den ich unlängst in der U-Bahn aufschnappte, blieb mir hängen: "Hat der keine Freunde, die ihm sagen, dass der Anzug einfach nur scheußlich ist?" Schnell hab ich mich gefragt, wie das denn bei mir so ist. Habe ich Freunde? Und wenn ja, geigen sie mir halbwegs ehrlich die Meinung? Schnell war klar, ja ich hab Freunde. Sehr ehrliche Freunde. Und anscheinend hab ich sogar das Glück, meinen besten Freund geheiratet zu haben. Und dann auf einmal der Schock: Ich hab inzwischen mehr als 200 Freunde auf Facebook. Die werden es mir auch anständig reinsagen, hm?

Bis heute darf ich mich freuen, dass die Reaktionen auf Facebook durch die Bank sehr kurzweilig sind. Ich bekomme lustige Meldungen, sogar ab und an ein wenig Lob für meinen Facebook-Blog. Nur die Idee mit der Profil-Foto-Auswahl fanden nicht alle toll. Das hat mir eine "FreundIn" sogar deutlich erklärt: "hm. ich finde, langsam wird das irgendwie narzisstisch. ich meine, das ist schon ein bissl eitel, oder? ein voting? gehts noch?"

Rampensau

Einer Rampensau wie mir, den Vorwurf des Narzissmus zu machen, fand ich so lustig, dass ich antwortete: "Ich und narzistisch? Das kommt mir ein bisserl an den Haaren herbeigezogen vor, die ich schon lange nicht mehr habe..."
Nach einem kurzen Hin und Her war die gute "FreundIn" angenascht, weil ich es auch noch wage, mit meiner Schwäche Scherz zu treiben, und weidete sich daran, dass "der Journalist" narzisstisch falsch geschrieben hat.

Tags darauf hab ich das Geplänkel schon fast vergessen, als ich sehe, dass genau die "FreundIn" eine Facebook-Gruppe gegründet hat: "Zart besaitet - Hilfe für hochempfindliche Menschen." Und natürlich hat sie mir auch gleich eine Einladung zukommen lassen. (Guido Gluschitsch)

  • Rampensau oder zart besaitet?

    Rampensau oder zart besaitet?

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