Musik, die wie Radio tut

10. Oktober 2009, 11:50
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"Persönliches Radio", das nach Musikart und Interpreten automatisch wie eine Radioplaylist erstellt wird, erfreut sich am Handy wachsenden Zuspruchs - und kämpft mit teuren Lizenzgebühren

Radio, dessen Programm von Zuhörerinnen und Zuhörern bestimmt wird: Mit diesem "demokratischen" Musikversprechen werben seit Jahren eine Reihe von Musikdiensten, jetzt bekommen sie durch Smartphones neuen Aufwind.

"Personal Radio"

So hat der US-Anbieter Slacker mit Blackberry- und iPhone-Software seine Userzahlen seit Jahresbeginn von sechs auf zehn Millionen gesteigert. Konkurrent Pandora konnte dank Apples iPhone seine Abo-Zahl innerhalb des vergangenen Jahres sprunghaft um 8,5 Millionen User steigern und zählt jetzt 35 Millionen. "Personal Radio" ermöglicht es, Playlisten auf Basis eines Musik-Genres oder eines Titels oder Interpreten automatisch erstellen zu lassen. Auch Last.fm (der Name spielt darauf an, dass es "das letzte" UKW-Radio, fm, sei, das man noch brauche), eines der ältesten Angebote auf dem Markt und in den USA Nummer zwei hinter imeem.com, verzeichnete dank seiner iPhone-App einen Schub bei der Zahl der Benutzer. Teils werden die Playlisten von professionellen DJs zusammengestellt, teils lernen sie aus Vorlieben der Zuhörerinnen und Zuhörer.

Community spielt mit

Last.fm, das Studenten aus Österreich und Deutschland 2002 als Internetradio gründeten und das 2007 von CBS gekauft wurde, ist eines der wenigen Angebote, die auch in Österreich verwendet werden können. Zwar scheinen die Community-basierenden Musikangebote mehr Zulauf auf dem Markt zu finden als andere Music-on-demand-Services wie Napster, bei denen man aus einem umfangreichen Musikkatalog beliebig viele Titel auswählen kann. Aber der komplizierte nationalisierte Lizenzmarkt, zusammen mit exorbitanten Lizenzgebühren, macht es für die Anbieter dieser Streaming-Kanäle schwierig, sich zu finanzieren.

"Noch ein weiter Weg"

Davon können die schwedisch-britischen Gründer von Spotify ein Lied singen. Spotify habe "noch einen weiten Weg vor sich", schrieb Mitgründer Daniel Ek vor wenigen Tagen in seinem Blog. Die Musikindustrie erwarte Erfolg über Nacht und hohe Gebühren. Das erschwere es jedoch, ein langfristig funktionierendes Modell zu entwickeln. Spotify bietet Musik gratis mit Werbung oder gegen Gebühr werbefrei - in Österreich bisher aufgrund der Lizenzgebühren noch nicht. "Einen Albtraum" nannte einer der Last.fm-Gründer, Martin Stiksel, vor einiger Zeit die komplizierten Lizenzbedingungen. Dabei gebe es, nach dem Handy, noch einen weitere Markt zu erobern: Den von Widgets auf Internet-verbundenen TV-Geräten und von WiFi-Geräten im Heim.(Helmut Spudich/DER STANDARD, Printausgabe vom 10.10.2009)

  • Gutes altes Radio: Comeback als personalisierter Internet-Musikdienst auf dem Handy - wenn die Musikindustrie mitspielt.
    foto: fotolia/shyrokova

    Gutes altes Radio: Comeback als personalisierter Internet-Musikdienst auf dem Handy - wenn die Musikindustrie mitspielt.

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